Eine im Auftrag der FAZ durchgeführte Befragung zeigt deutliche Unterschiede zwischen AfD-Sympathisanten und der Gesamtbevölkerung. Auch das Vertrauen in die politische Entscheidungsfähigkeit ist insgesamt zurückgegangen.
Eine Mehrheit der AfD-Anhänger betrachtet das derzeitige politische System einer Umfrage zufolge als eine Scheindemokratie und steht der demokratischen Grundordnung kritisch gegenüber. Das geht aus einer Befragung des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ hervor. Die Ergebnisse weisen zugleich auf ein breiteres Problem hin: Das Vertrauen in die Fähigkeit der Politik, die richtigen Entscheidungen zu treffen und gesellschaftliche Herausforderungen zu bewältigen, ist in der Bevölkerung begrenzt. Die Belastungen durch politische, soziale und wirtschaftliche Entwicklungen fallen dabei zwischen den sozialen Schichten unterschiedlich aus.
Nach den Angaben der Umfrage sind 73 Prozent der AfD-Anhänger der Ansicht, dass das derzeitige politische System lediglich eine Scheindemokratie sei, die den Bürgern keinerlei Mitsprache ermögliche. Nur 37 Prozent der AfD-Anhänger halten die Demokratie für die beste Staatsform. In der Gesamtbevölkerung liegt dieser Anteil demnach bei zwei Dritteln. Damit zeigt sich ein deutlicher Unterschied in der Bewertung der demokratischen Staatsordnung zwischen den Anhängern der AfD und der Bevölkerung insgesamt.
Auch bei der grundsätzlichen Zufriedenheit mit der demokratischen Grundordnung unterscheiden sich die Gruppen. Während nur eine Minderheit der Gesamtbevölkerung mit der demokratischen Grundordnung generell unzufrieden ist, trifft dies laut Umfrage auf 69 Prozent der AfD-Sympathisanten zu. Die Untersuchung hebt dabei nicht nur die ausgeprägte Kritik an der bestehenden Ordnung hervor, sondern auch die geringe Bereitschaft unter AfD-Anhängern, positive Aspekte dieser Gesellschaftsordnung anzuerkennen.
Die Vorstellung, dass das politische System grundlegend verändert werden müsse, ist der Untersuchung zufolge besonders in Ostdeutschland und in den schwächeren sozialen Schichten verbreitet. Am stärksten ausgeprägt ist diese Haltung jedoch unter den Anhängern der AfD. 83 Prozent der AfD-Anhänger vertreten demnach die Auffassung, dass das politische System grundlegend verändert werden müsse. Unter den Anhängern aller anderen im Bundestag vertretenen Parteien handelt es sich bei dieser Position dagegen um eine Minderheitenmeinung.
Die Ergebnisse zeigen damit, dass die Kritik am politischen System nicht gleichmäßig in der Bevölkerung verteilt ist. Soziale Lage und regionale Unterschiede spielen bei der Bewertung der politischen Ordnung eine Rolle. Besonders deutlich tritt die Distanz zur bestehenden Ordnung jedoch bei den AfD-Anhängern hervor. Die Umfrage beschreibt damit nicht nur Unzufriedenheit mit einzelnen politischen Entscheidungen, sondern eine grundlegendere Skepsis gegenüber dem politischen System selbst.
Gleichzeitig ist das Vertrauen in die politische Entscheidungsfähigkeit über die Anhängerschaft einer einzelnen Partei hinaus begrenzt. Nur sieben Prozent der Befragten haben derzeit großes Vertrauen darin, dass die Politik die richtigen Entscheidungen trifft und die bestehenden Herausforderungen bewältigt. 53 Prozent äußern lediglich begrenztes Vertrauen. Jeder Dritte spricht der Politik sein Misstrauen aus. Vor fünf Jahren lag dieser Anteil noch bei 17 Prozent. Bereits während der Zeit der Ampelregierung war er jedoch auf 28 Prozent gestiegen.
Die Zahlen deuten auf eine Entwicklung hin, bei der das Vertrauen in politische Entscheidungen über einen längeren Zeitraum hinweg abgenommen hat. Dabei lässt sich aus den Angaben nicht ableiten, dass die Ursachen ausschließlich bei einer bestimmten Regierung oder einzelnen politischen Maßnahmen liegen. Die Befragung erfasst vielmehr eine allgemeine Einschätzung der politischen Handlungsfähigkeit und des Vertrauens in die Entscheidungen der Politik.
Die Krisen und Herausforderungen der Gegenwart belasten nach den Ergebnissen des Allensbach-Instituts zudem große Teile der Bevölkerung. In der Befragung, die vom 4. bis 16. September 2026 im Auftrag der FAZ durchgeführt wurde, gab jeder Zweite an, sich durch die politischen, sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen stark belastet zu fühlen. Nur sechs Prozent zeigten sich davon weitgehend unbeeindruckt.
Besonders ausgeprägt sind die Sorgen in den schwächeren sozialen Schichten. Dort berichten 48 Prozent der Befragten von vermehrten Zukunftsängsten. In den höheren sozialen Schichten liegt dieser Anteil dagegen bei 22 Prozent. Die Unterschiede verdeutlichen, dass gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen nicht von allen Bevölkerungsgruppen in gleicher Weise wahrgenommen werden. Während ein Teil der Bevölkerung stärker von Zukunftsängsten betroffen ist, fällt die Belastung in höheren sozialen Schichten nach den Angaben der Umfrage geringer aus.
Die Befragung des Instituts für Demoskopie Allensbach wurde vom 4. bis 16. September 2026 mündlich-persönlich durchgeführt. Insgesamt wurden 1.051 Personen befragt. Die Ergebnisse geben damit einen Einblick in die Einschätzungen der Befragten zum politischen System, zur demokratischen Grundordnung und zur Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen. Sie zeigen sowohl die ausgeprägte Systemkritik unter AfD-Anhängern als auch die insgesamt begrenzte Zuversicht in die politische Handlungsfähigkeit. +++














