Ein Jahr nach Amtsantritt fällt das Urteil über Bundeskanzler Friedrich Merz vernichtend aus. Elf Prozent Zustimmung – ein Wert, der nicht nach einem politischen Dämpfer klingt, sondern nach einem Alarmzeichen. In Berlin versucht die Koalition dennoch, Gelassenheit zu demonstrieren. Man arbeite konzentriert, heißt es. Die schwierigen Entscheidungen würden erst später verstanden werden. Und überhaupt: Umfragen seien Momentaufnahmen. Doch hinter den routinierten Sätzen wächst die Nervosität.
Denn die Zahl ist nicht einfach schlecht. Sie ist historisch schlecht. Sofort stellt sich die Frage, welcher Kanzler nach einem Jahr im Amt überhaupt noch schlechtere Werte hatte. In den Fraktionen wird darüber längst nicht mehr offen gesprochen, aber intern ist die Stimmung gereizt. Die Union hadert mit der Realität einer Regierung, die härter aufschlägt als gedacht. Viele hatten geglaubt, Merz werde nach Jahren politischer Unruhe allein durch seine Präsenz Stabilität ausstrahlen. Stattdessen wirkt das Land müde, ungeduldig und zunehmend skeptisch.
Dabei hatte Friedrich Merz den Anspruch formuliert, Deutschland wieder wirtschaftlich stark, sicher und berechenbar zu machen. Ein Kanzler der Klarheit wollte er sein. Einer, der nicht moderiert, sondern führt. Doch genau dieser Führungsanspruch wird nun zum Problem. Wer Stärke verspricht, wird an Stärke gemessen. Wer Tempo ankündigt, darf nicht den Eindruck erwecken, ständig gegen Widerstände im eigenen Lager anzuregieren.
In der Bevölkerung mischt sich Enttäuschung mit Distanz. Viele Bürger erleben die Regierung nicht als Aufbruch, sondern als Dauerzustand aus Rechtfertigungen, Debatten und Krisenverwaltung. Das Vertrauen wächst nicht, sondern scheint weiter zu erodieren. Die Menschen hören zwar, dass die Koalition „durchhalte“, doch außerhalb des Regierungsviertels klingt das längst nicht mehr nach Zuversicht, sondern nach Durchhalten um des Durchhaltens willen.
Auch innerhalb der politischen Landschaft verändert sich der Ton. Die Opposition wittert Schwäche. Die Ampelparteien, eben noch selbst Symbol eines politischen Verschleißes, beobachten aufmerksam, wie schnell Macht an Glanz verlieren kann. In den sozialen Netzwerken ist der Spott schärfer geworden, in Talkshows der Respekt geringer. Merz erlebt nun jene politische Kälte, die deutsche Kanzler oft erst viel später erreicht.
Und dennoch wäre es voreilig, diese Kanzlerschaft bereits abzuschreiben. Politische Stimmungen können kippen – manchmal abrupt. Aber dafür müsste die Regierung wieder erklären können, wofür sie eigentlich steht. Nicht nur gegen wen sie regiert, nicht nur welche Krisen sie verwaltet, sondern welches Bild von Zukunft sie diesem Land noch anbietet.
Denn elf Prozent Zustimmung sind mehr als eine schlechte Zahl. Sie markieren einen Moment, in dem sich ein Land von seinem politischen Versprechen entfernt. Und sie zeigen, wie schmal der Grat geworden ist zwischen Autorität und Vertrauensverlust. +++ me













