Die vergangenen Regentage haben die angespannte Trinkwassersituation in der Region kaum verändert. Zwar ist der Wasserverbrauch zuletzt zurückgegangen, doch die Grundwasservorräte bleiben stark beansprucht, die Pegelstände niedrig. Deshalb bleiben die Gefahrenabwehrverordnungen der Stadt Fulda sowie der Gemeinden Petersberg, Eichenzell und Ebersburg in Kraft. Haushalte und Unternehmen müssen weiterhin konsequent Wasser sparen.
„Die Regenfälle der vergangenen Tage haben die Lage nur geringfügig entspannt. Wir müssen weiterhin konsequent Wasser sparen. Unsere Verordnungen, mit denen wir striktes Wassersparen einfordern, bleiben deshalb in Kraft“, erklären Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld und Bürgermeister Dag Wehner für die Stadt Fulda sowie Claudia Brandes für Petersberg, Johannes Rothmund für Eichenzell und Benjamin Reinhart für Ebersburg.
Dass einige Regentage die Folgen der vergangenen trockenen Monate nicht kurzfristig ausgleichen können, zeigt sich vor allem beim Blick auf die Grundwasservorräte. Die Pumpen der RhönEnergie-Gruppe zur Grundwasserförderung laufen nach Angaben der RhönEnergie-Geschäftsführer Martin Heun und Dr. Arnt Meyer weiterhin nahezu rund um die Uhr. „Die Grundwasservorräte sind stark beansprucht, die Pegelstände weiterhin sehr niedrig“, erklären Heun und Meyer. Die vielen trockenen Monate und die heißen Wochen hätten deutliche Spuren in den Wasserreserven im Erdreich hinterlassen. Die RhönEnergie verzeichne deshalb weiterhin eine sehr angespannte Grundwassersituation. Besonders deutlich wird die Lage an einem Brunnen in der Fulda-Aue, der vorübergehend trockengefallen ist.
Damit wird zugleich deutlich, warum die jüngsten Niederschläge bislang keine grundlegende Wende gebracht haben. Regenwasser bedeutet nicht automatisch, dass sich die Grundwasservorräte unmittelbar erholen. Die über längere Zeit entstandenen Defizite lassen sich nicht innerhalb weniger Tage ausgleichen. Auch bei den Quellen bleibt die Situation angespannt. Ihre Schüttungen liegen weiterhin auf niedrigem Niveau.
Für die Kommunen und die RhönEnergie folgt daraus eine einfache, aber angesichts des weiterhin hohen Verbrauchsdrucks notwendige Konsequenz: Das Wassersparen darf nicht nachlassen. Die Gefahrenabwehrverordnungen untersagen den Verbrauch von Trinkwasser für nicht notwendige Zwecke. Sie sind damit nicht nur eine Reaktion auf die aktuelle Situation, sondern sollen dazu beitragen, die vorhandenen Ressourcen so zu bewirtschaften, dass die Wasserversorgung auch künftig sicher aufrechterhalten werden kann.
Gleichzeitig zeigen die bisherigen Sparanstrengungen, dass sich das Verhalten der Verbraucher tatsächlich auf die Situation auswirkt. Der von den vier Kommunen ausgerufene Wassernotstand und die Einsparungen der Bürgerinnen und Bürger sowie der Betriebe haben erste Wirkung gezeigt. Gegenüber den Vorwochen konnte der Wasserverbrauch um rund fünf Prozent reduziert werden. Auch die niedrigeren Temperaturen tragen dazu bei, dass weniger Wasser verbraucht wird.
Das ist eine Entwicklung, die Hoffnung macht, aber noch keine Entwarnung erlaubt. Denn während die Temperaturen zurückgegangen sind und der Verbrauch der vergangenen Wochen gesunken ist, verändert sich die Nachfrage in den kommenden Tagen möglicherweise wieder. In dieser Woche nehmen viele Unternehmen nach der Sommerpause ihre Produktion wieder auf. Damit steigt auch der betriebliche Wasserverbrauch. Eine Entspannung beim privaten Verbrauch kann deshalb durch eine höhere Nachfrage aus der Wirtschaft teilweise wieder aufgezehrt werden.
Die derzeitige Situation zeigt, wie eng die Wasserversorgung von den natürlichen Bedingungen und dem Verbrauchsverhalten abhängt. Niederschläge können die Lage verbessern, wenn sie in ausreichender Menge und über einen längeren Zeitraum fallen. Sie ersetzen jedoch nicht die Reserven, die nach vielen trockenen Monaten fehlen. Gleichzeitig bleibt die Versorgung darauf angewiesen, dass Verbraucher und Betriebe ihren Anteil leisten. Die fünfprozentige Reduzierung des Verbrauchs zeigt, dass Einsparungen möglich sind. Sie zeigt aber ebenso, dass die Anstrengungen fortgesetzt werden müssen.
Die Rathauschefs und die RhönEnergie appellieren deshalb weiterhin an Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen, bei den Sparmaßnahmen nicht nachzulassen. Private Haushalte sollen insbesondere auf die Bewässerung von Gärten verzichten und auch innerhalb des Hauses so wenig Wasser wie möglich verbrauchen. Unternehmen werden aufgefordert zu prüfen, an welchen Stellen ihrer betrieblichen Abläufe auf den Einsatz von Wasser verzichtet oder der Verbrauch reduziert werden kann.
Die Bitte um einen sparsamen Umgang mit Trinkwasser richtet sich damit nicht nur an einzelne Verbraucher, sondern an die gesamte Region. Gerade weil die Situation nach den Regenfällen auf den ersten Blick weniger dramatisch erscheinen mag, besteht die Gefahr, dass die notwendige Zurückhaltung zu früh endet. Die niedrigen Grundwasserstände und die weiterhin geringen Quellschüttungen sprechen eine andere Sprache.
Noch ist die Wasserversorgung gesichert. Dass dafür jedoch weiterhin nahezu rund um die Uhr Grundwasser gefördert werden muss und ein Brunnen in der Fulda-Aue bereits vorübergehend trockengefallen ist, zeigt die Belastungsgrenze der derzeitigen Situation. Der Regen hat eine Atempause gebracht, aber noch keine nachhaltige Erholung der Wasserreserven. Deshalb bleibt die entscheidende Frage, ob die kommenden Wochen genügend Niederschlag bringen – und ob zugleich der Verbrauch niedrig genug bleibt. Bis dahin gilt für Fulda, Petersberg, Eichenzell und Ebersburg: Jeder eingesparte Liter zählt. +++












