Lidl und Einride testen autonomen Elektro-Lkw auf öffentlichen Straßen in Edermünde

Foto: Lidel

Ein kabinenloser Elektro-Lkw mit autonomer Fahrfunktion ist im hessischen Edermünde bei Kassel auf öffentlichen Straßen unterwegs. Lidl setzt damit nach eigenen Angaben als erster Lebensmitteleinzelhändler einen solchen Lastwagen in festgelegten Bereichen zur Filialbelieferung im Realbetrieb in Deutschland ein. Das Projekt erfolgt in Kooperation mit dem schwedischen Technologieunternehmen Einride. Das Fahrzeug operiert auf SAE-Level 4 unter einer offiziellen Genehmigung des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) und transportiert Waren aus dem lokalen Verwaltungs- und Warenverteilzentrum Edermünde direkt in eine nahegelegene Lidl-Filiale.

Mit dem Projekt bringt Lidl gemeinsam mit Einride eine Technologie in den Filialalltag des Lebensmitteleinzelhandels, die bislang vor allem als Entwicklung für die Zukunft betrachtet wurde. Der E-Lkw mit autonomer Fahrfunktion übernimmt dabei Transportvolumina im operativen Realbetrieb. Das Solofahrzeug verfügt über 15 Europaletten-Stellplätze, fährt die festgelegte Strecke bis zu dreimal täglich und deckt die Belieferung des Trockensortiments auf dieser Route komplett ab. Während des viermonatigen Projektzeitraums kann das Fahrzeug nach Angaben der Unternehmen mehr als 3.000 Paletten bewegen.

Mit seinem technologischen Ansatz soll das Projekt gezielt zentrale Herausforderungen der Logistik adressieren. Dazu zählen die komplexen Lieferketten ebenso wie der Fachkräftemangel auf der Straße. Lidl will zugleich frühzeitig Erfahrungen damit sammeln, wie Technologien von morgen in operative Prozesse der Logistik integriert werden können und welche Möglichkeiten sich daraus für den laufenden Betrieb ergeben.

„Intelligenz schafft Effizienz und das ist das Rückgrat für eine dauerhaft verlässliche Warenverfügbarkeit“, sagt Thomas Dangelmayer, Leitung Operative Logistik bei Lidl in Deutschland. Das Unternehmen sorge dafür, dass die Produkte für die Kunden immer zur richtigen Zeit, in der richtigen Qualität und am richtigen Ort seien. Mit dem Projekt werde ein technologischer Meilenstein schrittweise und sicher im Realbetrieb getestet, um zu prüfen, wie sich zukunftsfähige Lösungen optimal in die Logistik integrieren ließen.

Die Logistik im Lebensmitteleinzelhandel stellt Unternehmen aufgrund der hohen Taktung und der großen Warenvolumina vor besondere Anforderungen. Lidl in Deutschland verfügt über 39 Verwaltungs- und Warenverteilzentren sowie mehr als 3.250 Filialen. Dieses dicht geknüpfte und hoch standardisierte Netzwerk bietet nach Einschätzung des Unternehmens ein geeignetes Umfeld für mögliche spätere Skalierungen. Nach einer erfolgreichen Validierung der ersten Strecke ist in einer zweiten Phase der sukzessive Ausbau zu einem sogenannten „Milkrun“-Modell mit mehreren Stopps an einem weiteren Standort geplant.

Das Projekt wurde von der Schwarz Corporate Solutions und Schwarz Digits initiiert und soll zugleich zeigen, wie Unternehmen der Schwarz Gruppe ihre jeweiligen Kompetenzen und Strukturen miteinander verbinden können. „Innovation ist für die Unternehmen der Schwarz Gruppe der zentrale Motor für operative Exzellenz und souveräne Lieferketten“, sagt Serhan Yildirim, Leitung Schwarz Logistics Solutions. Zukunftsfähige Logistik entstehe nicht durch Abwarten, sondern durch vorausschauendes Handeln. Mit dem Projekt würden die Skalierbarkeit des eigenen Ökosystems und der Pioniergeist von Einride miteinander verbunden, um die Transformation der Branche voranzutreiben.

Einride verweist darauf, bereits heute autonome Lieferungen mit realen Volumina nach festen Zeitplänen für Kunden in den USA und Europa durchzuführen. Deutschland bezeichnet das Unternehmen als einen der Schlüsselmärkte. „Wir freuen uns sehr, diese Technologie nun im größten europäischen Markt für den Straßengüterverkehr auf öffentliche Straßen zu bringen und ihren Nutzen gemeinsam mit Lidl in Deutschland und dem breiten Ökosystem der Schwarz Gruppe unter Beweis zu stellen“, sagt Roozbeh Charli, Chief Executive Officer von Einride. Das deutsche Zulassungsverfahren gehöre zu den strengsten der Welt. Die nun genommene Hürde stelle nach seinen Worten die Weichen für eine entschlossene Skalierung.

Auch aus dem Bundesverkehrsministerium wird das Projekt als Beispiel für die Erprobung neuer Mobilitätstechnologien hervorgehoben. Christian Hirte, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr, verweist auf den innovativen Ansatz und die Bedeutung des Vorhabens für den Standort Deutschland. Autonomes und emissionsfreies Fahren werde bereits auf deutschen Straßen erprobt und damit praktisch umgesetzt. Das Projekt von Lidl und Einride unterstreiche die Innovationskraft moderner Logistik und des Standorts Deutschland, der auch vom Mobility Data Space unterstützt worden sei. Ziel sei es, Deutschland zu einem führenden Standort für die Erprobung und Anwendung neuer Mobilitätstechnologien zu machen. Projekte wie das in Edermünde könnten dazu beitragen, Klimaschutz, Wettbewerbsfähigkeit und technologische Souveränität miteinander zu verbinden. +++

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