Bildung eröffnet Chancen – und verlangt zugleich die Bereitschaft, Verantwortung für den eigenen Lebensweg zu übernehmen. Diese Botschaft zog sich wie ein roter Faden durch die feierliche Verabschiedung der Absolventinnen und Absolventen der Fachoberschule mit der Fachrichtung Gesundheit an der Eduard-Stieler-Schule. Insgesamt 45 Schülerinnen und Schüler erhielten ihre Allgemeine Fachhochschulreife. Inhaltlich stand die Feier unter einem Zitat des früheren südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela: „Bildung ist die mächtigste Waffe, die du verwenden kannst, um die Welt zu verändern.“
Den Auftakt gestaltete Pfarrerin Christine Surkau mit einem religiösen Impuls. Im Mittelpunkt ihrer Betrachtung standen unterschiedliche Schuhe als Symbol für die verschiedenen Lebensphasen und Herausforderungen eines Menschen. Ob High Heels, Hausschuhe oder Sandalen – jeder Schuhtyp erfülle eine eigene Funktion und begleite Menschen durch unterschiedliche Situationen. Auch Gott könne, so Surkau, ähnlich wie ein gutes Paar Schuhe dabei helfen, sicher durchs Leben zu gehen.
Schulleiterin Isabel Herbert griff in ihrer Ansprache ein bekanntes Motiv aus Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“ auf. Die Raupe Absolom stelle Alice immer wieder dieselbe Frage: „Wer bist du?“ Gerade weil diese Frage so einfach klinge, gehöre ihre Beantwortung zu den größten Herausforderungen des Lebens. Alice erkenne schließlich, dass niemand außer ihr selbst entscheiden könne, wer sie sein wolle und welchen Weg sie einschlagen werde. Mit den Worten „Es ist mein Traum. Ich entscheide, was als Nächstes passiert“ übernehme sie Verantwortung für ihr eigenes Leben. Herbert übertrug diese Botschaft auf die Absolventinnen und Absolventen und ermutigte sie, ihren weiteren Weg selbstbewusst zu gestalten, weiter zu lernen, zu wachsen und Verantwortung zu übernehmen.
Wie tragfähig die Allgemeine Fachhochschulreife als Fundament für den weiteren Lebensweg sein kann, zeigte die Festrede von Emily Ulrich. Die ehemalige Absolventin der Fachoberschule Gesundheit sprach offen über ihren eigenen Werdegang. Zu Beginn ihrer Schulzeit an der Eduard-Stieler-Schule seien ihr Feiern, Dates und Partynächte wichtiger gewesen als der Unterricht. Entsprechend hätten auch ihre Noten ausgesehen. Rückblickend sei sie jedoch dankbar, Lehrkräfte gehabt zu haben, die an sie geglaubt und ihr Potenzial erkannt hätten. Heute könne sie auf einen Bachelor of Science mit einer Eins vor dem Komma zurückblicken. Ihre persönliche Geschichte zeige, dass Umwege nicht zwangsläufig Niederlagen seien, sondern Erfahrungen, die notwendig sein könnten, um den eigenen Weg zu finden.
Vor der Zeugnisübergabe richtete Schülersprecherin Dina Halimi motivierende Worte an die Absolventinnen und Absolventen. Anschließend blickten Emily Wingenfeld und Sabrina Jörges als Vertreterinnen der beiden Klassen auf die gemeinsame Schulzeit zurück. Sie hoben die vielfältigen Möglichkeiten hervor, die sich mit dem Abschluss eröffneten, und machten ihren Mitschülerinnen und Mitschülern Mut für die Zukunft. „Wir können alles schaffen, wenn wir ein Ziel haben, für das es sich lohnt, den Weg dorthin zu gehen“, betonten sie.
Die Zeugnisse wurden anschließend von den Klassenlehrkräften Christin Schmelz und Karsten Barthel überreicht. Als Prüfungsbeste der einjährigen Fachoberschule wurde Sabrina Jörges ausgezeichnet, in der zweijährigen Fachoberschule erhielt Tamara Stumpf diese Ehrung. Bernhard Block überreichte den beiden im Namen des Fördervereins der Eduard-Stieler-Schule e. V. jeweils eine Urkunde sowie einen Gutschein.
Den Abschluss der Feier gestaltete Abteilungsleiterin Dr. Eva-Maria Gürke. Sie würdigte das Engagement, die Lernbereitschaft und die persönliche Entwicklung der Absolventinnen und Absolventen. Nicht immer sei alles reibungslos verlaufen, dennoch hätten die Schülerinnen und Schüler in den vergangenen ein bis zwei Jahren Herausforderungen angenommen, Rückschläge überwunden und Verantwortung für ihren eigenen Weg übernommen. Der erreichte Abschluss markiere deshalb weit mehr als das Ende einer Schulzeit. Er bilde den Grundstein für ein verantwortungsbewusstes Leben und werfe zugleich die entscheidende Frage auf: „Was kann ich zu einer gelingenden Gesellschaft beitragen?“
Mit dieser Perspektive erhielt die Abschlussfeier eine über den schulischen Erfolg hinausgehende Bedeutung. Bildung wurde nicht allein als Voraussetzung für Studium oder Beruf verstanden, sondern als Fundament für gesellschaftliche Verantwortung. Gerade in herausfordernden Zeiten, so Gürke, brauche die Welt Menschen mit Haltung und Empathie – Eigenschaften, die ebenso wichtig seien wie fachliche Qualifikationen. +++ red.
















