Fulda würdigt jahrzehntelanges kommunalpolitisches Engagement mit der Ernennung zu Stadtältesten

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Kommunalpolitik vollzieht sich selten im Rampenlicht. Sie lebt von Beharrlichkeit, von Sitzungen bis in die Abendstunden, von Debatten über Haushalte, Bebauungspläne und die kleinen Konflikte des Alltags, die für das Funktionieren einer Stadt oft wichtiger sind als die großen politischen Schlagzeilen. In Fulda ist nun eine Generation von Kommunalpolitikern geehrt worden, deren Wirken sich über Jahrzehnte erstreckte und die das öffentliche Leben der Stadt über lange Zeiträume mitgeprägt haben.

Im Rahmen der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung wurde den langjährigen Stadtverordneten Edith Bing, Dorothée Hauck-Hiersch, Michael Hodes, Rainer Kohlstruck, Bernhard Lindner, Hans-Joachim Tritschler, Dr. Albert Post, Esther Schmitt-Eckart und Steffen Werner sowie den langjährigen Ortsvorstehern Timo Diegelmann, Reinhard Kremser, Dieter Klüh und Thomas Schmitt die Ehrenbezeichnung „Stadtälteste“ beziehungsweise „Stadtältester“ verliehen. Oberbürgermeister Dr. Wingenfeld erinnerte dabei an die Ehrenordnung der Stadt Fulda, die vorsieht, verdiente Mitglieder der städtischen Gremien zu würdigen, wenn sie sich mindestens zwanzig Jahre ununterbrochen in den Dienst der Gemeinschaft gestellt haben.

Die Liste der Geehrten liest sich zugleich wie ein Überblick über mehrere Jahrzehnte Fuldaer Kommunalgeschichte. Edith Bing gehörte der Stadtverordnetenversammlung von 1981 bis 2026 an und war damit über 45 Jahre Teil des Stadtparlaments. Dorothée Hauck-Hiersch wirkte von 2006 bis 2026 als Stadtverordnete. Michael Hodes war zwischen 2001 und 2019 Mitglied der Stadtverordnetenversammlung und anschließend von 2021 bis 2026 ehrenamtlicher Stadtrat. Rainer Kohlstruck gehörte dem Parlament von 1997 bis 2011 an und setzte seine kommunalpolitische Arbeit danach bis 2026 als ehrenamtlicher Stadtrat fort.

Besonders deutlich wird die Kontinuität kommunalpolitischer Arbeit auch am Beispiel Bernhard Lindners, der bereits von 1972 bis 1993 Mitglied des Stadtparlaments war, später erneut von 1997 bis 2021 der Stadtverordnetenversammlung angehörte und danach bis 2026 als ehrenamtlicher Stadtrat tätig blieb. Dr. Albert Post wirkte von 2001 bis 2026 im Stadtparlament, Esther Schmitt-Eckart von 2006 bis 2026. Hans-Joachim Tritschler gehörte der Stadtverordnetenversammlung seit 1989 an, Steffen Werner seit 1997.

Nicht weniger prägend ist die Arbeit auf Ebene der Stadtteile, wo Kommunalpolitik unmittelbarer und persönlicher erfahrbar wird als in vielen anderen politischen Bereichen. Timo Diegelmann war von 2006 bis 2026 Ortsvorsteher in Rodges, Reinhard Kremser leitete die Geschicke des Stadtteils Kohlhaus von 2001 bis 2026. Dieter Klüh bekleidete von 2006 bis 2026 das Amt des Ortsvorstehers in Maberzell, Thomas Schmitt im gleichen Zeitraum in Lüdermünd.

Die Verleihung der Ehrenbezeichnung ist mehr als eine formale Würdigung langjähriger Amtszeiten. Sie verweist auf einen Bereich demokratischer Arbeit, der häufig unterschätzt wird, weil er selten mit ideologischer Zuspitzung oder öffentlicher Inszenierung verbunden ist. Gerade in Städten wie Fulda beruht politische Stabilität oft auf Menschen, die über Jahrzehnte bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, Konflikte auszuhalten und Entscheidungen mitzutragen, die nicht immer Zustimmung hervorrufen. Dass viele der Geehrten über mehrere Wahlperioden hinweg tätig blieben, spricht auch für ein Verständnis von Politik, das weniger auf kurzfristige Aufmerksamkeit als auf Kontinuität angelegt ist.

Zugleich zeigt die Ehrung, wie stark kommunales Engagement an persönliche Verlässlichkeit gebunden bleibt. Während politische Debatten auf Bundesebene zunehmend von Tempo und Polarisierung geprägt sind, entsteht Vertrauen vor Ort oft aus jahrelanger Präsenz. Wer über Jahrzehnte hinweg Ansprechpartner in einem Stadtteil oder Mitglied eines Stadtparlaments ist, wird Teil des öffentlichen Gedächtnisses einer Stadt. Die Ernennung zu Stadtältesten würdigt deshalb nicht nur einzelne Biografien, sondern auch eine politische Kultur, die auf Dauerhaftigkeit und Verantwortung setzt – Werte, die im politischen Betrieb keineswegs selbstverständlich geworden sind. +++ ja

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