Der armenische Premierminister Nikol Pashinyan ist mit dem Hessischen Friedenspreis der Albert-Osswald-Stiftung ausgezeichnet worden. Bei einem Festakt im Hessischen Landtag in Wiesbaden nahm der 51-Jährige die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung entgegen. Gewürdigt wurden insbesondere seine Rolle im Friedensprozess zwischen Armenien und Aserbaidschan sowie sein Eintreten für Dialog und Diplomatie.
Landtagspräsidentin Astrid Wallmann erklärte, der Hessische Friedenspreis richte den Blick auf ein Land, das sich seit 2018 in vielerlei Hinsicht im Aufbruch befinde. Die jüngsten Fortschritte im Friedensprozess zwischen Armenien und Aserbaidschan gehörten zu den bedeutendsten politischen Entwicklungen im südlichen Kaukasus. Mit der Auszeichnung würden Pashinyans Verdienste in diesem Prozess gewürdigt und zugleich ein Zeichen für Verständigung und gewaltfreie Perspektiven der Konfliktlösung gesetzt.
Das 2025 ausgehandelte Friedensabkommen bezeichnete Wallmann als einen ersten, zugleich aber entscheidenden Schritt auf dem Weg zu einem nachhaltigen und verlässlichen Frieden. Es schaffe eine Grundlage für die Normalisierung der Beziehungen, den Aufbau von Vertrauen und die Überwindung der tiefen Gräben, die der jahrzehntelange Konflikt hinterlassen habe.
Bei der Verleihung vertrat Landtagsvizepräsidentin Dr. Daniela Sommer die Landtagspräsidentin. Sie betonte, den jahrzehntelang von struktureller Gewalt geprägten Konfliktpfad zu verlassen, sei kein einfacher Weg. Pashinyan habe Verantwortung übernommen und einen Weg des Dialogs und der Diplomatie eingeschlagen, um neue Perspektiven für Armenien und seine Bevölkerung zu schaffen.
Auch Staatsministerin im Auswärtigen Amt Serap Güler stellte in ihrer Laudatio Pashinyans politische Entwicklung und seinen Umgang mit Widerständen in den Mittelpunkt. Sie erinnerte daran, dass Pashinyan von der Universität verwiesen und später als führender Kopf der Opposition inhaftiert worden sei. Verfolgung und Haft hätten seine Entschlossenheit, für seine politischen Überzeugungen einzutreten, nicht verändert.
Güler verwies zudem auf die sogenannte „Samtene Revolution“, mit der Pashinyan Menschen mobilisiert habe, die Korruption und politische Erstarrung nicht länger hätten hinnehmen wollen. Sein politischer Weg sei von Mut, Verantwortung und der Bereitschaft geprägt, eigene Überzeugungen auch zu hinterfragen und seinem Land neue Perspektiven zu eröffnen.
Pashinyan habe in einer Region politische Verantwortung übernommen, in der Konflikt, Misstrauen und Gewalt über lange Zeit zum politischen Alltag gehört hätten, sagte Güler. Er habe dies nicht hingenommen und Armenien damit die Möglichkeit eröffnet, seine Zukunft nicht ausschließlich aus den alten Konflikten heraus zu definieren, sondern stärker aus den Chancen eines Friedens.
Die Staatsministerin stellte zugleich die Beziehungen Armeniens zu Europa heraus. Armeniens enge Partnerschaft mit Europa sei ein Bekenntnis zu europäischen Werten wie Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Sie stehe zugleich für die Selbstbestimmung über die eigene Zukunft und die Souveränität des Landes. Der Hessische Friedenspreis solle Pashinyan darin bestärken, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen.
Hessens Staatsminister Ingmar Jung betonte in seiner Rede, der Weg zum Frieden sei selten der einfache Weg. Er verlange Mut, Ausdauer und die Bereitschaft, auch schwierige Entscheidungen zu treffen. Das gelte insbesondere dann, wenn politische Entscheidungen im eigenen Land auf Widerstand stießen. Politische Verantwortung zeige sich gerade dann, wenn das Notwendige nicht zugleich das Bequeme sei.
Die Auszeichnung sei zugleich als Botschaft über Armenien hinaus zu verstehen, sagte Jung. Es lohne sich, für Frieden einzutreten und nicht die Konfrontation, sondern den Ausgleich zu suchen. Auch wenn der Weg dorthin schwierig sei, sei Frieden jede Anstrengung wert.
Mit Blick auf die Hinwendung Armeniens zu Europa sagte Jung, diese Entwicklung sei alles andere als selbstverständlich. Hessen verstehe sie als Ausdruck von Vertrauen in Europa, gemeinsame Werte und die Kraft europäischer Zusammenarbeit. Dies bestärke die gemeinsame Überzeugung, dass die Zukunft Europas auf Demokratie und friedlicher Verständigung gründe.
Der Hessische Friedenspreis wird seit 1994 von der Albert-Osswald-Stiftung verliehen und ist mit 25.000 Euro dotiert. Ausgezeichnet werden sollen Bemühungen zur Beendigung von Krieg, Gewalt oder Konflikten, die Gefahr laufen, in Gewalt umzuschlagen. Berücksichtigt werden zudem Maßnahmen zur Konfliktprävention, Strategien zur Vermeidung gewaltsamer Auseinandersetzungen sowie Beiträge zur Völkerverständigung.
Ins Leben gerufen wurde der Preis vom früheren hessischen Ministerpräsidenten Albert Osswald und seiner Familie. Dem Kuratorium gehören Vertreterinnen und Vertreter führender deutscher Friedensforschungsinstitute an, die bei der Vergabe des Preises beratend tätig sind. +++












