Der Versuch der Verständigung

Fulda dom

Begegnung, Zuhören und gemeinsame Verantwortung standen im Mittelpunkt eines Empfangs des Bistum Fulda am Sonntagabend. Unter dem Leitgedanken „Das, was uns verbindet, ist immer mehr als das, was uns trennt“, diskutierten die Fernsehjournalistin Shakuntala Banerjee, Bischof Michael Gerber, die Medizinerin Michaela Nathrath und der Ökonom Joachim Hein über Krisen, Orientierung und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Mehr als 200 Gäste aus unterschiedlichen Bereichen nahmen teil.

Banerjee beschrieb die Gegenwart als „Zeit des Übergangs“, in der es schwieriger geworden sei, gemeinsame Ziele zu definieren. Gerade deshalb seien Begegnung und Gespräch entscheidend, ebenso die Bereitschaft, auch unvollkommene Lösungen zu akzeptieren. Zugleich äußerte sie Vertrauen in die Fähigkeit der Gesellschaft zum Zusammenhalt. Im Alltag erlebe sie weiterhin Hilfsbereitschaft und Rücksicht. Es komme darauf an, nicht nur Entwicklungen der Entsolidarisierung wahrzunehmen, sondern aktiv danach zu fragen, wie Menschen im Gespräch bleiben und gemeinsam Lösungen finden könnten.

In der anschließenden Podiumsdiskussion wurden diese Gedanken aus unterschiedlichen Perspektiven vertieft. Nathrath verwies aus ihrer Arbeit mit schwerkranken Kindern und deren Familien auf die Bedeutung des Zuhörens. Kommunikation bedeute in solchen Situationen vor allem, die Bedürfnisse anderer wahrzunehmen. Auch seelsorgerische und spirituelle Begleitung spielten dabei eine wichtige Rolle.

Hein betonte aus wirtschaftlicher Sicht die Bedeutung von Verlässlichkeit und Transparenz in Krisenzeiten. Verantwortung müsse treuhänderisch verstanden werden, also im Interesse anderer ausgeübt werden. Gerade wenn etablierte Modelle an Grenzen stoßen, seien klare Werte entscheidend.

Gerber hob hervor, dass gesellschaftliche und kirchliche Herausforderungen nur bewältigt werden könnten, wenn Menschen bereit seien, Komplexität anzuerkennen und Verantwortung zu übernehmen. Eine demokratische Gesellschaft lebe davon, dass ausreichend viele Menschen diese Haltung teilten. Kirche könne dazu beitragen, indem sie Räume für Erfahrung von Selbstwirksamkeit und Solidarität schaffe. Zugleich betonte der Bischof, dass universale Werte notwendig seien, die sich am Wohl aller orientieren.

Mit Blick auf eigene Krankheitserfahrungen sprach Gerber über die Bedeutung von Unterstützung durch andere. Gerade in belastenden Situationen stelle sich die Frage, was Menschen trage und verbinde.

Auch aus Politik und Kirche kam Zustimmung zu den Impulsen des Abends. Hessens Innenminister Roman Poseck unterstrich die Bedeutung des Dialogs. Zusammenhalt entstehe, wenn auch kontroverse Themen gemeinsam diskutiert würden. Die evangelische Bischöfin Beate Hofmann betonte, dass Menschen trotz unterschiedlicher Perspektiven durch die gemeinsame Sehnsucht nach Frieden und Gerechtigkeit verbunden seien.

Der Empfang brachte Vertreter aus Politik, Kirchen, Wirtschaft, Bildung und Medien zusammen. Im Anschluss an die Diskussion nutzten viele Gäste die Gelegenheit zum persönlichen Austausch.

Zuvor hatte eine Vesper in der Kirche St. Andreas den Abend eröffnet. Generalvikar Martin Stanke griff dabei das Emmaus-Evangelium als Impuls für Zuhören und gemeinsames Handeln auf. Die musikalische Gestaltung übernahmen Domorganist Max Deisenroth sowie das Vokalensemble der Chöre am Fuldaer Dom unter der Leitung von Domkapellmeister Franz-Peter Huber. Den anschließenden Empfang im Bonifatiushaus begleitete Frank Tischer musikalisch. +++

Kommentar verfassen

Banner336 p1

Event1

Banner 1 336 m