Ostersonntag im Fuldaer Dom: Bischof Gerber entfaltet die Osterbotschaft als Erfahrung

Bistum fd1

Die filigrane Figur des Auferstandenen aus dem Dommuseum ist am Ostersonntag im Fuldaer Dom sichtbar. Was in der Osternacht als Zeichen von Zerbrechlichkeit und neuer Hoffnung gedeutet wurde, verweist nun auf die Osterbotschaft von Begegnung, Zuwendung und neuem Leben. Foto: Marzena Seidel

Es ist der frühe Morgen des Ostersonntags im Fuldaer Dom, als sich die Reihen füllen und sich eine gespannte Ruhe über den Raum legt. In dieser Atmosphäre entfaltet Michael Gerber seine Predigt – nicht als Rückblick auf ein fernes Wunder, sondern als Deutung einer Erfahrung, die in der Gegenwart ihren Ort hat: dort, wo Menschen einander wirklich begegnen.

Die Auferstehung, so wird an diesem Vormittag deutlich, ist für den Bischof kein abgeschlossenes Ereignis der Vergangenheit. Sie ereignet sich im Hier und Jetzt – in Momenten der Zuwendung, im aufmerksamen Blick, im Ernstnehmen des Gegenübers. Es ist eine Botschaft, die sich nicht im Theoretischen erschöpft, sondern den Alltag berührt.

Im Zentrum seiner Auslegung steht die Begegnung zwischen Maria von Magdala und dem Auferstandenen. Eine Szene, die leise beginnt: eine Frau, allein am Grab, konfrontiert mit Verlust, mit Leere, mit einer Wirklichkeit, die vielen nicht fremd ist. Es ist diese existenzielle Erfahrung, in der sich – so Gerber – die Gegenwart vieler Menschen spiegelt.

Der Wendepunkt kommt unspektakulär und doch entscheidend. Maria erkennt den Auferstandenen zunächst nicht. Erst als er sie beim Namen nennt, verändert sich alles. „Maria!“ – ein einziges Wort, das mehr ist als Anrede. Es ist Beziehung, ist Zuwendung, ist ein Moment, in dem sich etwas öffnet.

Für Gerber liegt genau hier der Schlüssel: Auferstehung geschieht im Angesprochenwerden. Nicht abstrakt, nicht fern, sondern persönlich. „Im Kern ist unsere Osterbotschaft eine Berührung“, sagt er – und meint damit eine Erfahrung, die sich nicht festhalten lässt.

Denn auch das gehört zu dieser Szene: Maria kann den Auferstandenen nicht festhalten. „Halte mich nicht fest.“ Für den Bischof ist das mehr als ein Detail. Es verweist auf eine Grundbewegung des Glaubens: Er entzieht sich der Verfügbarkeit. Er verlangt Vertrauen, ein Weitergehen, ohne sich abzusichern.

In dieser Deutung verdichten sich die Tage zuvor. Gründonnerstag, Karfreitag, die Osternacht – sie alle erzählen von Berührung, von Zerbrechlichkeit, von Hoffnung. Am Ostersonntag führt Gerber diese Linie zusammen und öffnet sie zugleich in die Gegenwart.

Glaube, so wird deutlich, ist keine Erinnerungskultur. Er bewährt sich dort, wo Menschen sich berühren lassen – von dem, was andere bewegt, was sie trägt oder erschüttert. Begegnung wird zum Ort des Glaubens.

Darin liegt für den Bischof auch ein gesellschaftlicher Auftrag. Empathie, oft vorschnell als Schwäche abgetan, gewinnt eine neue Bedeutung. Sie wird zur Kraft, die Gemeinschaft ermöglicht. Wer sich vom Schicksal anderer berühren lässt, übernimmt Verantwortung – nicht aus Pflicht, sondern aus einer Haltung heraus.

Maßstab bleibt dabei die Würde des Menschen. Unverfügbar, unantastbar. Wo sie geachtet wird, so Gerber, zeigt sich etwas von jener Gegenwart, von der die Osterbotschaft spricht.

Dass dieser Vormittag nicht nur vom Wort, sondern auch vom Klang getragen wird, versteht sich fast von selbst. Der Domchor und das Domorchester, geleitet von Franz-Peter Huber, geben der Feier ihren festlichen Rahmen. Mit der „Missa Sancti Joannis Nepomuceni“ von Michael Haydn entfaltet sich ein Klangraum, der das Gesagte auf eigene Weise fortschreibt. An der Orgel: Max Deisenroth.

Am Ende bleibt kein lauter Appell, sondern eine leise Verschiebung der Perspektive. Die Auferstehung – sie beginnt vielleicht genau dort, wo Menschen einander wirklich sehen. +++

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