Mit einem umfangreichen Koalitionsvertrag haben CDU und SPD ihre politischen Schwerpunkte für die Jahre 2026 bis 2031 im Vogelsbergkreis festgelegt. Im Mittelpunkt stehen wirtschaftliche Entwicklung, Digitalisierung, Investitionen in Schulen und Infrastruktur sowie eine stärkere Ausrichtung auf Sicherheit, Gesundheit und soziale Stabilität. Gleichzeitig betonen beide Parteien den Anspruch, die Kreisfinanzen dauerhaft solide zu halten.
Eines der zentralen Ziele der neuen Koalition ist die Stärkung der regionalen Wirtschaft. Die Fachkräftesicherungsinitiative soll weiter ausgebaut werden. Dazu zählen unter anderem Ausbildungsbotschafter, Ausbildungsmessen und Tage der Ausbildung. Zudem planen CDU und SPD einen grundlegenden Relaunch des Standortmarketings mit neuer Marke, neuem Auftritt und klaren Schwerpunkten. Gemeinsam mit den Kommunen sollen zusätzliche Gewerbe- und Industrieflächen entwickelt werden – bei Bedarf auch interkommunal.
Im Bereich Digitalisierung sehen die Koalitionspartner einen Schwerpunkt der kommenden Jahre. Der kreisweite Lückenschluss beim Breitbandausbau soll vorangetrieben werden. Über die Breitbandgesellschaft Vogelsberg sollen Fördermittel genutzt werden, um die verbliebenen „weißen Flecken“ zu beseitigen. Parallel dazu soll die Kreisverwaltung digitaler werden. Ziel ist es, innerhalb von fünf Jahren möglichst alle Verfahren mit unmittelbarem Bürgerbezug digital anzubieten – von der Antragstellung bis zur Bearbeitung. Auch digitale Sitzungsformate für Kreisausschuss und Ältestenrat sind vorgesehen.
Breiten Raum nimmt im Koalitionsvertrag auch das Thema Schule ein. CDU und SPD setzen auf verlässliche Ganztagsbetreuung, Digitalisierung und starke Berufsschulen. Aus Mitteln des Sondervermögens sollen rund 25 Millionen Euro in mehrere große Schulbauprojekte fließen. Vorgesehen sind unter anderem der Abschluss der Sanierung der Oberwaldschule in Grebenhain, die Erweiterung der Dieffenbachschule in Schlitz, ein Neubau an der Cornelia-Funke-Schule in Brauerschwend, der Neubau des Gebäudes 3 der Vogelsbergschule Lauterbach mit Kfz-Werkstatt sowie ein erster Bauabschnitt für den Neubau der Gesamtschule Mücke.
Die veränderte weltpolitische Sicherheitslage spiegelt sich ebenfalls im Vertrag wider. Für den Bereich Gefahrenabwehr sollen 2,2 Millionen Euro aus dem Sondervermögen in ein Wechselladerkonzept investiert werden. Der Bedarfs- und Entwicklungsplan soll bis 2027 fertiggestellt werden. Zudem sollen zivile Verteidigung und Bevölkerungsschutz innerhalb der Verwaltung personell gestärkt werden.
Im sozialen Bereich kündigen CDU und SPD an, Beratungs- und Unterstützungsangebote auszubauen. Der bestehende Pflegestützpunkt soll zu einem Pflegekompetenzzentrum weiterentwickelt werden. Für Empfänger von Bürgergeld- und Asylleistungen sollen gemeinsam mit Städten, Gemeinden und sozialen Trägern gemeinnützige Arbeitsgelegenheiten geschaffen werden. Um mehr bezahlbaren Wohnraum zu ermöglichen, wollen die Koalitionspartner Genehmigungsverfahren vereinfachen und beschleunigen sowie rechtliche Möglichkeiten insbesondere im Denkmalschutz stärker im Sinne von Bauherren nutzen.
Ein weiteres zentrales Thema bleibt die Gesundheitsversorgung im Vogelsbergkreis. Das bestehende Medizinstipendium soll auf weitere Facharztgruppen und Hebammenausbildungen ausgeweitet werden. Die Rettungsdienst- und Notfallstrukturen sollen durch zusätzliche Wachen in Ober-Seibertenrod und Storndorf gestärkt werden. Mit dem Neubau des Kreiskrankenhauses in Alsfeld sowie Kooperationen mit Kliniken in Lauterbach und Schotten soll die stationäre Versorgung langfristig gesichert werden. Darüber hinaus soll die Vogelsberger Akademie für Gesundheitsberufe gestärkt werden, um ambulante und stationäre Pflege zu unterstützen.
Auch die Jugendpolitik erhält einen festen Platz im Koalitionsvertrag. Die sozialraumorientierte Jugendhilfe soll konsequent weitergeführt werden. Das ehemalige Kreisjugendheim in Landenhausen soll nach dem Umbau zu einer modernen Freizeit- und Begegnungsstätte entwickelt werden. Zudem soll das Kreisjugendparlament im zuständigen Fachausschuss ein Rederecht zu jugendrelevanten Themen erhalten.
Im Bereich Mobilität setzen CDU und SPD auf Investitionen in Straßen, Schiene und neue Verkehrsangebote. Die Koalition spricht sich ausdrücklich für die Realisierung wichtiger Verkehrsprojekte wie der Ortsumgehung Lauterbach-Wartenberg (B 254n) aus. Gleichzeitig sollen Kreisstraßen weiter saniert werden. Gemeinsam mit vgo, RMV und Deutscher Bahn wollen die Koalitionspartner den öffentlichen Nahverkehr verbessern – unter anderem durch den Ausbau der Vogelsbergbahn, die Optimierung bestehender Angebote und neue flexible Mobilitätslösungen.
Deutlich aufgestockt werden soll die Sportförderung. Für die Jahre 2027 bis 2031 wollen CDU und SPD zusätzlich eine Million Euro bereitstellen. Die Förderung investiver Maßnahmen soll von bisher 50.000 auf künftig 250.000 Euro jährlich steigen. Auch weitere Kunstrasenplätze sollen über diese Programme unterstützt werden.
Bei den Finanzen bekennt sich die Koalition zu einem dauerhaft ausgeglichenen Haushalt. Neue Ausgaben sollen nur beschlossen werden, wenn eine solide und dauerhafte Finanzierung gewährleistet ist. Die Nettoneuverschuldung soll jährlich nicht über eine Million Euro steigen. Freiwillige Leistungen werden auf 2,1 Millionen Euro festgelegt und jährlich um drei Prozent dynamisiert.
Zugleich formulieren CDU und SPD den Anspruch auf eine moderne und serviceorientierte Verwaltung. Digitalisierung, Bürokratieabbau und bessere Abläufe sollen die Effizienz steigern. Im Laufe der Wahlperiode soll deshalb eine grundlegende Organisationsuntersuchung der Verwaltung erfolgen.
Auch personelle Entscheidungen wurden bereits festgelegt. Gemeinsame Kandidatin für den Vorsitz des Kreistags soll Dr. Birgit Richtberg werden. Der Kreisausschuss soll von bisher 16 auf künftig 10 ehrenamtliche Mitglieder verkleinert werden. Innerhalb des Kreisausschusses erhält die CDU den Beauftragten für Senioren und Inklusion, die SPD übernimmt den Bereich Gleichstellung und Integration. +++ me
















