Ines Claus: Demokratie ist ohne Pressefreiheit undenkbar

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Der Hinweis auf die Bedeutung der Pressefreiheit gehört zum festen Inventar demokratischer Selbstvergewisserung. Zum Internationalen Tag der Pressefreiheit hat die Vorsitzende der CDU-Fraktion im Hessischen Landtag, Ines Claus, nun erneut daran erinnert, dass freie Berichterstattung ein „unverzichtbares Fundament unserer Demokratie“ sei. Ohne unabhängige Medien, ohne den Schutz journalistischer Arbeit und ohne den freien Zugang zu Informationen könne es kein funktionierendes gesellschaftliches Miteinander geben. Das ist richtig. Gerade deshalb verdient dieser Satz mehr als routinierte Zustimmung.

Denn Pressefreiheit erschöpft sich nicht im feierlichen Bekenntnis zum Grundgesetz. Sie bewährt sich dort, wo Berichterstattung unbequem wird, wo politische Macht auf kritische Öffentlichkeit trifft und wo journalistische Arbeit nicht als Bestätigung, sondern als Korrektiv verstanden wird. Dass Claus auf die Gefahren von Manipulation und Propaganda hinweist, die sich insbesondere im Internet ausbreiten, verweist auf eine Entwicklung, die längst über die Debatte um soziale Netzwerke hinausgeht. Der digitale Raum hat die Geschwindigkeit öffentlicher Empörung erhöht, aber zugleich die Verlässlichkeit von Informationen unter Druck gesetzt. Nicht jede Behauptung wird wahr, weil sie millionenfach geteilt wird. Nicht jede Kampagne dient der Aufklärung. Gerade deshalb bleibt eine vielfältige Medienlandschaft unverzichtbar.

Bemerkenswert ist dabei weniger die Selbstverständlichkeit des Bekenntnisses als die politische Verantwortung, die daraus folgt. Wer Pressefreiheit verteidigt, muss auch Widerspruch aushalten. Der Ruf nach dem Schutz von Journalistinnen und Journalisten ist notwendig, weil Einschüchterung, persönliche Anfeindungen und gezielte Bedrohungen längst nicht mehr auf autoritäre Staaten beschränkt sind. Auch in Deutschland hat sich das Klima verändert. Reporter werden bedrängt, Kamerateams attackiert, Redaktionen unter Druck gesetzt. Dass Claus darin einen Angriff auf das Fundament der Demokratie erkennt, trifft den Kern des Problems. Eine Gesellschaft, die unabhängige Berichterstattung nur akzeptiert, solange sie den eigenen Überzeugungen entspricht, verliert schleichend die Fähigkeit zur offenen Auseinandersetzung.

Gleichzeitig bleibt die Debatte widersprüchlich. Das Vertrauen in Medien sinkt nicht allein wegen gezielter Desinformation, sondern auch, weil viele Bürger den Eindruck haben, bestimmte Perspektiven kämen kaum noch vor oder politische Nähe ersetze kritische Distanz. Diese Wahrnehmung mag nicht immer berechtigt sein, sie verschwindet jedoch nicht dadurch, dass man sie moralisch zurückweist. Pressefreiheit lebt nicht allein vom Schutz journalistischer Arbeit, sondern ebenso von Glaubwürdigkeit, Transparenz und der Bereitschaft, sich öffentlicher Kritik zu stellen. Gerade etablierte Medien stehen deshalb unter einem besonderen Druck: Sie müssen unabhängig sein und zugleich sichtbar machen, dass sie es sind.

Der Verweis auf die Gefahren von Willkür und Zensur erhält in diesem Zusammenhang eine zusätzliche Dimension. Nicht jede Einschränkung beginnt mit offenen Verboten. Demokratische Öffentlichkeit verändert sich oft schleichend — durch wirtschaftliche Abhängigkeiten, politische Nähe, soziale Einschüchterung oder die Konzentration medialer Macht. Pressefreiheit bleibt deshalb kein Zustand, sondern eine dauerhafte Aufgabe. Sie verlangt nicht nur rechtlichen Schutz, sondern auch eine politische Kultur, die Kritik nicht als Störung betrachtet.

Dass die CDU-Fraktion im Hessischen Landtag ankündigt, sich weiterhin für den Schutz von Journalistinnen und Journalisten einzusetzen, ist zunächst eine Selbstverständlichkeit. Entscheidend wird sein, ob daraus mehr entsteht als eine Erklärung zum Gedenktag. Denn die Freiheit der Presse zeigt sich nicht in Sonntagsreden, sondern an der Bereitschaft, unabhängige Berichterstattung auch dann zu verteidigen, wenn sie den eigenen Interessen widerspricht. +++ me

3 Kommentare

  • „Demokratie ist ohne Pressefreiheit undenkbar“, sagt Ines Claus. Ein Satz, dem wohl jeder zustimmen würde. Irritierend ist allerdings, wie still es gleichzeitig in Teilen der osthessischen Medienlandschaft geworden ist. Denn dort entsteht zunehmend der Eindruck, dass bestimmte Medien und politische Akteure auffällig eng miteinander umgehen – und dass kritische Distanz nicht immer erwünscht ist.

    Noch bemerkenswerter ist dabei das Schweigen vieler anderer Medien. Denn was in Osthessen geschieht, betrifft am Ende nicht nur ein einzelnes Medium oder einzelne Politiker. Wenn politische Nähe wirtschaftliche Vorteile schafft, wenn exklusive Zugänge oder wohlwollende Berichterstattung zum Geschäftsmodell werden, dann hat das zwangsläufig Auswirkungen auf den gesamten Medienmarkt. Andere Redaktionen geraten dadurch ebenfalls unter Druck – journalistisch wie wirtschaftlich.

    In Osthessen scheint Kritik zudem oft nur dann willkommen zu sein, solange sie das bestehende Gefüge nicht ernsthaft infrage stellt. Wer Kritik offen äußert, unbequeme Themen anspricht oder politische und mediale Verflechtungen hinterfragt, muss schnell damit rechnen, ausgegrenzt oder öffentlich abgewertet zu werden. Genau das hat die Opposition nach eigener Darstellung längst erkannt und spricht diese Entwicklung seit Jahren an.

    Die Frage drängt sich deshalb auf, ob die Hessen-CDU diese Entwicklung zumindest billigend in Kauf nimmt. Denn wer sich bevorzugt in Hofberichten wiederfindet, wird kaum ein Interesse daran haben, dieses System zu hinterfragen. Freundliche Schlagzeilen sind schließlich angenehmer als kritische Nachfragen.

    Gerade deshalb reicht es nicht, Pressefreiheit nur in Reden zu verteidigen. Demokratie lebt von unabhängigen Medien, von Konkurrenz, von kritischer Berichterstattung und auch davon, unbequeme Fragen auszuhalten. Wo Nähe wichtiger wird als Distanz, verliert am Ende nicht nur der Journalismus, sondern auch die Glaubwürdigkeit der Politik.

  • Die Diskussion um Pressefreiheit und die Unabhängigkeit der Medien bekommt auch in Fulda immer wieder neue Nahrung. Gerade die CDU vor Ort muss sich inzwischen die Frage gefallen lassen, wie ernst sie es tatsächlich mit medialer Vielfalt und kritischer Berichterstattung meint. Denn die auffällige Nähe zu einem bestimmten Medium sorgt seit längerem für Gesprächsstoff – und dabei scheint es sich aus Sicht vieler Beobachter gerade nicht um die klassische Zeitung zu handeln.

    Der Eindruck entsteht, dass dieses Medium mit politischer Unterstützung künstlich am Leben gehalten wird. Besonders die Rolle der CDU sowie der CDU-nahen Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) wirft Fragen auf. Wenn politische Akteure ein Medium derart hofieren, entsteht zwangsläufig der Verdacht gegenseitiger Abhängigkeiten. Im Gegenzug werden CDU-Minister dort wohlwollend präsentiert, kritische Distanz scheint häufig zu fehlen. Damit das Ganze nicht allzu offensichtlich wirkt, kommen gelegentlich auch Vertreter der SPD zu Wort. Auch das gehört zur Wahrheit.

    Natürlich ist politische Nähe zwischen Medien und Parteien nicht grundsätzlich verboten. Problematisch wird es aber dort, wo der Eindruck entsteht, Berichterstattung diene weniger der unabhängigen Information als vielmehr der politischen Pflege von Beziehungen. Gerade Parteien, die sich gern auf demokratische Grundwerte und Meinungsfreiheit berufen, sollten hier besonders sensibel sein.

    Frau Claus dürfte diese Zusammenhänge kennen. Doch wie so oft klaffen Worte und Taten auseinander. Sich öffentlich zur Pressefreiheit zu bekennen, ist einfach. Schwieriger wird es, echte Unabhängigkeit auch dann auszuhalten, wenn Berichterstattung unbequem wird. Genau daran muss sich Politik am Ende messen lassen.

  • Die Worte von Ines Claus zum Internationalen Tag der Pressefreiheit sind richtig und notwendig. Freie Berichterstattung gehört zum Fundament jeder Demokratie. Umso wichtiger ist allerdings die Frage, wie unabhängig Medien dort tatsächlich arbeiten, wo politische Nähe, wirtschaftliche Interessen und öffentliche Aufträge aufeinandertreffen.

    Gerade in Osthessen entsteht seit Jahren bei manchen Beobachtern der Eindruck, bestimmte Medienhäuser bewegten sich auffallend eng im Umfeld der CDU. Dabei geht es weniger um offene Einflussnahme als um eine Form politischer Nähe, die kritische Distanz zunehmend vermissen lässt. Wer regelmäßig politische Botschaften transportiert, öffentliche Wahrnehmung prägt und gleichzeitig von kommunalen Strukturen profitiert, muss sich Fragen nach Unabhängigkeit gefallen lassen.

    Pressefreiheit bedeutet eben nicht nur Schutz vor Angriffen oder Zensur. Sie verlangt auch Glaubwürdigkeit. Und Glaubwürdigkeit entsteht dort, wo Medien Macht kritisch begleiten — unabhängig davon, wer regiert.

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