Hessen erlebt nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) in diesem Sommer eine außergewöhnlich hohe hitzebedingte Sterblichkeit. Bis einschließlich 16. August 2026 wurden für das Land rund 2.190 hitzebedingte Sterbefälle geschätzt. Das entspricht 34,9 Todesfällen je 100.000 Einwohner. Die Zahlen gehen aus dem am 27. August veröffentlichten RKI-Wochenbericht zur hitzebedingten Mortalität für die Kalenderwoche 33 hervor, über den fuldainfo.de berichtet.
Damit liegt die Schätzung für Hessen bereits deutlich über den Werten der vergangenen Jahre. Für das gesamte Jahr 2018, das bislang als besonders starkes Hitzejahr galt, wurden in Hessen rund 1.160 hitzebedingte Sterbefälle geschätzt. Im Jahr 2025 lag der Wert nach den aktuellen Berechnungen des RKI bei 5,4 hitzebedingten Todesfällen je 100.000 Einwohner. Für 2026 wurden bis Mitte August bereits 34,9 Fälle je 100.000 Einwohner errechnet.
Bei den Angaben handelt es sich ausdrücklich um eine statistische Schätzung und nicht um eine Zahl von Todesfällen, bei denen Hitze auf dem Totenschein als unmittelbare Todesursache festgestellt wurde. In vielen Fällen führt die Hitze nicht unmittelbar zum Tod. Vielmehr kann die Belastung durch hohe Temperaturen gemeinsam mit bereits bestehenden Erkrankungen zum Tod beitragen. Da Hitze deshalb normalerweise nicht als zugrunde liegende Todesursache auf dem Totenschein vermerkt wird, ermittelt das RKI die Zahl mithilfe statistischer Verfahren.
Für Hessen weist das RKI je nach Berechnung eine erhebliche Spannbreite aus. Die Schätzungen reichen von 1.780 bis 2.610 hitzebedingten Sterbefällen. Die Unsicherheit gehört zur Methodik der Berechnung und macht deutlich, dass es sich bei den rund 2.190 Fällen um einen Schätzwert handelt. Die Zahlen werden zudem regelmäßig neu berechnet. Nach Angaben des RKI können sich dadurch auch die Werte für bereits vergangene Jahre verändern, weil das Modell weiterentwickelt wird.
Bundesweit fällt die Entwicklung ebenfalls deutlich aus. Das RKI schätzt für Deutschland bis zur Kalenderwoche 33 insgesamt rund 15.800 hitzebedingte Sterbefälle. Das 95-Prozent-Prädiktionsintervall reicht von 14.500 bis 17.000 Fällen. Besonders stark betroffen sind ältere Menschen. Von den bundesweit geschätzten Fällen entfallen rund 7.960 auf Menschen ab 85 Jahren und etwa 3.910 auf die Altersgruppe der 75- bis 84-Jährigen.
Nach der RKI-Auswertung entfielen bundesweit rund 9.600 der geschätzten hitzebedingten Sterbefälle auf die besonders heiße Kalenderwoche 26 Ende Juni. Weitere rund 4.000 Fälle werden der Hitze in den Kalenderwochen 31 bis 33 von Ende Juli bis Mitte August zugerechnet. Die bundesweite Wochenmitteltemperatur lag in der Kalenderwoche 33 bei 21,9 Grad Celsius und damit über der Schwelle von etwa 20 Grad, ab der das RKI einen signifikanten hitzebedingten Anstieg der Sterblichkeit beobachtet. In zwölf Bundesländern wurde in dieser Woche eine mittlere Temperatur von mehr als 20 Grad gemessen.
Die Berechnung des RKI basiert unter anderem auf den Sterbefallzahlen des Statistischen Bundesamtes und Temperaturdaten des Deutschen Wetterdienstes. Für die Auswertung werden die Daten von 52 Wetterstationen des DWD herangezogen und auf Bundeslandebene ausgewertet. Das RKI vergleicht dabei die beobachtete Sterblichkeit mit einem modellierten Verlauf, der unter vergleichbaren Bedingungen ohne den zusätzlichen Einfluss hoher Temperaturen zu erwarten wäre. Die Differenz wird als hitzebedingte Mortalität geschätzt.
Die Entwicklung hat in Hessen zugleich eine politische Debatte über den Schutz besonders gefährdeter Menschen ausgelöst. Die Grünen im Hessischen Landtag fordern angesichts der hohen Zahl ein Sofortförderprogramm des Landes, mit dem unter anderem Kindertagesstätten, Schulen und Seniorenheime besser gegen Hitze geschützt werden sollen. Gesundheitsministerin Diana Stolz (CDU) verweist dagegen auf die Zuständigkeit der Kommunen und bestehende Fördermöglichkeiten. Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) wies Kritik zurück, die Landesregierung tue zu wenig, und verwies auf die Unterstützung kommunaler Hitzeaktionspläne sowie auf Fördermöglichkeiten aus dem Hessen-Plan.
Wie hoch die Zahl der hitzebedingten Sterbefälle am Ende des Sommers tatsächlich ausfallen wird, steht damit noch nicht fest. Der aktuelle RKI-Bericht umfasst die Kalenderwochen 15 bis 33 und damit den Zeitraum bis zum 16. August. Das Monitoring wird während des Sommers wöchentlich fortgeführt. Die jetzt vorliegende Zahl von rund 2.190 Fällen ist deshalb eine Zwischenbilanz und keine abschließende Jahreszahl. +++











