Edeka darf 178 Tegut-Märkte übernehmen – Kartellamt setzt Grenzen

Tegut

Der Lebensmittelhändler Edeka darf 178 Filialen der Supermarktkette Tegut übernehmen. Das teilte das Bundeskartellamt am Montag in Bonn mit. Damit ist der Weg für einen großen Teil der geplanten Übernahme frei. Edeka hatte ursprünglich den Erwerb von 202 der rund 300 Tegut-Märkte vorgesehen. Das Bundeskartellamt hatte das Vorhaben seit März geprüft und wegen möglicher Wettbewerbsprobleme in einzelnen Regionen Bedenken gegen die vollständige Übernahme geäußert, heißt es auf fuldainfo.de.

Edeka verpflichtet sich deshalb, 24 der ursprünglich vorgesehenen 202 Standorte für vier Jahre nicht zu erwerben. Das gilt für die gesamte Edeka-Gruppe einschließlich ihrer Regionalgesellschaften und selbstständigen Einzelhändler. Auch Miet- und Anschlussmietverträge für die betreffenden Standorte dürfen in diesem Zeitraum nicht abgeschlossen werden. Wer die 24 Märkte künftig betreiben wird, ist nach der Entscheidung des Kartellamts zunächst offen.

Nach Angaben der Wettbewerbshüter waren insbesondere die Marktanteile von Edeka in einzelnen Regionen ausschlaggebend für die Einschränkung. Das Bundeskartellamt befürchtete, dass durch die Übernahme der Wettbewerb in bestimmten Gebieten beeinträchtigt werden könnte. Mit dem Verzicht auf die 24 Standorte seien die wettbewerblichen Bedenken nach Einschätzung der Behörde ausgeräumt beziehungsweise auf ein kartellrechtlich hinzunehmendes Maß reduziert worden. Kartellamtspräsident Andreas Mundt erklärte, damit solle verhindert werden, dass sich die Übernahme in den betroffenen Regionen zulasten der Verbraucher auswirke.

Zu dem von Edeka genehmigten Übernahmepaket gehören neben den 178 Lebensmittelmärkten weitere Unternehmensteile von Tegut. Dazu zählen das Tegut-Logistikzentrum in Michelsrombach, die Bäckerei Herzberger sowie die 41 personallosen „Teo“-Minimärkte. Die übernommenen Filialen sollen schrittweise in den genossenschaftlichen Edeka-Verbund integriert werden. Ein Teil der Märkte soll künftig von Netto Marken-Discount betrieben werden.

Hinter dem Verkauf steht die Schweizer Genossenschaft Migros. Sie hatte im März angekündigt, Tegut und damit ihr Geschäft im deutschen Lebensmitteleinzelhandel verkaufen zu wollen. Mit der Entscheidung des Bundeskartellamts ist nun für den Großteil der Tegut-Filialen geklärt, dass sie an Edeka gehen können. Für die 24 vom Erwerb ausgeschlossenen Standorte muss dagegen nach anderen Lösungen gesucht werden.

Besonders betroffen ist dabei auch die Region Osthessen. In Hessen darf Edeka zunächst neun Tegut-Märkte nicht übernehmen. Dazu gehören neben Hünfeld und Neuhof im Landkreis Fulda drei Filialen in Kassel sowie Märkte in Kirchhain, Korbach, Alsfeld und Riedstadt. Damit befindet sich mehr als ein Drittel der bundesweit 24 betroffenen Standorte in Hessen.

Für die Tegut-Märkte in Hünfeld und Neuhof ist damit zunächst offen, wie es weitergeht. Das Bundeskartellamt schreibt keinen bestimmten neuen Betreiber vor. Durch die vierjährige Sperre für Edeka sollen die betreffenden Standorte auch für andere Handelsunternehmen zur Verfügung stehen.

Die Übernahme war nach Angaben des Bundeskartellamts Gegenstand einer intensiven Prüfung. Ein erstes Zusagenangebot von Edeka vom 20. Juli wurde von der Behörde noch als nicht ausreichend bewertet. Ein erweitertes Angebot vom 14. September wurde dagegen als geeignet angesehen, die bestehenden wettbewerblichen Bedenken auszuräumen. Bereits im Juni hatte das Bundeskartellamt zudem die Übernahme von 36 überwiegend kleineren Tegut-Standorten durch die Mini-Supermarkt-Kette Tante Enso genehmigt.

Auch andere Handelsunternehmen interessieren sich für Tegut-Märkte. Rewe will nach bisherigen Angaben bis zu 40 weitere Filialen übernehmen. Über diesen Antrag hat das Bundeskartellamt noch nicht entschieden. Für die übrigen Tegut-Standorte ist ebenfalls noch nicht abschließend geklärt, wie es weitergeht.

Mit der Entscheidung des Bundeskartellamts erhält Edeka nun die Möglichkeit, 178 Tegut-Märkte sowie die weiteren genehmigten Unternehmensteile zu übernehmen. Gleichzeitig bleibt durch die Auflagen für 24 Standorte zunächst Raum für andere Betreiber. Die Marke Tegut soll nach dem Verkauf aus dem deutschen Lebensmitteleinzelhandel verschwinden. +++

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Banner 1 336 m

Werbung quali2

Ohr5euro
Enable Notifications OK No thanks