Europas zögerliche Antwort auf Trump reicht nicht mehr aus

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Donald Trump hat noch keine neue Amtszeit begonnen, doch die Logik seiner Handelspolitik ist bereits zurück. Die angekündigte Erhöhung der US-Zölle auf Autos und Lastwagen aus der Europäischen Union auf 25 Prozent markiert keine überraschende Eskalation, sondern die Fortsetzung eines politischen Prinzips, das wirtschaftlichen Druck als Mittel strategischer Machtausübung begreift. Dass Trump bislang keine Details nannte und die neuen Sätze dennoch bereits ab kommender Woche gelten sollen, gehört zu jener Form kalkulierter Ungewissheit, mit der er politische Gegner und Märkte gleichermaßen unter Spannung hält.

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, fordert nun eine harte Antwort der Europäischen Union. „Trump ist im Augenblick innenpolitisch schwach“, sagte Fratzscher dem „Handelsblatt“. Deshalb sei „spätestens jetzt der Zeitpunkt“, mit Gegenzöllen und insbesondere mit einer Besteuerung amerikanischer Technologiekonzerne zu reagieren, um Nachteile auszugleichen und die eigene Verhandlungsposition zu verbessern.

Der Vorstoß verweist auf ein Problem, das die europäische Handelspolitik seit Jahren begleitet: die Neigung zur defensiven Geduld. Europa reagiert häufig spät, abgestimmt und institutionell vorsichtig, während Washington längst Fakten schafft. Gerade gegenüber Trump erwies sich diese Haltung bereits in seiner ersten Amtszeit nur begrenzt als wirksam. Der damalige US-Präsident verstand wirtschaftliche Beziehungen nie als partnerschaftliches Gleichgewicht, sondern als Wettbewerb nationaler Interessen, in dem Nachgiebigkeit als Schwäche gelesen wird.

Fratzschers Forderung nach Gegenzöllen zielt deshalb weniger auf Eskalation als auf Abschreckung. Die EU soll deutlich machen, dass wirtschaftlicher Druck Kosten verursacht. Besonders die von ihm angesprochene Besteuerung amerikanischer Tech-Unternehmen hätte dabei eine politische Signalwirkung, weil sie einen Bereich träfe, in dem die Vereinigten Staaten gegenüber Europa erhebliche ökonomische Vorteile besitzen. Zugleich würde ein solcher Schritt einen Konflikt berühren, der weit über die Autoindustrie hinausreicht: die Frage, wie Europa seine wirtschaftliche Souveränität gegenüber amerikanischen Digitalkonzernen behaupten will.

Allerdings birgt jede harte Gegenreaktion Risiken. Die europäische Exportwirtschaft ist eng mit dem amerikanischen Markt verflochten, gerade die deutsche Automobilindustrie wäre von einem eskalierenden Handelskonflikt unmittelbar betroffen. Auch deshalb scheuen viele europäische Regierungen den offenen Konfrontationskurs. Doch genau diese Zurückhaltung könnte Trump in seiner Strategie bestärken. Wer permanent signalisiert, einen Konflikt vermeiden zu wollen, schwächt oft die eigene Verhandlungsposition.

Die Debatte reicht damit über Zollfragen hinaus. Sie berührt die grundsätzliche Frage, ob die Europäische Union bereit ist, wirtschaftspolitisch als geopolitischer Akteur aufzutreten oder ob sie weiterhin vor allem reagiert, wenn andere längst handeln. Trumps Drohung ist insofern auch ein Test für Europas politische Handlungsfähigkeit. Eine Union, die sich im globalen Wettbewerb behaupten will, wird sich nicht darauf verlassen können, dass wirtschaftliche Vernunft allein internationale Konflikte entschärft. +++ me

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