Die Digitalisierung der Krankenhäuser in Hessen kommt spürbar voran. Das geht aus der aktuellen Studie „DigitalRadar Krankenhaus“ hervor, die im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit durchgeführt wurde. Demnach hat sich der Digitalisierungsgrad der hessischen Kliniken in den vergangenen fünf Jahren deutlich verbessert. Patientinnen und Patienten profitieren zunehmend von digitalen Angeboten wie Online-Terminbuchungen, elektronischen Patientenformularen, Self-Check-in-Lösungen oder Apps, über die sie Informationen zu Terminen und Befunden erhalten.
Nach der aktuellen Auswertung stieg der durchschnittliche Digitalisierungsgrad der hessischen Krankenhäuser zwischen 2021 und 2026 von 33 auf 53 von maximal 100 Punkten. Damit liegt Hessen nur knapp unter dem bundesweiten Durchschnitt von 55 Punkten und hat den Abstand zu den führenden Bundesländern deutlich verkleinert.
Die Studie macht deutlich, dass Digitalisierung längst nicht mehr nur interne Verwaltungsabläufe betrifft. Sie verändert zunehmend auch die medizinische Versorgung und die Kommunikation mit den Patientinnen und Patienten. Gerade bei planbaren Eingriffen gewinnen digitale Serviceangebote nach Einschätzung von Experten an Bedeutung. Wer Termine online buchen, digitale Fragebögen ausfüllen oder Daten aus der elektronischen Patientenakte direkt an das Krankenhaus übermitteln kann, erwartet heute vielfach einen zeitgemäßen und unkomplizierten Behandlungsablauf.
Dr. Barbara Voß, Leiterin der Landesvertretung Hessen der Techniker Krankenkasse, betont, dass klug eingesetzte digitale Anwendungen künftig eine immer wichtigere Rolle bei der Wahl eines Krankenhauses spielen werden. Darüber hinaus könnten digitale Informationsangebote während des Krankenhausaufenthalts nicht nur die Zufriedenheit der Patientinnen und Patienten erhöhen, sondern auch die Behandlungsergebnisse verbessern.
Für die Erhebung wurden in Hessen 116 der insgesamt 123 Krankenhäuser bewertet. Neben der IT-Sicherheit flossen unter anderem digitale klinische Abläufe, telemedizinische Angebote sowie die Einbindung der Patientinnen und Patienten in die Bewertung ein. Während einige Kliniken den Landesdurchschnitt bereits deutlich übertreffen, besteht bei anderen Einrichtungen weiterhin Nachholbedarf.
Zu den Vorreitern zählt der Gesundheitskonzern Agaplesion. Fünf der sechs hessischen Standorte erreichen Werte oberhalb des Bundesdurchschnitts. Besonders gut schneiden die Agaplesion Frankfurter Diakonie Kliniken mit 66 Punkten ab. Nach Angaben von Sebastian Polag, Vorstand für Finanzen und IT bei Agaplesion, verfolgt der Konzern seit Jahren eine konsequente Digitalisierungsstrategie und investiert inzwischen auch gezielt in den strukturierten Einsatz künstlicher Intelligenz. Ziel sei es, Arbeitsabläufe zu verbessern, Beschäftigte zu entlasten und die Versorgung der Patientinnen und Patienten unter anderem durch digitale Patientenportale weiter auszubauen.
Die Fortschritte sind auch das Ergebnis umfangreicher Investitionen. Im Rahmen des Krankenhauszukunftsgesetzes, das bereits 2020 beschlossen wurde, stehen bundesweit bis zu 4,3 Milliarden Euro für die Digitalisierung der Krankenhäuser zur Verfügung. Die Länder beteiligen sich mit weiteren 1,3 Milliarden Euro. Auf Hessen entfallen dabei 272 Millionen Euro. Die Auswirkungen dieser Investitionen werden regelmäßig durch die DigitalRadar-Studie überprüft, deren Ergebnisse nun bereits zum dritten Mal veröffentlicht wurden. An der aktuellen Erhebung beteiligten sich bundesweit 1.531 Krankenhäuser.
Die Entwicklung zeigt, dass Digitalisierung im Gesundheitswesen zunehmend zum festen Bestandteil einer modernen Patientenversorgung wird. Gleichzeitig macht die Studie deutlich, dass der eingeschlagene Weg konsequent fortgesetzt werden muss. Digitale Technologien können medizinisches Personal entlasten, Abläufe beschleunigen und die Kommunikation verbessern. Entscheidend bleibt jedoch, dass technische Innovationen den Menschen dienen und den Krankenhausaufenthalt für Patientinnen und Patienten spürbar einfacher und transparenter gestalten. +++ red.












