Fulda wird Versuchslabor für Deutschlands Gründer-Offensive

Fulda

Wer in Deutschland ein Unternehmen gründen will, verliert oft schon vor dem ersten Auftrag die Geduld. Formulare, doppelte Dateneingaben, Zuständigkeiten zwischen Behörden – der Weg in die Selbstständigkeit gilt seit Jahren als abschreckend bürokratisch. Nun soll ausgerechnet Fulda zeigen, dass es auch anders geht. Die Stadt ist gemeinsam mit der Nachbargemeinde Petersberg als einer von bundesweit neun Pilotstandorten für das Projekt „Schneller Gründen“ ausgewählt worden. Hinter dem Vorhaben steckt ein ambitionierter Plan von Bund und Ländern: Unternehmensgründungen sollen künftig vollständig digital, deutlich einfacher und erheblich schneller möglich werden.

Die Erwartungen sind hoch. Hessens Finanzminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz spricht von einem „klaren Signal“, dass Staatsmodernisierung den Menschen konkret helfen müsse. Gründen in Fulda solle künftig „einfacher, schneller und digitaler“ werden. Die Auswahl der Region sei das Ergebnis einer Gemeinschaftsleistung von Kommune, Land und Bund. Zugleich sieht Lorz in dem Projekt einen wirtschaftspolitischen Impuls. Wachstum und Entlastung seien kein abstraktes Ziel, sondern müssten sich im Alltag bemerkbar machen.

Auch Wirtschafts- und Verkehrsminister Kaweh Mansoori verbindet mit dem Projekt mehr als nur digitale Verwaltungsabläufe. „Schneller Gründen“ stehe für weniger Bürokratie und mehr Unternehmergeist, sagte der SPD-Politiker. Fulda übernehme dabei eine Schlüsselrolle. Osthessen könne nun beispielhaft zeigen, wie moderne Verwaltung Unternehmensgründungen tatsächlich beschleunigt. Die Aufnahme in das Bundesprojekt wertet Mansoori als Signal für den Wirtschaftsstandort Hessen insgesamt – als Zeichen dafür, dass das Land gestalten wolle, statt auf Veränderungen zu warten.

Konkret geht es um einen Prozess, der bislang oft Wochen dauert. Künftig sollen Gründerinnen und Gründer ihre Gewerbeanmeldung, steuerliche Registrierung und – falls notwendig – den Handelsregistereintrag digital und möglichst ohne Mehrfachangaben erledigen können. Ziel ist, dass Unternehmen rechtssicher ihre erste Rechnung schreiben dürfen, ohne sich zuvor durch eine Kette unterschiedlicher Anträge arbeiten zu müssen. Herzstück des Projekts ist ein digitaler Kombiantrag für Gewerbe- und Steueranmeldung. Dieser soll ab Juli 2026 an den Pilotstandorten unter Realbedingungen getestet werden.

Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus formuliert das Ziel noch deutlich ambitionierter: Unternehmensgründungen innerhalb von 24 Stunden. Dafür müssten Verwaltungsleistungen gebündelt, Register besser vernetzt und das sogenannte Once-Only-Prinzip konsequent umgesetzt werden. Daten sollen also nur noch ein einziges Mal eingegeben werden müssen. Für Sinemus ist das nicht nur eine Frage der Nutzerfreundlichkeit, sondern auch der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands.

Dass mehr als 80 Prozent aller Neugründungen Einzelunternehmen sind, spielt dem Projekt dabei in die Karten. Gerade in diesem Bereich entstehen viele Reibungsverluste durch doppelte Angaben und Rückfragen von Behörden. Der digitale Kombiantrag soll genau diese Punkte beseitigen. Für die Verwaltung bedeutet das zugleich weniger manuelle Nacharbeit und eine höhere Datenqualität.

Hessens Minister für Entbürokratisierung, Manfred Pentz, sieht in der Auswahl Fuldas einen Beleg dafür, dass Hessen beim Abbau bürokratischer Hürden vorne mitspiele. Wenn es um Vereinfachung gehe, spiele das Land „in der ersten Liga“, sagte Pentz. Ähnlich argumentiert Justizminister Christian Heinz. Gute Ideen dürften nicht an Formularen oder rechtlichen Hürden scheitern. Gerade bei Start-ups müsse der gesamte Ablauf – vom Notartermin bis zur Handelsregistereintragung – schnell, digital und rechtssicher funktionieren. Die Erfahrungen aus Fulda könnten deshalb weit über die Region hinaus Bedeutung bekommen.

Auch im Fuldaer Rathaus versteht man die Auswahl als Prestigeprojekt. Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld spricht von einer Vorreiterrolle bei der Modernisierung von Gründungsverfahren. Wer ein Unternehmen gründen wolle, brauche keine unnötigen Hürden, sondern klare und schnelle Abläufe. Gemeinsam mit Bund, Land und den beteiligten Behörden wolle man den Weg in die Selbstständigkeit spürbar vereinfachen.

Die eigentliche Bewährungsprobe beginnt allerdings erst im kommenden Jahr. Im Mai 2026 startet die Zusammenarbeit mit den Pilotstandorten, im Juli folgt der sogenannte „Silent Launch“ unter Realbedingungen. Verläuft die Testphase erfolgreich, soll das Modell schrittweise auf weitere Unternehmensformen ausgeweitet und bundesweit eingeführt werden. Fulda wäre dann nicht nur Pilotkommune, sondern ein früher Beweis dafür, dass deutsche Verwaltung auch schnell sein kann. +++ red.

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