Auch nach fünf Verhandlungsrunden ist im Tarifkonflikt des hessischen Einzel- und Versandhandels keine Einigung in Sicht. Die Gespräche am 24. und 25. August 2026 wurden ohne Ergebnis vertagt. Im Mittelpunkt steht weiterhin die Frage, wie die Tarifentgelte erhöht und zugleich Mindestentgeltsätze für die unteren Entgeltgruppen vereinbart werden können. Betroffen sind rund 240.000 Beschäftigte in Hessen.
Die Gewerkschaft ver.di sieht die Arbeitgeberseite in der Verantwortung für das Scheitern der Gespräche. Entscheidend sei aus ihrer Sicht die Forderung nach einer Stärkung der Einkommenssituation der Beschäftigten in den unteren Entgeltgruppen. „Die Arbeitgeber waren hierzu nicht bereit, ohne dass dies das Gesamtergebnis für alle Beschäftigten geschmälert hätte. Für uns ist das Auftreten der Arbeitgeber, die Beschäftigtengruppen gegeneinander auszuspielen, unverständlich und skandalös“, sagt Marcel Schäuble, ver.di-Verhandlungsführer für den Handel Hessen.
Nach fünf Monaten Tarifrunde sei die Erwartung der Beschäftigten und ihrer Familien an spürbare Entgeltsteigerungen angesichts der gestiegenen Lebenshaltungskosten deutlich. Dass die Arbeitgeber unter diesen Bedingungen auf Zeit spielten, sei unangemessen, so Schäuble. Die Beschäftigten in den Betrieben seien verständlicherweise empört und würden weiter für einen angemessenen Tarifabschluss eintreten. Der Tarifkonflikt droht damit weiter an Schärfe zu gewinnen.
Die Arbeitgeberseite bewertet den Verlauf der fünften Verhandlungsrunde anders. „Zu unserer großen Enttäuschung ist die Arbeitnehmerseite heute nicht auf unsere Lösungsansätze eingegangen. Eine Annäherung auf Basis des erfolgten Tarifabschlusses im Groß- und Außenhandel wäre aus unserer Sicht durchaus denkbar gewesen“, erklärt Nico Lehm, Vorsitzender der Tarifkommission. Eine Übertragung dieses Abschlusses auf den Einzelhandel hätte nach Darstellung der Arbeitgeber eine mögliche Grundlage für eine Einigung geschaffen.
Der entscheidende Streitpunkt liegt aus Sicht der Arbeitgeber in der zusätzlichen Forderung nach einem tariflichen Mindestentgelt. In Verbindung mit einer 1:1-Übernahme des Abschlusses im Groß- und Außenhandel hätte dies zu einer erheblichen zusätzlichen finanziellen Belastung geführt. Zugleich habe auf Gewerkschaftsseite keine Bereitschaft bestanden, an anderer Stelle Kompromisse einzugehen oder der Arbeitgeberseite entgegenzukommen. Wegen der unterschiedlichen strukturellen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen von Groß- und Einzelhandel sei es unter diesen Voraussetzungen nicht möglich gewesen, ein tragfähiges Gesamtpaket zu vereinbaren, so Lehm.
Damit stehen sich auch nach der fünften Runde unterschiedliche Vorstellungen darüber gegenüber, wie ein Abschluss aussehen könnte. Während ver.di insbesondere die unteren Entgeltgruppen stärker absichern und die gestiegenen Lebenshaltungskosten berücksichtigen will, verweist die Arbeitgeberseite auf die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und fordert konkrete Vorschläge für einen Kompromiss.
Wie es weitergeht, ist noch offen. Ein neuer Verhandlungstermin für den hessischen Einzel- und Versandhandel soll zeitnah abgestimmt werden. Der Tarifkonflikt geht damit nach fünf Verhandlungsrunden weiter. +++












