Werner Schmid feierte offizielle Eröffnung der neuen Kunststofffertigung

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Die Werner Schmid GmbH hat ihr 80-jähriges Firmenbestehen genutzt, um zugleich die offizielle Eröffnung ihrer neuen Kunststofffertigung in der Fuldaer Donaustraße zu feiern. Rund zehn Millionen Euro investierte das Familienunternehmen in den neuen Standort – die größte Einzelinvestition in der Geschichte der Firma. Die Planungen für das Projekt reichen bis ins Jahr 2021 zurück. Das zuvor als Lagerhalle genutzte Areal wurde von Frühjahr 2022 bis Frühjahr 2025 umfassend modernisiert und an die Anforderungen einer hochmodernen Kunststoffspritzguss-Produktion angepasst.

Zur offiziellen Eröffnung begrüßten die Geschäftsführer Matthias Hauß und Joachim Hauß zahlreiche Geschäftspartner sowie Vertreter aus Politik und Wirtschaft. Die neue Fertigungshalle umfasst rund 4.000 Quadratmeter; die Produktion läuft dort bereits seit etwa einem Jahr. Mit der Erweiterung stieg die gesamte Fertigungsfläche des Unternehmens von 16.000 auf 20.000 Quadratmeter.

„Wir haben heute hier zusammengefunden, um die offizielle Eröffnung unserer neuen Kunststofffertigung zu feiern“, sagte Geschäftsführer Matthias Hauß bei der Veranstaltung. Gemeinsam mit seinem Bruder Joachim Hauß würdigte er die erfolgreiche Umsetzung des Projekts trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen. Der Krieg in der Ukraine, Lieferengpässe, hohe Inflation, steigende Energiekosten und höhere Finanzierungszinsen hätten die vergangenen Jahre erheblich erschwert. Besonders hob Hauß die Unterstützung der Projektpartner hervor, darunter die Architekten Hanna Gärtner und Alexander Wuttke vom Fuldaer Büro Wuttke Architekten sowie die Sparkasse Fulda.

Matthias Hauß erinnerte daran, dass der Startschuss für das Projekt Ende 2021 gefallen sei – „eine andere Zeit“, wie er sagte. Die Lüftungsindustrie, ein wichtiger Absatzmarkt für die Kunststofffertigung, befand sich damals noch im Corona-Boom. Heute hingegen stehe Deutschland nach zwei Rezessionsjahren wirtschaftlich unter Druck. Die industrielle Produktion bewege sich weiterhin auf dem Niveau von 2019, während Bürokratie, Energiepreise und Lohnnebenkosten weiter stiegen.

Trotz dieser Herausforderungen bekannte sich die Werner Schmid GmbH bewusst zum Standort Fulda und zum Industriestandort Deutschland. Hauß betonte die Bedeutung des industriellen Mittelstands und verwies auf das große technische Know-how in Deutschland. Energieeffiziente Anlagen „Made in Germany“ könnten weltweit zur Reduktion von Emissionen beitragen. Voraussetzung dafür seien jedoch wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen. „Mit unserer neuen Fertigungshalle haben wir für unseren Teil schon einmal die Voraussetzungen dafür geschaffen“, erklärte Hauß.

Auch Landrat Bernd Woide würdigte die Investition als Zeichen „unternehmerischen Mutes“ in schwierigen Zeiten. Die Werner Schmid GmbH habe sich nicht von den wirtschaftlichen Unsicherheiten abschrecken lassen, sondern bewusst Verantwortung übernommen und damit ein klares Bekenntnis zum Standort Fulda und zum Industrieland Deutschland abgegeben.

Der heimische CDU-Landtagsabgeordnete Sebastian Müller sprach von einem „starken Signal für den Standort Fulda“. Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten brauche es Unternehmen, die investieren und Perspektiven schaffen. Besonders hob er die Innovationskraft sowie den familiären Zusammenhalt des inhabergeführten Unternehmens hervor. Viele Mitarbeiter blieben dem Betrieb über Jahrzehnte hinweg treu – von der Ausbildung bis zum Ruhestand.

Die Wurzeln der Kunststofffertigung reichen bei Werner Schmid bis in die frühen 1970er-Jahre zurück. Damals erhielt das Unternehmen die Anfrage eines Kunden, eine bislang vollständig aus Metall gefertigte Baugruppe teilweise aus Kunststoff herzustellen. Daraus entstand der Aufbau einer eigenen Kunststoffspritzguss-Fertigung – ein strategischer Schritt für den ursprünglich metallverarbeitenden Betrieb. Seit den 1980er-Jahren kombiniert das Unternehmen Metall- und Kunststoffverarbeitung in sogenannten Hybridbauteilen. Diese Verbindung gilt heute als anspruchsvolle Spezialdisziplin in der industriellen Fertigung.

Auslöser für das aktuelle Großprojekt war das starke Wachstum der Kunststofffertigung zwischen 2018 und 2022. Neue Maschinen mussten zeitweise in ausgelagerte Hallen verlegt werden. Statt einer provisorischen Erweiterung entschied sich das Unternehmen für eine umfassende Neuordnung der Produktion. Heute verfügt die modernisierte Fertigung nicht nur über moderne Gebäudetechnik, sondern auch über zusätzliche Kapazitätsreserven für weiteres Wachstum.

Auch technologisch setzt die neue Halle Maßstäbe. Dach, Fenster und Bodenplatte wurden erneuert, die Elektrik vollständig modernisiert und auf LED-Technik umgestellt. Die Kühl- und Lüftungsanlage nutzt weitgehend die Abwärme der Spritzgießmaschinen, sodass nur an wenigen kalten Tagen zusätzlich geheizt werden muss. Ergänzt wird das Energiekonzept durch eine zweite Photovoltaikanlage mit 600 Kilowatt Peak; gemeinsam mit der bestehenden Anlage stehen nun insgesamt 1.000 Kilowatt Peak Solarleistung zur Verfügung.

Zentrale Versorgungssysteme verbinden die einzelnen Spritzgießmaschinen mit einer hochintegrierten Material- und Kühltechnik. Dreizehn Trockner mit einer Kapazität von insgesamt 600 Kilogramm Kunststoffgranulat pro Stunde versorgen die Produktion über mehr als 2.000 Meter Rohrleitungen und 7.000 Meter Steuerkabel.

Besonders anspruchsvoll gestaltet sich derzeit der laufende Umzug der Fertigung. Seit März 2025 werden die Maschinen Schritt für Schritt in die neue Halle verlagert – ohne Unterbrechung der Produktion. Für jede Anlage sind zwei bis vier Wochen Umzugszeit eingeplant. Dabei müssen tonnenschwere Maschinen millimetergenau transportiert, neu vermessen und wieder in Betrieb genommen werden. Die gefertigten Bauteile bewegen sich im Bereich von wenigen Hundertstelmillimetern Toleranz.

IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Konow gratulierte dem Unternehmen zur offiziellen Eröffnung und zum 80-jährigen Bestehen. Die Investition sei ein außergewöhnliches Bekenntnis zum Standort Deutschland. Gleichzeitig warnte Konow vor den schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Industrie. Steigende Insolvenzzahlen und Arbeitsplatzverluste zeigten den Handlungsbedarf deutlich auf. „Wir sitzen alle im Boot Deutschland“, sagte Konow. Nur gemeinsam könne es gelingen, die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts wieder zu stärken.

Im Anschluss an die Grußworte berichtete Produktionsleiter Sebastian Iwers über die Entstehung der neuen Fertigungshalle sowie über die technischen und organisatorischen Herausforderungen des Projekts.

Die neue Kunststofffertigung der Werner Schmid GmbH steht damit nicht nur für Wachstum und Modernisierung, sondern auch für ein klares Bekenntnis zum industriellen Mittelstand und zum Produktionsstandort Deutschland. +++ me

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