Fulda hat sich längst entschieden, seine Innenstadt nicht dem schleichenden Verlust von Handel, Aufenthaltsqualität und urbanem Leben zu überlassen, heißt es auf fuldainfo.de. Während viele Städte seit Jahren mit leer stehenden Kaufhäusern, aufgegebenen Ladenlokalen und einer zunehmenden Verödung ihrer Zentren kämpfen, setzt die Barockstadt auf eine Mischung aus Kultur, Gastronomie, Stadtgestaltung und privaten Investitionen. Bei ihrer sechsten und zugleich letzten Stadtteilbegehung in diesem Jahr machte sich die CDU-Stadtverordnetenfraktion Fulda am Freitagabend ein Bild davon, wie dieser Anspruch in der Praxis aussieht. Es ging dabei nicht nur um schöne Fassaden und neu angelegte Gärten, sondern um die grundsätzliche Frage, wie eine Innenstadt ihre Anziehungskraft bewahren kann, wenn sich die Bedingungen für Handel und Gastronomie grundlegend verändern.
Der sogenannte Trading-Down-Effekt ist inzwischen in zahlreichen Städten zu beobachten. Der Onlinehandel verändert die Einkaufsgewohnheiten, Fastfood-Ketten verdrängen traditionelle Gastronomie und große Handelsunternehmen ziehen sich aus Innenstädten zurück. Die Schließung großer Kaufhäuser wie der Galerie Kaufhof hat vielerorts Lücken hinterlassen, die sich nicht ohne weiteres wieder schließen lassen. Die Corona-Pandemie hat diese Entwicklung zusätzlich beschleunigt. Was früher als vorübergehender Leerstand erschien, kann sich schnell zu einer dauerhaften Abwärtsspirale entwickeln. Innenstädte sind deshalb längst mehr als Einkaufsorte. Sie müssen Räume für Wohnen, Arbeit, Gesundheitsversorgung, Kultur, Begegnung und Freizeit bieten. Entscheidend ist dabei die Mischung, aber auch die Frage, ob Menschen überhaupt einen Grund haben, länger zu bleiben.
Fulda versucht, auf diese Entwicklung mit einer eigenen Strategie zu reagieren. Kulturveranstaltungen wie der Fuldaer Musical Sommer, der Weihnachtsmarkt oder das Genussfestival gehören ebenso dazu wie die städtebauliche Entwicklung zentraler Freiräume. Der Schlossgarten zwischen Stadtschloss und Orangerie, eingebettet in die Pauluspromenade im Herzen des Barockviertels, ist dafür zu einem besonders sichtbaren Beispiel geworden. Spätestens im Rahmen des Hessentags zog die Anlage hunderttausende Menschen an und rückte mit ihrer Gestaltung auch über die Stadtgrenzen hinaus in den Blickpunkt.
„Die Innenstädte stehen Land auf Land ab vor derselben Herausforderung. Durch den Onlinehandel und Fastfood-Ketten werden innerstädtischer Handel und Gastronomie verdrängt. Nicht zuletzt die Schließung großer Einzelhandelsriesen wie der Kaufhauskonzern Galerie Kaufhof stellt Städte vor massive Probleme. Im Ergebnis bedeutet das ein massiver Attraktivitätsverlust“, sagte der Fuldaer Stadtverordnete und stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Hans-Dieter Alt, der die Begehung leitete. Es war eine nüchterne Feststellung, die den Rundgang zugleich auf seine eigentliche Frage zurückführte: Was kann eine Stadt tun, wenn die alten Funktionen der Innenstadt nicht mehr selbstverständlich funktionieren?
Eine Antwort darauf liegt im Schlossgarten. Stadtbaurat Daniel Schreiner verwies auf die Bedeutung des Areals und auf die Verbindung zwischen öffentlichen Investitionen und privatem Engagement. „Es ist wichtig, dass man gemeinsam voran geht, und das tun wir hier in Fulda. Das zeichnet uns auch aus. Neben Investoren, die sehr mit ihrem Eigentum sehr sinnstiftend umgehen, investieren auch wir als Stadt. Der Schlossgarten ist ein ganz wichtiger Baustein zur Attraktivitätssteigerung. Seitdem er wieder geöffnet ist, erkennen wir, wie sehr er gefehlt hat und welches Potenzial in ihm steckt“, sagte Schreiner.
Der Garten erzählt dabei nicht nur eine Geschichte über Stadtentwicklung, sondern auch über den Versuch, verlorene historische Strukturen wieder sichtbar zu machen. Die Überbauung der Waides im Jahr 1715 bildete den Ausgangspunkt für die Terrassenanlage. Von 1720 bis tief in die 1730er Jahre entstand die Orangerie. Parallel dazu wurde eine barocke Gartenanlage angelegt, die in den 1740er Jahren fertiggestellt wurde. 1777 verschwand diese Anlage wieder und machte einer Rokokogartenanlage Platz. Als auch diese im Jahr 1807 entfernt wurde, wurde sie noch einmal vermessen. Genau diese historischen Pläne dienten später als Grundlage für die Rekonstruktion.
Die besondere Bedeutung der heutigen Anlage liegt nach den Ausführungen Schreiners vor allem in der wiederhergestellten Axialität. Die Orangerie war bewusst als Gegenstück zum Stadtschloss errichtet worden. Die beiden Gebäude sollten durch die Achsen der Gartenanlage miteinander verbunden werden. Wilhelm Friedrich von Oranien-Nassau, der Fulda vier Jahre als erster weltlicher Fürst regierte, bevor er als Wilhelm I. erster König der Niederlande wurde, hatte diese Wirkung durch die Anlage des Landschaftsgartens aufgehoben. Mit der Rekonstruktion wurde sie wieder aufgenommen. Fulda und Würzburg seien die letzten deutschen Städte, in denen zuletzt eine Rokokogartenanlage rekonstruiert worden sei, erläuterte der Stadtbaurat.
Auch bei den Wegen orientierte man sich an historischen Maßen. Grundlage waren die überlieferten Ausmaße aus dem Jahr 1803. Auf die vollständige Rekonstruktion des Parterres wurde dagegen bewusst verzichtet, weil dies den Totalverlust der vorhandenen Bäume bedeutet hätte. Die Bäume stammen aus dem Jahr 1804 und sind heute nicht nur historische Zeugen, sondern spenden an heißen Tagen auch Schatten. Zwei Brunnenanlagen wurden ebenfalls entsprechend den historischen Plänen installiert und über ein gemeinsames System miteinander verbunden. Wegen der starken Veralgung infolge des heißen Wetters waren die Brunnen erst am Tag vor der Begehung gereinigt worden.
Die Arbeiten am Parterre und an der Orangerie-Terrasse wurden in den Jahren 2022 und 2023 ausgeführt und Anfang 2024 abgeschlossen. Danach rückte die Kaisersaal-Terrasse in den Mittelpunkt. Erst nachdem die Sanierung des Schlossturms abgeschlossen und der Baukran verschwunden war, konnten die notwendigen Erdarbeiten beginnen. Im Juni wurde die Kaisersaal-Terrasse wiedereröffnet. Der Kaisersaal gehört für Schreiner untrennbar zum Schlossgarten, war vom Schloss aus bislang jedoch nicht regulär begehbar. Die Treppe vom Vestibül zum Kaisersaal diente lediglich als Diensttreppe. Mit der Fertigstellung der spätbarocken Gartenanlage sei der Kaisersaal nun wieder erlebbar und barrierefrei zugänglich, erklärte der Stadtbaurat. Künftig soll er zudem als neuer Trausaal genutzt werden.
„Wir sind glücklich und froh, dass wir dieses opulente Werk hinter uns bringen konnten; ich glaube, die Fuldaer haben darauf gewartet“, sagte Schreiner. Dass die Fertigstellung des Schlossturms länger dauerte als ursprünglich erwartet, hatte mehrere Ursachen. Die Corona-Pandemie, der Krieg in der Ukraine und die damit verbundenen Lieferengpässe sorgten für Verzögerungen. Für die Schlossgartensanierung sind im Haushalt rund fünf Millionen Euro veranschlagt. Für weitere Vorhaben setzt die Stadt auf Zuwendungen von Bund und Land.
Anerkennung für das Ergebnis kam auch von Dr. Wolfgang Dippel, dem früheren Fuldaer Bürgermeister und ehemaligen Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Soziales und Integration. Er sprach Schreiner und seinem Team ein ausdrückliches Kompliment aus. Dippel, der nach eigener Aussage viel unterwegs ist, Menschen trifft und im Austausch mit ihnen steht, beobachtet nach eigenen Angaben auch außerhalb Fuldas, welche Wirkung die Entwicklung der Stadt entfaltet. Bundesweit errege die gelungene Schlossgartensanierung Aufmerksamkeit und stoße auf Anerkennung. Touristen kämen aus ganz Deutschland in die hessische Barockstadt. Die fünf Millionen Euro seien deshalb gut investiertes Geld. Dass Kultur und insbesondere Gartenkultur immer auch Gegenstand von Diskussionen seien, gehöre dabei zur Sache.
Ein besonderer Dank galt den Mitarbeitern des Grünflächenamtes und der Stadtgärtnerei. Nach den Worten Schreiners wird ein erheblicher Teil der gärtnerischen Arbeit mit großem persönlichen Einsatz erledigt. Alle Blumenziehungen würden gemeinsam mit den Auszubildenden der Stadtgärtnerei selbst vorgenommen. Die Liebe zum Detail und die Professionalität seien im Stadtbild sichtbar. Ein nicht sachgerecht gepflegter Pflanzkübel sei in Fulda faktisch kaum vorstellbar. Mit der Landesgartenschau 2023 und dem Hessentag 2026 hat die Stadt zugleich zusätzliche Flächen geschaffen, die dauerhaft gepflegt werden müssen.
Doch die Belebung der Innenstadt endet nicht an den Grenzen des Schlossgartens. Einige Straßen weiter zeichnet sich ab, wie private Unternehmer versuchen, neue Nutzungen in ehemalige Geschäftsimmobilien zu bringen. In der Friedrichstraße 5, in den Räumen des früheren inhabergeführten Schuhfachgeschäfts Hodes, soll im November dieses Jahres ein kleines Bistro eröffnen. Betreiber ist der Hünfelder Gastronom und Unternehmer Marc Zuspann. Seit Jahrzehnten steht der Name Zuspann für Gastronomie und Gastlichkeit. Das Familienunternehmen, das heute von Elmar Zuspann und seinem Sohn Marc geführt wird, bewirtschaftet die Hünfelder Waldgaststätte Praforst und ist darüber hinaus mit einem Cateringunternehmen erfolgreich.
Zuspann plant in Fulda ein Bistro mit deutscher Traditionsküche. Es soll ein Ort für ein Geschäftsessen, die Mittagspause oder ein spontanes Abendessen werden. Dass die Familie den Schritt nach Fulda wagt, ist kein Zufall. Bereits früher betrieb sie das Hotelrestaurant Zum Ritter in der Kanalstraße und war damit erfolgreich. Die Schließung des Schuhfachgeschäfts eröffnete nun eine neue Möglichkeit.
„Wir in der Praforst sind nur so erfolgreich, wenn wir mit dem Fuldaer Publikum rechnen können“, sagte der gelernte Koch. Ihm schwebt ein Konzept vor, das den spontanen Gast in der Innenstadt erreicht. „Unsere Praforst ist in den Sommermonaten jeden Abend bis auf den letzten Platz ausgebucht, was auch gut so ist. Aber was ist mit dem Fuldaer, der eine geraume Anfahrtszeit mit einkalkulieren muss? Den erreichen wir in Hünfeld nur bedingt“, erklärte Zuspann. In Fulda sollen deshalb künftig auch Praforst-Bestseller wie Ochsenbäckchen, Kalbsschnitzel oder „Knuspriges aus dem Körbchen“ angeboten werden.
Zuspann denkt dabei bereits über das einzelne Lokal hinaus. Er möchte gemeinsam mit anderen Gastronomen das alte Friedrichstraßenfest wieder aufleben lassen. Bis daraus Realität werden kann, ist allerdings noch einiges zu tun. Die Immobilie befindet sich derzeit noch im Rohbau. Bis zur geplanten Eröffnung im November wartet deshalb noch viel Arbeit auf die Handwerker.
Ein anderes Beispiel für die Entwicklung innerstädtischer Immobilien findet sich wenige Schritte entfernt in der Straße Unterm Heilig Kreuz. Dort hat vor wenigen Wochen eine kleine Eisdiele mit dem Namen L’unico eröffnet. Eigentümer der Immobilie ist der Fuldaer Unternehmer Arsim Trabert-Rexhepi. Sein Geschäftsmodell ist weniger auf kurzfristige Nutzung als auf die Entwicklung von Immobilien ausgerichtet. Er kauft Objekte, deren Potenzial auf den ersten Blick nicht unbedingt erkennbar ist, und versucht, daraus einen neuen Nutzen für die Stadt zu entwickeln.
„Ich habe dieses Objekt schon vor längerer Zeit erworben, weil ich ihr Potenzial erkannt habe“, sagte Trabert-Rexhepi. Die oberen Geschosse seien wegen einer Raumhöhe von lediglich 1,75 Metern aus seiner Sicht nicht als Wohnraum geeignet. Hinzu kämen Probleme mit Tauben im Innenhof. Dennoch sieht der Unternehmer Möglichkeiten, aus der Immobilie etwas zu machen. In den kommenden zwei Jahren will er die Entwicklung angehen. Die Fachsanierung kalkuliert er mit etwa einem halben Jahr.
Nicht jede Nutzung überzeugt ihn dabei. Den Waffenladen unmittelbar neben dem Eiscafé würde er am liebsten an einem anderen Standort sehen. „Er passt einfach nicht dorthin“, sagte Trabert-Rexhepi. Die Verträge für den Waffenfachhandel und die Eisdiele laufen jeweils für ein Jahr. Wie die Immobilie anschließend genutzt werden soll, lässt der Investor bewusst offen. Festgelegt sei er nicht.
Noch stärker wird die Verbindung zwischen Geschichte, privater Initiative und Stadtbild bei einem weiteren Objekt sichtbar. Alexandra und Michael Mans haben das Haus Zum Roten Ochsen in der Mittelstraße 13 bis 17 saniert. Das Gebäude war 1906 an einer stadtbildprägenden Blickachse als Wohn- und Geschäftshaus errichtet worden. Die Eigentümer legten besonderen Wert darauf, das historische Erscheinungsbild wiederherzustellen. Für die Sanierung erhielten sie den dritten Platz des Hessischen Denkmalschutzpreises in der Kategorie Privates Bauen. Im Erdgeschoss befindet sich heute das Gastronomiebetrieb Tondas, das von Antonin und Paula Krejbich betrieben wird.
Für Hans-Dieter Alt sind solche Projekte ein wichtiger Teil der Antwort auf die Frage, wie eine Innenstadt ihre Lebendigkeit bewahren kann. „In der Entwicklung von Immobilien steckt viel Herzblut“, sagte er. Zugleich wollte Alt die Begehung ausdrücklich nicht als Rundgang verstanden wissen, bei dem sich Politik und Stadt gegenseitig für Erreichtes loben. Vielmehr müsse die Frage gestellt werden, ob Fulda tatsächlich auf dem richtigen Weg sei und wie sich auch künftig Frequenz in die Innenstadt bringen lasse.
Dabei prallen unterschiedliche Interessen aufeinander. Bürger und Anwohner haben Vorstellungen davon, wo Autos stehen sollen, welche Straßen geöffnet oder geschlossen werden sollten und wie sich Verkehr und Aufenthaltsqualität miteinander verbinden lassen. Die Positionen liegen dabei teilweise weit auseinander. Ähnlich verhält es sich bei den kulturellen Angeboten. Genussfestival, Domplatzkonzerte oder Musical Sommer würden von vielen Besuchern inzwischen als selbstverständlich wahrgenommen. Selbstverständlich sind sie jedoch keineswegs. Sie benötigen städtische Unterstützung und damit auch politische Entscheidungen über Geld, Flächen und Prioritäten.
Alt sieht darin keinen Grund, sich zurückzulehnen. Vielmehr gehe es darum, bestehende Angebote weiterzuentwickeln und gleichzeitig privates Engagement zu unterstützen. Genau dieses Zusammenspiel wurde bei der Begehung an mehreren Stellen sichtbar: Die Stadt investiert in öffentliche Räume, während Eigentümer Immobilien sanieren und Unternehmer neue gastronomische Konzepte ausprobieren.
Im ehemaligen Fuldaer Traditionskaufhaus Kerber wird diese Entwicklung besonders deutlich. Das Gebäude in der Lindenstraße 12 und Rabanusstraße 19 gehört inzwischen der Stadt und trägt als Konzeptkaufhaus den Namen KARL, der an seinen ursprünglichen Besitzer erinnert. Neben Pop-up-Stores gibt es dort mit „Karlchen auf dem Dach“ eine Außengastronomie auf der Dachfläche. Während des Weihnachtsmarktes soll die Fläche erneut zu einer Kunsteis-Schlittschuhbahn umgewandelt werden.
Seit wenigen Wochen ist im Erdgeschoss außerdem das Bistrorant „Gaston im Karl“ zu finden. Das Konzept richtet sich insbesondere an ein jüngeres Publikum und wird bereits gut angenommen. Betreiber ist der Fuldaer Gastronom und Unternehmer Felix Wessling, der auch „heimat. Fulda“ am Buttermarkt sowie die „Alte Schule Fulda“ am Jesuitenplatz betreibt. Unterstützung erhält er von Andreas Rau, der vor allem vom Fuldaer Haus an der Poppenhausener Kunstmeile bekannt ist und zugleich Vorsitzender der Wirtevereinigung Rhöner Charme ist. Betriebsleiter Fabian und Mitarbeiterin Lena gehören ebenfalls zum Team. Lena verwöhnt die Gäste insbesondere morgens mit frischen Croissants.
Rau erklärte, Fulda habe er schon immer als attraktive Stadt wahrgenommen. Besonders junge Menschen, die für eine Berufsausbildung oder zum Studium nach Fulda kommen, seien eine wichtige Zielgruppe. Das Konzept des Gaston soll deshalb mehr sein als eine weitere gastronomische Nutzung. „Uns ist natürlich daran gelegen, die Immobilie gastronomisch zu beleben, um Leerstand zu vermeiden. Viele Städte haben leider nicht das Glück. Mit unserem Konzept, ‚Soulfood‘, aber auch leichte Fisch- oder Fleischgerichte anzubieten, wollen wir Fulda ein bisschen Großstadtflair einhauchen“, sagte Rau.
Gerade die Außengastronomie hat sich bereits als wichtiger Bestandteil erwiesen. An warmen Tagen suchen Menschen Orte, an denen sie draußen sitzen und Zeit verbringen können. Im Gaston ist dieser Raum vorhanden und wird nach Angaben der Betreiber gut angenommen. Die Idee, Rau in das Projekt einzubinden, ging ursprünglich von Wessling aus, der gleichzeitig die Dachterrasse „Karlchen auf dem Dach“ betreibt.
Noch befindet sich das Gaston in der Anfangsphase. Wessling hofft, dass die Gäste dem Konzept auch dann treu bleiben, wenn die Temperaturen sinken und der Herbst näher rückt. Dann soll sich das gastronomische Leben stärker in den Innenbereich verlagern. Die Speisekarte reicht von kleinen Snacks wie Schinken-Käse-Croissants über gegrillte Sandwiches bis zu leichten Gerichten auf Hummusbasis. Ein selbstgebackenes Sauerteigbrot gehört ebenfalls zum Angebot.
Damit in den ehemaligen Kaufhausetagen dauerhaft Leben entsteht, arbeitet die Stadtentwicklungsgesellschaft als Tochter der Stadt Fulda an neuen Nutzungskonzepten. Ihr Team versucht, unterschiedliche Ideen zusammenzuführen und funktionierende Modelle für die Immobilien zu entwickeln. Das Konzeptkaufhaus KARL steht damit beispielhaft für einen Wandel, bei dem nicht mehr allein die klassische Handelsnutzung im Mittelpunkt steht.
Am Ende der sechsten Stadtteilbegehung blieb deshalb ein Bild zurück, das deutlich über die einzelnen Projekte hinausweist. Fulda kann den strukturellen Wandel des Einzelhandels nicht aufhalten. Die Stadt kann aber entscheiden, wie sie damit umgeht. Historische Gartenanlagen werden rekonstruiert, öffentliche Räume aufgewertet, Immobilien von privaten Eigentümern saniert und ehemalige Handelsflächen neuen Nutzungen zugeführt. Kultur wird dabei nicht nur als schmückendes Beiwerk verstanden, sondern als Teil einer Strategie, Menschen in die Innenstadt zu holen und dort zum Verweilen zu bewegen.
Ob diese Rechnung langfristig aufgeht, wird sich nicht allein an Besucherzahlen einzelner Veranstaltungen oder an der Zahl neu eröffneter Gastronomiebetriebe zeigen. Entscheidend wird sein, ob aus den vielen einzelnen Bausteinen tatsächlich ein dauerhaft tragfähiges innerstädtisches Leben entsteht. Der Rundgang der CDU-Stadtverordnetenfraktion machte zumindest sichtbar, dass Fulda an mehreren Stellen gleichzeitig ansetzt. Öffentliche Investitionen und private Initiativen greifen ineinander. Wo früher ein Kaufhaus stand, entsteht Gastronomie. Wo eine Immobilie an Bedeutung verloren hatte, wird nach neuem Potenzial gesucht. Wo ein historischer Garten verschwunden war, ist seine Struktur zurückgekehrt.
Für Fulda ist das keine Garantie gegen den Trading-Down-Effekt. Es ist aber ein Versuch, ihm nicht tatenlos zuzusehen. Und vielleicht liegt genau darin die eigentliche Botschaft dieses Rundgangs: Eine lebendige Innenstadt entsteht nicht allein durch Handel. Sie entsteht dort, wo Menschen Gründe finden, zu kommen, zu bleiben und wiederzukommen.
Für die CDU-Stadtverordnetenfraktion war die sechste Begehung zugleich der Abschluss der diesjährigen Reihe. Weitergehen soll es bereits am 21. August. Dann lädt die Fraktion ab 18 Uhr zu ihrem traditionellen Spätsommerfest mit gemeinsamem Gottesdienst in der Klosterkirche auf dem Fuldaer Frauenberg ein. +++ red.






















