Dieter Kehl ist tot: Rhöner Gastronom und Mitbegründer von „Rhöner Charme“ hinterlässt bleibende Spuren

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Dieter Kehl ✞

Die Rhön hat eine ihrer prägenden Persönlichkeiten verloren. Dieter Kehl aus Lahrbach ist im Alter von 74 Jahren verstorben. Mit ihm verliert die Region einen Gastronomen, der weit mehr war als ein erfolgreicher Hotelier. Über Jahrzehnte setzte er sich mit Leidenschaft für die Rhöner Küche, den Tourismus und die Vermarktung seiner Heimat ein. Sein Name war eng mit dem Landhaus Kehl verbunden, sein Wirken reichte jedoch weit über die Grenzen des Familienbetriebs hinaus.

Gemeinsam mit seiner Familie entwickelte Kehl das Landhaus in Lahrbach zu einer weit über die Region hinaus geschätzten Adresse, die für Qualität, Regionalität und herzliche Gastfreundschaft stand. Gäste kamen nicht nur wegen der Küche, sondern auch wegen der besonderen Atmosphäre des Hauses. Für Kehl war Gastlichkeit nie bloß ein wirtschaftliches Konzept, sondern Ausdruck einer Haltung. Er war überzeugt, dass die Zukunft der Rhöner Gastronomie nicht im Konkurrenzdenken, sondern im Miteinander liegt.

Aus dieser Überzeugung heraus gehörte er Anfang der 1990er-Jahre zu den Mitbegründern der Initiative „Rhöner Charme“, deren Vorsitz er viele Jahre innehatte. Was mit wenigen engagierten Gastgebern begann, entwickelte sich zu einem Netzwerk aus Gastronomen, Hoteliers und regionalen Produzenten in Hessen, Bayern und Thüringen. Dieter Kehl trug maßgeblich dazu bei, die Rhön als Genussregion bekannt zu machen und heimische Produkte stärker in den Mittelpunkt zu rücken. Lange bevor Regionalität zum Trend wurde, setzte er auf kurze Wege, regionale Zutaten und die enge Zusammenarbeit mit Erzeugern aus der Heimat.

Wer Dieter Kehl begegnete, erlebte einen Menschen, der mit Beharrlichkeit, Ideenreichtum und der Fähigkeit überzeugte, Menschen zusammenzubringen. Viele Entwicklungen, die heute als selbstverständlich gelten, tragen seine Handschrift. Sein Blick war stets nach vorn gerichtet, ohne die Wurzeln der Region aus den Augen zu verlieren.

Auch den Familienbetrieb führte er mit Weitblick in die Zukunft. Durch Erweiterungen und Investitionen schuf er die Grundlage dafür, dass das Landhaus Kehl erfolgreich an die nächste Generation übergeben werden konnte. Sein Sohn Benjamin führt das Haus heute weiter und setzt die Philosophie fort, die sein Vater über Jahrzehnte geprägt hat.

Doch Dieter Kehl engagierte sich nicht nur für die Gastronomie. Er setzte sich für die Dorfgemeinschaft in Lahrbach ein, gehörte zu den Initiatoren des Tanner Wirtefestes und unterstützte zahlreiche Projekte in der Region. Für dieses langjährige ehrenamtliche Wirken wurde er unter anderem mit dem Hessischen Verdienstorden ausgezeichnet.

Vielen war Dieter Kehl auch als Vater des früheren Nationalspielers Sebastian Kehl bekannt. Für ihn selbst stand diese öffentliche Aufmerksamkeit jedoch nie im Vordergrund. Sein Lebenswerk entstand nicht in Stadien, sondern in Küchen, Gasträumen und bei unzähligen Gesprächen mit Menschen, die seine Leidenschaft für die Rhön teilten.

Mit Dieter Kehl verliert die Region einen Gastgeber, Unternehmer und Netzwerker, der die Entwicklung der Rhön über Jahrzehnte entscheidend mitgestaltet hat. Sein Einsatz für Regionalität, Qualität und Gastfreundschaft hat bleibende Spuren hinterlassen. Die Menschen in der Rhön verlieren einen engagierten Botschafter ihrer Heimat, dessen Ideen und Lebenswerk weit über seinen Tod hinaus Bestand haben werden. +++ me

Nachruf Landrat Bernd Woide

Dieter Kehl war eine unserer großen Unternehmerpersönlichkeiten. Er war weit mehr als ein Rhöner und mehr als ein Gastronom: Dieter Kehl ging mit seiner Offenheit und seinen Ideen Vielen und Vielem voran. Er war ein mutiger Gestalter mit Einfluss auf die gesamte Region und deren positive Entwicklung. Und er war innovativ: Schon Anfang der 1990er Jahre beteiligte er sich an der Gründung der „Rhöner Charme“-Initiative, die zur regionalen Marke wurde. Das vereint, was ihm, der 50 Jahre Gastronom war, am Herzen lag: bereit zu sein für Veränderung und gemeinsam zu handeln – mit Gastrokolleginnen und -kollegen und vor allem mit der Familie. Dieter Kehl war ein leidenschaftlicher Macher. Einer mit Wurzeln in der Tradition seiner Großeltern und Eltern, einer mit eigenen Ideen und mit dem Weitblick und Spaß daran, Neues für die vierte Generation, die „Jungen Wilden“, wie er sie nannte, auf den Weg zu bringen. Man kann so viel über ihn sagen, so facettenreich war Dieter Kehl: Er war gesellig, mit gutem Humor ausgestattet, ein Genießer, heimatverbunden, ein wunderbarer Koch und Gastgeber, ein Förderer, allenthalben beliebt und gern gesehen. Ich habe ihn für all das sehr geschätzt. Dass er so früh und plötzlich ging, macht tieftraurig. Die Region verliert mit ihm einen feinen und klugen Menschen. Seiner großen Familie gilt mein aufrichtiges Mitgefühl.

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