Ein letztes Mal beginnt in Petersberg alles wie gewohnt. Am 1. Mai öffnet das Freibad Waidesgrund seine Tore, die Becken sind gefüllt, der Rasen gemäht, die Technik hochgefahren. Besucherinnen und Besucher werden mit kleinen Geschenken empfangen, Dauerkarten verkauft, Frühschwimmer ziehen mittwochs ihre Bahnen. Und doch liegt über dieser Saison ein Hauch von Abschied. Denn es wird der letzte Sommer im alten Waidesgrund sein.
Mehr als 60 Jahre lang war das Freibad weit mehr als nur eine Sportstätte. Es war Treffpunkt, Ferienort vor der Haustür, Jugendzentrum ohne Mitgliedsausweis und für viele Petersberger ein fester Bestandteil des Jahresrhythmus. Wenn im Mai die Tore öffneten, begann für nicht wenige erst der eigentliche Sommer.
Nun steht das Bad vor einer grundlegenden Sanierung. Rund neun Millionen Euro will die Gemeinde investieren, Baubeginn soll im Herbst 2026 sein. 2027 wird deshalb kein Badebetrieb möglich sein. Es ist eine Entscheidung, die notwendig erscheint – und dennoch Wehmut auslöst.
Denn Freibäder altern nicht nur technisch. Sie tragen Erinnerungen in ihren Mauern: an Sprünge vom Beckenrand, Pommes auf der Liegewiese, erste Schwimmabzeichen, Chlorgeruch und Hitzetage, die endlos schienen. Wenn eine solche Anlage modernisiert wird, geht meist auch ein Stück gelebter Alltagsgeschichte verloren.
Zugleich zeigt der Fall Waidesgrund exemplarisch, vor welchen Herausforderungen viele Kommunen stehen. Jahrzehntelang wurde vielerorts repariert, improvisiert, aufgeschoben. Nun treffen steigende Baukosten, energetische Anforderungen und marode Infrastruktur auf begrenzte Haushalte. Dass Petersberg dennoch investiert, ist ein Signal: Öffentliche Freizeitorte sind keine Nebensache, sondern Teil kommunaler Lebensqualität.
Für die Besucher bedeutet das vor allem eines: Dieser Sommer bekommt eine besondere Bedeutung. Wer noch einmal im vertrauten Becken schwimmen, auf den bekannten Liegewiesen liegen oder mittwochs um sieben Uhr seine Bahnen ziehen will, hat nun die letzte Gelegenheit – zumindest in der bisherigen Kulisse.
Vielleicht wird das neue Bad moderner, effizienter und komfortabler sein. Wahrscheinlich wird es das sogar. Aber schöner werden Erinnerungen selten durch neue Fliesen.
Am 1. Mai beginnt daher nicht nur eine Freibadsaison. Es beginnt der letzte Sommer eines Ortes, der für viele längst mehr ist als ein Schwimmbad. +++














