VCD legt Schwarzbuch zum Bahnverkehr in Hessen vor: Zehn zentrale Probleme bremsen Pendler und Reisende aus

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Bahnfahren gilt als klimafreundlich und ist im Vergleich zum Auto oder Flugzeug für viele Reisende die entspanntere Art der Fortbewegung. Wer jedoch auf pünktliche Verbindungen angewiesen ist, um Termine einzuhalten oder täglich zur Arbeit und wieder nach Hause zu gelangen, erlebt im hessischen Bahnverkehr häufig eine andere Realität. Mit dem im Juli 2026 veröffentlichten „Schwarzbuch Bahn-Zustände in Hessen“ nimmt der Verkehrsclub Deutschland (VCD) Hessen diese Situation in den Blick und benennt die Ursachen für die anhaltenden Probleme.

Das rund 30 Seiten umfassende Schwarzbuch versteht sich als kritische Begleitung der Verantwortlichen im Bahnbetrieb. Nach dem Vorbild des bekannten „Schwarzbuchs“ des Bundes der Steuerzahler soll es die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die Schwachstellen des hessischen Bahnverkehrs lenken und zugleich dazu beitragen, an entscheidenden Stellen Verbesserungen anzustoßen. Strecke für Strecke werden die wichtigsten Probleme beschrieben und Lösungsansätze vorgestellt, die nach Einschätzung des VCD teilweise kurzfristig umgesetzt werden könnten.

Nach Darstellung des Verbandes wirken zehn zentrale Schlüsselprobleme je nach Strecke unterschiedlich stark zusammen und werden häufig durch weitere streckenspezifische Schwierigkeiten verstärkt. Als mögliche Ursachen nennt das Schwarzbuch unter anderem zahlreiche und teilweise gleichzeitig stattfindende Baustellen, Personalmangel sowie enge Fahrpläne bei stark ausgelasteten Zügen.

„Unser Ziel ist nicht, die aktuellen Probleme im Bahnverkehr als Selbstzweck zu benennen, sondern Verbesserungen für die Menschen anzustoßen, die täglich mit Bus und Bahn unterwegs sind. Viele bestehende Schwierigkeiten lassen sich kurz- oder langfristig entschärfen. Das Schwarzbuch des VCD zeigt mögliche Wege zur Verbesserung auf“, sagt Philipp Loth, Autor des Schwarzbuches und Mitglied im Landesvorstand des VCD Hessen.

Sein Mitautor Thomas Preuße verweist darauf, dass hinter dem Bahnbetrieb zahlreiche Abläufe stehen, die für Fahrgäste oft nicht sichtbar seien. „Es gibt im Bahnbetrieb viele Zwänge, die ein Fahrgast nicht kennt. Man möchte eigentlich nur pünktlich von A nach B kommen. Dafür braucht es aber mehr Aufmerksamkeit in Öffentlichkeit und Politik, und zwar bezogen auf die konkreten Probleme. Diese sind nur durch mehr Zusammenarbeit der Akteure zu lösen“, erklärt Preuße.

Aus Sicht des VCD gehören eine verlässliche Anschlusssicherung beim Umstieg sowie eine bessere Information bei Störungen und Verspätungen zu den wichtigsten Aufgaben der Verkehrsunternehmen. Ebenso spiele die Personalsituation eine entscheidende Rolle für einen stabilen Betrieb.

Die Verkehrsverbünde sieht der Verband in der Verantwortung, ausreichend Fahrzeugkapazitäten bereitzustellen, damit die gestiegene Nachfrage infolge des Deutschland-Tickets bewältigt werden kann. Nach Einschätzung des VCD sind einzelne Bahnverbindungen davon deutlich stärker betroffen als andere.

Den größten Handlungsbedarf sieht das Schwarzbuch bei DB InfraGo, dem für das Schienennetz zuständigen Infrastrukturunternehmen. Genannt werden unter anderem Probleme bei der Besetzung von Stellwerken, Defizite in der Baustellenkommunikation, Schwierigkeiten beim Schienenersatzverkehr sowie lange Streckensperrungen, die sich nach Darstellung des Verbandes zunehmend kurzfristig verlängern.

Ein weiteres Thema ist der Fernverkehr. Hessen sei als Transitland besonders betroffen. Begrenzte Streckenkapazitäten auf den zentralen ICE-Achsen führten dazu, dass zusätzliche Fernverkehrsverbindungen den Spielraum für den Nahverkehr einschränkten. Gleichzeitig werde der Fernverkehr in vielen Regionen Hessens zunehmend zurückgefahren.

Als besonders problematisch hebt das Schwarzbuch die Main-Weser-Bahn hervor, die Frankfurt über Gießen und Marburg mit Kassel verbindet. Die Bahnhöfe Frankfurt und Kassel-Wilhelmshöhe seien für viele Menschen in Hessen wichtige Umsteigepunkte in den Fernverkehr, würden jedoch häufig nur mit Verspätung erreicht. Weitere erhebliche Engpässe bestehen nach Darstellung des VCD auf den Strecken zwischen Hanau und Fulda sowie zwischen Frankfurt und Mannheim. Gerade Pendlerinnen und Pendler litten dort darunter, dass verspätete ICE-Züge regelmäßig Auswirkungen auf den Regionalverkehr hätten.

Aufgrund seiner Bedeutung für knapp eine halbe Million Pendlerinnen und Pendler widmet das Schwarzbuch zudem dem öffentlichen Nahverkehr in Frankfurt ein eigenes Kapitel. Neben dem seit Jahren störanfälligen S-Bahn-Verkehr sieht der VCD auch bei U-Bahnen, Straßenbahnen und Bussen weiteren Verbesserungsbedarf. +++ red.

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