Mehr Stellen als Bewerber: Warum Jugendliche in Fulda gerade gute Karten haben

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Der Ausbildungsmarkt in der Region Fulda sendet ein selten gewordenes Signal: Wer einen Platz sucht, hat Auswahl. Zwei Monate vor dem Ende des Schuljahres kommen Arbeitsagentur, Jobcenter, Kammern und Schulamt in ihrer Halbjahresbilanz zu einem klaren Ergebnis – auf jede registrierte Bewerberin und jeden registrierten Bewerber kommt rechnerisch mehr als eine offene Ausbildungsstelle.

Ganz ohne Warnzeichen ist die Lage allerdings nicht. Die Ausbildungsbereitschaft vieler Unternehmen sei leicht zurückgegangen, sagte Karsten Hesse, stellvertretender Leiter der Arbeitsagentur Bad Hersfeld-Fulda, bei der Ausbildungsmarktkonferenz in Fulda. Hintergrund seien wirtschaftliche Unsicherheiten und weltpolitische Spannungen. Trotzdem bleibt der Markt aus Sicht der Verantwortlichen aufnahmefähig.

Besonders groß ist die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage derzeit im Verkauf und Handel, bei Versicherungen und Finanzdienstleistungen, in der Lagerwirtschaft sowie in technischen Berufen wie Maschinenbau- und Betriebstechnik. Anders gesagt: In vielen Branchen suchen Betriebe händeringend Nachwuchs – und finden ihn nicht.

Das eigentliche Problem liegt damit weniger bei fehlenden Stellen als bei fehlender Passung. Viele junge Menschen bräuchten gezielte Unterstützung, um ausbildungsreif zu werden, hieß es aus dem Netzwerk. Gemeint sind Sprachförderung, soziale Begleitung und fachliche Hilfen. Programme wie die „Assistierte Ausbildung“ sollen Defizite auffangen, berufsvorbereitende Maßnahmen den Einstieg erleichtern. Dahinter steckt ein nüchterner Befund: Offene Stellen nützen wenig, wenn Bewerber und Anforderungen nicht zusammenfinden.

Auch das Kreisjobcenter sieht Handlungsbedarf. Seit September 2025 wurden dort 85 Jugendliche und junge Erwachsene als ausbildungsplatzsuchend registriert. Einige hätten bereits Perspektiven gefunden, bei vielen sei die berufliche Zukunft jedoch noch offen.

Die Industrie- und Handelskammer beobachtet zugleich einen Rückgang bei ausbildungswilligen Betrieben und bei neu abgeschlossenen Verträgen. Besonders betroffen sei der kaufmännische Bereich. Technisch-gewerbliche Berufe entwickelten sich stabiler, teils sogar leicht positiv. Als Gründe nennt die IHK die angespannte Wirtschaftslage und Defizite bei der Ausbildungsreife mancher Schulabgänger.

Im Handwerk dagegen zeigt die Kurve wieder nach oben. Nach einem Tiefstand im Jahr 2024 seien 2025 wieder deutlich mehr Ausbildungsverträge geschlossen worden, teilte die Kreishandwerkerschaft mit. Besonders gefragt seien Kfz-Mechatroniker und Anlagenmechaniker. Das Handwerk setzt darauf, dass sich sein Ruf als sichere Branche mit guten Verdienstmöglichkeiten weiter festigt.

Für Schulabgänger bedeutet das vor allem eins: Noch ist Zeit. Zahlreiche Stellen für den Ausbildungsstart im August oder September sind unbesetzt. Gesucht werden unter anderem Kaufleute, medizinische Fachangestellte, Industriemechaniker, Fachkräfte im Baugewerbe – und sogar Leichtflugzeugbauer.

Der Rat der Arbeitsagentur fällt deshalb ungewöhnlich eindeutig aus: jetzt bewerben, nicht erst im Sommer. Denn selten war die Auswahl größer. +++

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