Ein Ball, der mehr bewegt als das Spiel

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Es ist eine Geste, die auf den ersten Blick klein wirkt – und doch eine große Idee in sich trägt: 100 Bälle, verteilt an Sportvereine der Region, gefertigt unter fairen Bedingungen. Hinter der Aktion stehen die Stadt Fulda, die Sparkasse als Partner und eine Initiative, die zeigen will, dass Verantwortung nicht an der Seitenlinie endet.

Fairtrade und Sport – zwei Welten, die selten zusammengedacht werden. Und genau darin liegt der Ansatz. Während auf dem Spielfeld Werte wie Fairness, Respekt und Teamgeist selbstverständlich sind, geraten sie bei der Herstellung der Sportgeräte oft aus dem Blick. Ein Widerspruch, den man in Fulda nicht länger hinnehmen wollte. Im Zuge der Rezertifizierung zur Fairtrade-Stadt wurde das Thema innerhalb der Arbeitsgruppe „Faires Fulda“ intensiv diskutiert – nun folgt die konkrete Umsetzung.

Bürgermeister Dag Wehner überreicht die Bälle persönlich, auch in seiner Rolle als Sportdezernent. Es sind Fuß-, Hand- und Volleybälle, produziert unter Fairtrade-Bedingungen. Beschafft wurden sie über die Firma Bad Boyz Ballfabrik, die mit zertifizierten Herstellern in Pakistan zusammenarbeitet. Ein Land, in dem rund drei Viertel aller Fußbälle weltweit gefertigt werden – häufig unter Bedingungen, die mit dem Begriff Fairness wenig zu tun haben.

Genau hier setzt die Initiative an. „Einen Ball ins Rollen bringen“, nennt es Wehner – und meint damit weit mehr als nur das Spiel. Es geht um Bewusstsein, um die Frage, welchen Beitrag auch Vereine leisten können. Die Resonanz ist groß: Zahlreiche Clubs bewerben sich um die fair produzierten Bälle, die schließlich im Vereinsheim des FSV Germania Fulda übergeben werden – zusammen mit Informationen, die den Blick hinter die Kulissen der Produktion öffnen.

Die Unterschiede zu konventionellen Produkten liegen im Detail – und doch sind sie grundlegend: bessere Arbeitsbedingungen, soziale Absicherung, gerechtere Bezahlung. Drei Faktoren, die den „Fairen Ball“ zu einem Symbol machen sollen. Nicht nur für sportliche Aktivität, sondern für globale Verantwortung.

Fulda trägt den Titel „Fairtrade Town“ seit 2018. Der Anspruch: fairen Handel auf kommunaler Ebene sichtbar machen und Akteure aus Gesellschaft, Politik und Wirtschaft zusammenbringen. Die Ballaktion ist ein Beispiel dafür, wie sich dieser Anspruch konkret übersetzen lässt. Finanziert wurde sie gemeinsam von Stadt und Sparkasse, organisatorisch begleitet vom Sportkreis Fulda-Hünfeld, unterstützt vom Sportverband.

Doch vielleicht liegt die eigentliche Wirkung nicht in den Zahlen – 100 Bälle, 4000 Euro –, sondern im Gedanken dahinter. Rieke Trittin vom Umweltzentrum bringt es auf den Punkt: Fairer Handel lebt davon, dass möglichst viele mitmachen. Vereine könnten ihren Teil beitragen – mit fair produzierten Bällen, mit zertifiziertem Kaffee beim Vereinsfest, mit bewusst getroffenen Entscheidungen im Alltag.

Beim Treffen der Vereinsvertreter geht es deshalb nicht nur um die Übergabe, sondern auch um Austausch. Man kommt ins Gespräch, vernetzt sich, schaut gemeinsam über den Tellerrand. Besonders großes Interesse weckt ein unscheinbarer Koffer: gefüllt mit Nähwerkzeugen aus Sialkot, Ballsegmenten, Informationsmaterial. Ein Blick auf die handwerkliche Seite der Produktion – und darauf, wie viel Handarbeit noch immer in einem Fußball steckt.

Am Ende bleibt ein Eindruck, der über den Moment hinausreicht. Der Sport, so heißt es, verbinde Menschen über Grenzen hinweg. In Fulda versucht man nun, diesen Gedanken weiterzudenken – dorthin, wo der Ball entsteht. +++

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