Es sind die leisen Signale solcher Abende, die viel über die wirtschaftliche Stimmungslage vor Ort verraten: volles Haus im Lokschuppen, rege Gespräche, ein dichtes Programm – und doch kreisen viele Beiträge um Unsicherheit, Verantwortung und die Frage nach verlässlichen Rahmenbedingungen. Beim 24. Unternehmertreffen der Hünfeld wird deutlich, wie sehr sich globale Entwicklungen inzwischen bis in die lokale Wirtschaft hinein verlängern.
Rund 150 Unternehmerinnen und Unternehmer, dazu Vertreter aus Politik und Handwerk, kommen zusammen, eingeladen von der Stadt und der Allianz-Generalvertretung von Michael Wehner. Was auf den ersten Blick wie ein routiniertes Netzwerktreffen erscheint, erhält seinen inhaltlichen Akzent durch die Einschätzungen der politischen und wirtschaftlichen Akteure – und durch einen Vortrag, der den Blick auf Risiken im Unternehmensalltag schärft.
Bürgermeister Benjamin Tschesnok formuliert gleich zu Beginn einen Rahmen, der den weiteren Abend prägt. Man lebe in angespannten Zeiten, sagt er, und verweist damit auf eine Lage, die sich kommunaler Einflussnahme weitgehend entzieht. Umso stärker betont er die Verantwortung vor Ort: Politik und Wirtschaft seien gefordert, gemeinsam für Verlässlichkeit zu sorgen und Perspektiven zu schaffen, die unternehmerische Entscheidungen planbar machen. Es ist ein Plädoyer für Pragmatismus, das weniger auf große Entwürfe als auf die Qualität konkreter Rahmenbedingungen zielt.
Diese Einschätzung teilen auch Vertreter des Handwerks und der regionalen Politik. Kreishandwerksmeister Thorsten Krämer erinnert daran, dass sich die wirtschaftlichen Schwierigkeiten seit der Corona-Pandemie verstetigt haben und durch neue geopolitische Unsicherheiten überlagert werden. Der Erste Kreisbeigeordnete Frederik Schmitt spricht von volatilen Zeiten und hebt zugleich die Bedeutung des persönlichen Austauschs hervor. Gerade in einer Phase, in der vieles in Bewegung geraten ist, gewinnen solche Begegnungen an Gewicht – nicht als bloße Formalität, sondern als Ort der Verständigung. Dass Hünfeld dabei als wirtschaftliches und schulisches Zentrum im Landkreis hervorgehoben wird, unterstreicht die regionale Perspektive dieses Treffens.
Einen anderen, eher praxisnahen Zugang wählt der Koblenzer Fachanwalt Holger Wirthwein in seinem Vortrag. Er lenkt den Blick auf ein Risiko, das im unternehmerischen Alltag oft unterschätzt wird: strafrechtliche Ermittlungen. Anhand konkreter Beispiele zeigt er, wie schnell Unternehmen in den Fokus von Behörden geraten können – sei es durch Prüfungen des Finanzamts, Kontrollen durch den Zoll oder anonyme Anzeigen. Seine zentrale Botschaft ist dabei ebenso schlicht wie weitreichend: Das Risiko strafrechtlicher Verfolgung gehört heute zur normalen unternehmerischen Realität.
Daraus leitet Wirthwein Anforderungen ab, die über juristische Detailfragen hinausgehen. Unternehmen müssten so organisiert sein, dass Regelverstöße möglichst verhindert werden – durch interne Kontrollsysteme, klare Zuständigkeiten und regelmäßige Überprüfungen. Seine Beispiele, etwa die Pflicht zur Kontrolle von Führerscheinen bei Dienstwagenfahrern, zielen auf konkrete Versäumnisse, die im Ernstfall gravierende Folgen haben können. Besonders eindringlich ist der Hinweis auf das sogenannte Unterlassungsdelikt: Nicht nur aktives Fehlverhalten, sondern auch mangelnde Aufsicht kann strafbar sein. Delegation entbinde nicht von Verantwortung.
Gleichzeitig vermeidet Wirthwein alarmistische Töne. Es gehe nicht darum, Angst zu erzeugen, sondern Sensibilität zu schaffen. Dazu gehört auch der Rat, im Fall von Ermittlungen das Schweigerecht zu nutzen und frühzeitig rechtlichen Beistand in Anspruch zu nehmen. Ebenso empfiehlt er, sich mit Krisenmanagement auseinanderzusetzen und Notfallpläne zu entwickeln – ein Ansatz, der das Thema Prävention in den Mittelpunkt stellt.
Neben diesen inhaltlichen Impulsen bleibt das Treffen seinem eigentlichen Zweck treu: dem Austausch. Nach dem Vortrag nutzen die Gäste die Gelegenheit, Gespräche fortzusetzen, Kontakte zu vertiefen und neue Verbindungen zu knüpfen. Dass dabei auch informelle Elemente wie eine Candy Bar ihren Platz haben, wirkt weniger beiläufig als vielmehr als Teil eines Formats, das bewusst auf niedrigschwellige Kommunikation setzt.
Eine zusätzliche Dimension erhält der Abend durch das Engagement von Norbert Böth, der für den Verein Glückstour – Schornsteinfeger helfen krebskranken Kindern wirbt. Mit rund acht Millionen Euro an gesammelten Spenden zählt die Initiative zu den größten privaten Hilfsaktionen in Deutschland. Die jährlich stattfindende Radtour über mehr als 1000 Kilometer verbindet sportlichen Einsatz mit sozialem Anliegen – und macht Ende Mai auch in Hünfeld Station.
So fügt sich der Abend zu einem vielschichtigen Bild: wirtschaftliche Sorgen, politischer Gestaltungsanspruch, rechtliche Sensibilisierung und gesellschaftliches Engagement greifen ineinander. Gerade in dieser Mischung liegt die eigentliche Bedeutung solcher Treffen. Sie sind weniger Bühne für große Ankündigungen als vielmehr Seismograph für die Lage vor Ort – und für das, was Unternehmen und Politik derzeit umtreibt. Ob daraus konkrete Impulse erwachsen, bleibt offen. Dass der Austausch darüber gesucht wird, ist unter den gegebenen Umständen bereits ein Befund. +++ red.

















