K+S weist Warnungen von Umweltverbänden scharf zurück

Kalihalde

Im Konflikt um die Kalihalde Neuhof verschärft sich der Ton deutlich. Der Düngemittel- und Rohstoffkonzern K+S wirft dem Bund für Umwelt und Naturschutz Hessen (BUND) sowie der Bürgerinitiative Umwelt Neuhof vor, mit „haltlosen Behauptungen“ zu operieren und unnötige Ängste in der Bevölkerung zu schüren. Hintergrund ist die seit Jahren umstrittene Frage, welche Folgen die Salzrückstände der Halde für Böden, Grundwasser und langfristig auch die Trinkwasserversorgung haben.

K+S spricht von stabiler Lage

Nach Darstellung des Unternehmens zeigen vorliegende Messdaten keine dramatische Entwicklung. Der Salzeinfluss im Umfeld der Halde sei stabil, in mehreren Messstellen gehe die Mineralisierung sogar zurück. Die Belastung im Untergrund sei seit Langem bekannt und werde gemeinsam mit den zuständigen Fachbehörden engmaschig überwacht. Von einer zunehmenden Ausbreitung salzhaltiger Wässer könne keine Rede sein, so K+S. Damit reagiert der Konzern auf jüngste Warnungen der Bürgerinitiative und des BUND, die auf Grundlage eines Gutachtens des Geologen Ralf Krupp erhebliches Gefährdungspotenzial sehen.

Angriff auf den Gutachter

Besonders scharf fällt die Kritik an Krupp aus. Dessen Aussagen seien wissenschaftlich nicht haltbar, zentrale Fakten würden ignoriert, erklärt K+S. Der Konzern verweist darauf, dass Krupp seit mehr als zwei Jahrzehnten als Kritiker des Kalibergbaus auftrete, ohne Fachbehörden und Sachverständige mit seinen Thesen überzeugt zu haben. Der Streit verläuft damit nicht nur entlang ökologischer Fragen, sondern auch entlang der Deutungshoheit über wissenschaftliche Expertise.

Trinkwasser nicht gefährdet?

K+S beruft sich zudem auf das Regierungspräsidium Kassel. Die Behörde habe bestätigt, dass derzeit keine Gefahr für die Trinkwasserversorgung in Neuhof bestehe. Messstellen zwischen Halde und Wassergewinnung zeigten keine Hinweise auf einen Einfluss von Haldenwässern. Für Kritiker dürfte das kaum das letzte Wort sein. Gerade in Umweltkonflikten entzünden sich Debatten häufig an der Frage, wie Risiken bewertet werden: Reicht der Blick auf aktuelle Messwerte – oder müssen mögliche Langzeitfolgen stärker gewichtet werden?

Maßnahmen gegen Versalzung

Unabhängig davon verweist K+S auf bereits laufende Gegenmaßnahmen. Ein Entnahmebrunnen im Südwesten der Halde erfasse salzhaltige Wässer gezielt. Zudem werde eine Verlängerung der Tiefendrainage im östlichen Bereich vorbereitet. Das Unternehmen betont, diese Schritte erfolgten in enger Abstimmung mit den Behörden.

Kampf um Vertrauen

Wie fuldainfo.de schreibt, zeigt der Konflikt in Neuhof exemplarisch, wie schwer das Verhältnis zwischen Industrie, Umweltverbänden und betroffenen Anwohnern vielerorts geworden ist. Während der Konzern auf Daten, Genehmigungen und technische Lösungen verweist, warnen Kritiker vor schleichenden Langzeitfolgen. K+S lädt die Öffentlichkeit weiterhin zu regelmäßigen Informationsveranstaltungen ins Kaliwerk ein. Doch Transparenz allein dürfte den Grundkonflikt kaum lösen. Denn in Neuhof geht es längst nicht mehr nur um Salz im Boden. Es geht um Vertrauen. +++ red.

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