Hessentag in Fulda: Wenn Berichterstattung zur Selbstinszenierung wird

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Auffällig ist in Osthessen derzeit weniger der Hessentag selbst als die Art, wie über ihn gesprochen wird. Noch bevor in Fulda die ersten großen Veranstaltungstage beginnen, hat sich eine Debatte entwickelt, die viel über den Zustand regionaler Öffentlichkeit erzählt – und über das Verhältnis von Medien, Politik und Selbstdarstellung.

Die osthessische Presselandschaft war nie frei von markigen Slogans oder demonstrativem Eigenmarketing. Aufmerksamkeit gehört zum Geschäft. Doch rund um den Hessentag scheint sich manches spürbar verschoben zu haben. Der Fokus liegt nicht mehr allein auf dem Landesfest, den kulturellen Veranstaltungen oder den Menschen, die dieses Ereignis seit Monaten vorbereiten. Stattdessen drängt sich zunehmend ein Medium in den Mittelpunkt, das seine Rolle nicht mehr nur als journalistischer Begleiter versteht, sondern erkennbar als zentraler Akteur des Geschehens.

„.... macht den Hessentag groß“ – ein Satz, der zunächst wie ein selbstbewusster Werbespruch wirken mag, bei genauerem Hinsehen jedoch eine bemerkenswerte Haltung offenbart. Denn ein Fest wie der Hessentag entsteht nicht durch mediale Kampagnen. Seine Bedeutung speist sich aus der Arbeit von Vereinen, Ehrenamtlichen, Organisatoren, Sicherheitskräften, Gastronomen und Tausenden Menschen, die eine Stadt über Wochen hinweg prägen. Wer öffentlich den Eindruck vermittelt, das Ereignis verdanke seine Größe vor allem der eigenen Präsenz, verschiebt den Maßstab journalistischer Begleitung in Richtung Selbstinszenierung.

Bemerkenswert ist dabei weniger die Eigenwerbung selbst als die politische Kulisse, die sie inzwischen begleitet. Wenn Stadtoberhäupter und Politiker, selbst aus unterschiedlichen politischen Lagern, öffentlich demonstrative Unterstützung zeigen und ein Oberbürgermeister die besondere Bedeutung eines einzelnen Mediums hervorhebt, entsteht zwangsläufig ein Eindruck von Nähe, der Fragen aufwirft. Nicht, weil Politik und Medien grundsätzlich distanziert oder feindselig miteinander umgehen müssten. Sondern weil Glaubwürdigkeit gerade im Regionaljournalismus oft davon lebt, erkennbare Rollen nicht zu vermischen.

Der Kontrast wird zusätzlich dadurch verstärkt, dass sich ausgerechnet die großen offiziellen Medienpartner des Landes Hessen vergleichsweise zurückhaltend präsentieren. Sie begleiten den Hessentag sichtbar, aber ohne permanente Selbstvergewisserung. Auch der zweite städtische Medienpartner bleibt eher im Hintergrund. Keine demonstrative Überhöhung der eigenen Rolle, keine öffentlichen Botschaften darüber, wer dieses Fest angeblich erst relevant mache. Gerade diese Zurückhaltung macht das Auftreten des anderen Mediums umso auffälliger.

Dabei liegt die eigentliche Stärke journalistischer Arbeit oft gerade darin, sich nicht selbst zum Mittelpunkt zu erklären. Große Ereignisse benötigen Aufmerksamkeit, aber sie funktionieren nicht als Bühne für mediale Eitelkeiten. Wer berichtet, muss sichtbar sein, ohne wichtiger wirken zu wollen als das Ereignis selbst. Genau an dieser Grenze entsteht derzeit in Fulda eine spürbare Irritation.

Denn außerhalb medialer Kampagnen erleben viele Menschen den Hessentag deutlich nüchterner. Dort wird organisiert, aufgebaut, geplant und gearbeitet. Vereine investieren Zeit und Energie, Ehrenamtliche stemmen Programme, Sicherheitskonzepte werden abgestimmt, Gastronomiebetriebe bereiten sich auf Ausnahmezustände vor. Niemand dort würde ernsthaft behaupten, allein verantwortlich für die Größe dieses Festes zu sein. Vielleicht wirkt gerade deshalb die öffentliche Selbstaufwertung eines einzelnen Mediums auf viele Beobachter so befremdlich.

Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: Je enger Politik und Medien öffentlich miteinander auftreten, desto wichtiger wird die Frage nach der notwendigen Distanz. Gerade auf regionaler Ebene entstehen Nähe und persönliche Verbindungen fast zwangsläufig. Das ist weder ungewöhnlich noch automatisch problematisch. Problematisch wird es erst dann, wenn aus professioneller Zusammenarbeit sichtbare gegenseitige Bestätigung wird. Wenn Politik beginnt, einzelne Medien öffentlich aufzuwerten, und Medien diese Nähe zugleich offensiv inszenieren, verschwimmt die Grenze zwischen Begleitung und gegenseitiger Verstärkung.

Der Hessentag selbst dürfte davon unberührt bleiben. Fulda wird feiern, diskutieren, sich präsentieren und Gäste empfangen – so wie viele Städte zuvor auch. Die Bedeutung dieses Festes entsteht nicht durch Schlagzeilen über dessen angebliche mediale Größe, sondern durch die Menschen, die es tragen. Vielleicht liegt genau darin der Unterschied zwischen öffentlicher Wirkung und öffentlicher Wahrnehmung. Das eine muss nicht ständig betont werden. Das andere dagegen offenbar umso mehr. +++ me

2 Kommentare

  • In Fulda wird die Nähe zwischen Politik und einem einzelnen Medium zunehmend kritisch gesehen. Während andere Medienpartner des Hessentags professionell im Hintergrund bleiben, entsteht vor Ort der Eindruck einer gemeinsamen Bühne zwischen Politik und Medium.

    Viele Parteien schweigen dazu auffallend. Dabei geht es längst nicht mehr nur um Werbung, sondern um die Frage, wie viel öffentliche Nähe zwischen Politik und Medien angemessen ist, ohne Zweifel an Unabhängigkeit und Transparenz zu erzeugen.

    Auch Oberbürgermeister Heiko Wingenfeld muss sich diese Kritik gefallen lassen. Vertrauen entsteht nicht durch Inszenierung, sondern durch sichtbare Distanz und Glaubwürdigkeit.

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