Commerzbank im Angriffsmodus: Rekordgewinne, KI-Offensive und 3.000 Stellen weniger

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Die Commerzbank verschärft ihren Umbau und setzt gleichzeitig auf einen offensiven Wachstumskurs. Während das Frankfurter Geldhaus konzernweit weitere rund 3.000 Stellen abbauen will, präsentiert Vorstandschefin Bettina Orlopp mit „Momentum 2030“ die ambitionierteste Strategie der vergangenen Jahre. Ziel ist es, die Profitabilität deutlich zu steigern, die Kostenbasis weiter zu senken und Investoren mit hohen Ausschüttungen an die Bank zu binden. Zugleich sendet die Commerzbank damit ein klares Signal im laufenden Übernahmeringen mit der italienischen Großbank UniCredit: Das Institut sieht erhebliches Potenzial aus eigener Kraft.

Der Zeitpunkt für die neue Strategie ist bewusst gewählt. Die Commerzbank hat das erste Quartal 2026 mit Rekordzahlen abgeschlossen. Das operative Ergebnis stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 11 Prozent auf 1,358 Milliarden Euro und erreichte damit den höchsten Quartalswert der Unternehmensgeschichte. Der Konzernüberschuss erhöhte sich um mehr als neun Prozent auf 913 Millionen Euro. Die Erträge legten um fünf Prozent auf 3,219 Milliarden Euro zu.

Auffällig ist dabei, dass die Bank ihr Wachstum inzwischen aus mehreren Geschäftsfeldern speist. Der Provisionsüberschuss kletterte um neun Prozent auf den Rekordwert von 1,102 Milliarden Euro. Vor allem das Wertpapiergeschäft mit Privatkunden sowie das Anleihegeschäft mit Unternehmen entwickelten sich dynamisch. Gleichzeitig blieb der Zinsüberschuss trotz gesunkener Leitzinsen mit 2,047 Milliarden Euro stabil – ein Wert, der angesichts des schwieriger gewordenen Zinsumfelds als bemerkenswert gilt.

Vorstandschefin Bettina Orlopp wertet die Entwicklung als Bestätigung des bisherigen Kurses. Die Strategie funktioniere besser als ursprünglich geplant, erklärte sie bei der Vorstellung der Zahlen. Die bis 2030 formulierten Ziele seien ambitioniert, aber erreichbar. Ihre Bemerkung, daran müsse sich „jede Alternative messen lassen“, wurde in Frankfurt vor allem als direkte Botschaft an UniCredit verstanden.

Die italienische Großbank hatte ihren Einfluss bei der Commerzbank zuletzt deutlich ausgebaut und gilt inzwischen als treibende Kraft im laufenden Übernahmekampf. Vorstand und Aufsichtsrat der Commerzbank kündigten an, ihre offizielle Stellungnahme zum Angebot von UniCredit zeitnah vorzulegen. Inhaltlich grenzt sich die Bank bereits klar ab. Aus Sicht der Commerzbank bleibt der von UniCredit vorgestellte Plan „vage“ und mit „erheblichen Umsetzungsrisiken“ verbunden. Zudem kritisiert das Institut, dass keine Übernahmeprämie angeboten werde.

Mit der Strategie „Momentum 2030“ versucht die Bank deshalb, ihre Eigenständigkeit auch finanziell zu untermauern. Bis 2030 soll die Nettoeigenkapitalrendite auf 21 Prozent steigen. Das Nettoergebnis will die Commerzbank bis dahin auf 5,9 Milliarden Euro erhöhen. Parallel dazu soll die Cost-Income-Ratio von derzeit 57 Prozent auf 43 Prozent sinken. Für Investoren bedeutet das die Aussicht auf eine deutlich profitablere und effizientere Bank.

Ein zentraler Baustein der Strategie ist Technologie. Zwischen 2026 und 2030 will die Commerzbank rund 600 Millionen Euro in künstliche Intelligenz investieren. Bereits heute nutzt das Institut KI-Anwendungen unter anderem im Beschwerdemanagement, in der Geldwäschebekämpfung und in der Kreditprüfung.

Künftig sollen KI-Agenten ganze Prozesse übernehmen – vom Kontowechsel über Dokumentenprüfungen bis hin zur Vertragserstellung. Ab 2030 erwartet die Bank daraus einen jährlichen Wertbeitrag von rund 500 Millionen Euro. Gleichzeitig sollen etwa zehn Prozent der Kapazitäten freigesetzt werden. Genau an dieser Stelle setzt der angekündigte Stellenabbau an.

Die rund 3.000 wegfallenden Stellen sind Teil der Transformation. Die Commerzbank betont jedoch, den Umbau sozialverträglich gestalten zu wollen. Vorgesehen sind Altersprogramme, natürliche Fluktuation und demografische Effekte. Gleichzeitig plant das Institut Neueinstellungen in Wachstums- und Zukunftsbereichen. Mit den Arbeitnehmervertretungen wurde dazu bereits eine Transformationsvereinbarung geschlossen.

Finanzvorstand Carsten Schmitt sieht die Bank operativ auf Kurs. Die Nettoeigenkapitalrendite verbesserte sich im ersten Quartal auf 12,7 Prozent nach 11,1 Prozent im Vorjahr. Verantwortlich dafür seien steigende Erträge und Fortschritte bei der Effizienz. Tatsächlich sank die Cost-Income-Ratio bereits auf 53 Prozent. Ohne Pflichtbeiträge lag sie sogar bei 50 Prozent.

Wichtiger Wachstumstreiber bleibt das Firmenkundengeschäft. Das Kreditvolumen stieg dort binnen eines Jahres um 16 Prozent auf 120 Milliarden Euro. Besonders gefragt seien Finanzierungen international tätiger Unternehmen. Auch das Privatkundengeschäft entwickelte sich robust. Das Wertpapiervolumen erhöhte sich auf 261 Milliarden Euro. Insbesondere die Online-Tochter comdirect profitierte von einer hohen Handelsaktivität ihrer Kunden.

Auch die polnische Tochter mBank bleibt ein wesentlicher Ergebnistreiber. Ihr operatives Ergebnis legte im ersten Quartal um 62 Prozent auf 329 Millionen Euro zu. Zwar belasteten sinkende Zinsen in Polen das klassische Zinsgeschäft, gleichzeitig profitierte die mBank aber von geringeren Belastungen aus Fremdwährungskrediten.

Nach dem starken Jahresauftakt hebt die Commerzbank ihre Gewinnprognose für 2026 an. Statt bislang mehr als 3,2 Milliarden Euro erwartet das Institut nun mindestens 3,4 Milliarden Euro Überschuss. Die Ausschüttungsquote soll weiterhin bei 100 Prozent liegen, solange die angestrebte harte Kernkapitalquote von 13,5 Prozent noch nicht erreicht ist.

Bereits für das Geschäftsjahr 2025 plant die Bank Ausschüttungen von insgesamt rund 2,7 Milliarden Euro. Neben Aktienrückkäufen soll eine Rekorddividende von 1,10 Euro je Aktie gezahlt werden. Für Investoren ist die Botschaft klar: Die Commerzbank will nicht nur ihre Profitabilität steigern, sondern sich zugleich als eigenständige Alternative im europäischen Bankensektor positionieren. +++ me

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