Netzwerke gelten oft als nüchterne Zweckgemeinschaften, als Orte des geschäftlichen Austauschs, an denen Kontakte gepflegt und Möglichkeiten ausgelotet werden. Dass daraus zugleich gesellschaftliche Verantwortung erwachsen kann, zeigt eine Veranstaltung der drei Lions Clubs Hünfeld, Fulda und Fulda-Bonifatius, die Ende April in einer Spendenübergabe an den Tages-Eltern-Fulda e.V. mündete. Die 1.500 Euro, die dabei übergeben wurden, sind dabei weniger wegen ihrer Höhe bemerkenswert als wegen der Art, wie sie zustande kamen — und wofür sie gedacht sind.
Bereits am 25. März hatten die drei Clubs im Autohaus Deisenroth in Hünfeld zu einem gemeinsamen Netzwerkabend eingeladen. Unter dem Motto „Sieben Minuten, ein Auto, neue Bekanntschaften – Netzwerken mal anders“ trafen sich Mitglieder der Clubs erstmals in dieser Konstellation. Das Anliegen dahinter war erkennbar zweigeteilt: Zum einen ging es darum, die Verbindungen innerhalb der Region zu stärken und Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen, die sich im Alltag womöglich nie begegnet wären. Zum anderen sollte der Abend von Beginn an einem sozialen Zweck dienen.
Dass ausgerechnet ein Autohaus zum Ort solcher Begegnungen wurde, mag zunächst ungewöhnlich erscheinen. Doch gerade darin lag ein Teil der Idee. Die ausgestellten Fahrzeuge dienten während des Abends nicht als Statussymbole, sondern als Rückzugsräume für Gespräche. In sechs Runden von jeweils sieben Minuten kamen die Teilnehmer miteinander ins Gespräch, tauschten berufliche Erfahrungen aus, sprachen aber ebenso über Persönliches. Gastgeber Werner Deisenroth stellte dafür sein Autohaus zur Verfügung und schuf damit einen Rahmen, der Distanz eher verringerte als vergrößerte.
Bemerkenswert ist dabei weniger das Format selbst, das an bekannte Speed-Dating-Konzepte erinnert, sondern der Versuch, gesellschaftliches Engagement nicht als bloßen Programmpunkt an den Rand einer Veranstaltung zu stellen. Der Tages-Eltern-Fulda e.V. war nicht nur Empfänger einer späteren Spende, sondern von Beginn an Teil des Abends. Die Vorsitzende Cornelia Hansel stellte die Arbeit des Vereins vor und machte deutlich, worum es in der Kindertagespflege tatsächlich geht: um Qualifizierung, Begleitung und die Sicherung von Standards in einem Bereich, der für viele Familien unverzichtbar geworden ist, dessen Bedeutung aber häufig erst dann sichtbar wird, wenn Betreuung fehlt.
Gerade im ländlich geprägten Landkreis Fulda zeigt sich seit Jahren, wie stark funktionierende Kinderbetreuung über den Alltag vieler Familien entscheidet. Tagesmütter, Tagesväter und Tageseltern schließen dort oft Lücken, die institutionelle Angebote allein nicht abdecken können. Sie schaffen flexible Betreuung, persönliche Bindung und Verlässlichkeit in einem Umfeld, das zunehmend unter Druck steht — organisatorisch wie personell. Dass die Spendensumme nun gezielt der Qualitätsarbeit der Geschäftsstelle sowie der Unterstützung dieser Betreuungspersonen zugutekommen soll, verweist deshalb auf einen Bereich, der gesellschaftlich viel häufiger im Mittelpunkt stehen müsste.
Bei der Scheckübergabe zeigten sich die amtierenden Präsidenten der drei Lions Clubs — Mark Rieger für den Lions Club Hünfeld, Gerrit Schwendner für den Lions Club Fulda-Bonifatius und Michael Engels für den Lions Club Fulda — beeindruckt von der Arbeit des Vereins. Im Austausch mit Cornelia Hansel und der Mitarbeiterin der Geschäftsstelle, Margarethe Weiss, erhielten sie Einblicke in den Alltag der Einrichtung. Besonders die Gespräche mit aktiven Tagesmüttern hinterließen offenbar Eindruck. Sie berichteten von ihrem Berufsalltag und davon, wie sie zu dieser Tätigkeit gefunden haben. Gerade diese persönlichen Erfahrungen machen deutlich, dass Kindertagespflege weit mehr ist als eine organisatorische Ergänzung zum Betreuungssystem. Sie lebt von Menschen, die Verantwortung übernehmen — oft leise, meist ohne größere öffentliche Aufmerksamkeit.
Die Veranstaltung und die anschließende Spendenübergabe zeigen damit auch etwas über das Selbstverständnis der beteiligten Clubs. Gesellschaftliche Verantwortung erschöpft sich nicht in repräsentativen Gesten oder routinierten Benefizterminen. Entscheidend ist, ob es gelingt, regionale Strukturen tatsächlich zu stärken und Begegnungen zu schaffen, die über den Abend hinaus Wirkung entfalten. Dass die Beteiligten das Netzwerkformat künftig fortführen möchten, wirkt daher folgerichtig. Denn vielerorts wird beklagt, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt verloren gehe. In Hünfeld wurde zumindest der Versuch unternommen, diesem Verlust nicht mit großen Worten, sondern mit konkreten Begegnungen zu begegnen. +++ red.














