Manche Bauwerke verlieren ihre Bedeutung nicht durch spektakuläre Ereignisse, sondern durch die schlichte Feststellung, dass sie nicht mehr zu halten sind. So verhält es sich mit dem JUMO-Turm in Fulda, dessen Rückbau am 24. April begonnen hat und damit ein vertrautes Element des Stadtbildes verschwindet, berichtet fuldainfo.de.
Über Jahrzehnte war der Turm mehr als ein technisches Bauwerk. Er diente als Orientierungspunkt, als weithin sichtbares Zeichen eines Unternehmensstandorts und zugleich als alltäglicher Begleiter für viele Menschen, die auf einen Blick die aktuelle Temperatur ablesen konnten. In seiner Funktion verband er das Praktische mit dem Symbolischen – eine seltene Kombination, die ihm seinen festen Platz im kollektiven Gedächtnis der Stadt gesichert hat.
Der nun begonnene Rückbau erfolgt nicht aus freien Stücken. Bereits im November 2025 war der Turm aus Sicherheitsgründen außer Betrieb genommen worden. Eine anschließende Prüfung ließ keinen Spielraum mehr: Eine Instandsetzung ist nicht möglich. Damit endet die Geschichte des Bauwerks nicht abrupt, sondern folgerichtig, getragen von der nüchternen Einsicht in seine bauliche Grenze.
Dass der Abschied nicht unbemerkt bleibt, zeigt sich auch im Ablauf der Demontage. Mit einem Autokran, dessen Ausleger rund 50 Meter erreicht, wird der Turm Stück für Stück abgetragen. Die technische Dimension dieses Einsatzes verweist noch einmal auf die Größe dessen, was hier verschwindet – und darauf, wie sehr sich der Turm über die Jahre in das Stadtbild eingeschrieben hat.
Für das Unternehmen JUMO ist dieser Schritt mit Ambivalenz verbunden. Geschäftsführer Steffen Hoßfeld spricht von einer schweren Entscheidung, die zugleich als Bekenntnis zur Zukunft verstanden werden soll. Der Turm soll neu errichtet werden, an gleicher Stelle, als modernes Zeichen eines traditionsreichen Standorts.
Damit wird der Rückbau zu mehr als einem Ende. Er markiert einen Übergang, in dem Erinnerung und Erneuerung nebeneinanderstehen. Für die Stadt bedeutet das den vorübergehenden Verlust eines vertrauten Orientierungspunktes – und die Aussicht, dass dieser in veränderter Form zurückkehren wird. Ob der neue Turm die gleiche Selbstverständlichkeit im Alltag der Menschen erreicht wie sein Vorgänger, wird sich erst zeigen. Sicher ist nur, dass mit dem alten Bauwerk ein Stück gelebter Alltagskultur verschwindet, das sich nicht ohne Weiteres ersetzen lässt. +++














