BUND kritisiert Bilgers Pläne gegen Niedrigwasser als unzureichend

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat die Pläne von Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) zum Umgang mit dem historischen Niedrigwasser scharf kritisiert. Aus Sicht des Umweltverbandes greifen die von der Bundesregierung vorgesehenen Maßnahmen zu kurz und verkennen die Ursachen der aktuellen Situation an Deutschlands Flüssen.

„Die Maßnahmen, die der Bundesverkehrsminister präsentiert, zeigen: Die Regierung hat nicht verstanden, dass niedrige Flusspegel ein Symptom der Klimakrise sind“, sagte BUND-Vorsitzender Olaf Bandt der „Rheinischen Post“. Weder eine Ausbaggerung von Flussbetten noch eine Verlagerung von Transporten auf die Straße könnten das grundsätzliche Problem lösen, sagte Bandt.

Gerade der Blick auf die vergangenen Jahrzehnte zeige nach Ansicht des BUND, welche Folgen Eingriffe in die Flusslandschaften haben können. Der Ausbau der Flüsse habe deren ökologischen Zustand maßgeblich verschlechtert. Intakte Flusslandschaften seien dagegen ein wichtiger Baustein für den Wasserrückhalt in der Landschaft. Sie könnten dazu beitragen, die Folgen von Niedrigwasser abzumildern.

Für Bandt stellt sich damit auch die Frage nach dem Verhältnis zwischen der Binnenschifffahrt und den natürlichen Bedingungen der Flüsse. Die Schifffahrt müsse sich an die Flüsse anpassen, nicht die Flüsse an die Anforderungen der Schiffe, sagte der BUND-Vorsitzende. Eine Anpassung der Wasserwege an immer größere oder tiefere Schiffe könne aus seiner Sicht keine dauerhafte Antwort auf die zunehmenden Niedrigwasserprobleme sein.

Auch eine Verlagerung der Transporte auf die Straße sieht der Umweltverband kritisch. Den Schiffstransport nun durch Hunderte oder Tausende Lkw-Fahrten zu ersetzen, belaste sowohl die Menschen als auch das Klima, warnte Bandt. Stattdessen müsse die Verkehrsinfrastruktur so aufgestellt werden, dass alternative Transportwege bei Engpässen der Binnenschifffahrt tatsächlich zur Verfügung stehen.

Eine zentrale Rolle misst der BUND dabei der Schiene bei. Der Verkehrsminister müsse dafür sorgen, dass die Schieneninfrastruktur künftig in der Lage sei, Engpässe der Binnenschifffahrt besser aufzufangen, forderte Bandt. Damit könne vermieden werden, dass ausgerechnet in Phasen niedriger Wasserstände große Mengen an Gütern kurzfristig auf die Straße verlagert werden müssten.

Hinter der aktuellen Entwicklung sieht der BUND einen Zusammenhang mit der fortschreitenden Erderhitzung. In bestimmten Regionen treten Dürren und Niedrigwasser demnach häufiger und heftiger auf. Gleichzeitig verändert der Klimawandel die Verteilung der Niederschläge. Regen fällt seltener, kann dann aber in größeren Mengen auftreten. Zwischen langen trockenen Phasen und einzelnen Starkregenereignissen entsteht damit ein zunehmender Gegensatz, der auch für Flüsse und ihre Wassermengen Folgen hat.

Um die weitere Zunahme extremer Wetterereignisse zu begrenzen, müsse nach Ansicht des Umweltverbandes die Verbrennung fossiler Energieträger beendet werden. Kohle, Öl und Gas bringen zusätzliche Treibhausgase in die Atmosphäre und tragen damit zur weiteren Erwärmung des Klimas bei. Die Debatte über das Niedrigwasser ist für den BUND deshalb nicht allein eine Frage der Verkehrspolitik, sondern auch eine Auseinandersetzung über den Umgang mit den Folgen des Klimawandels. +++ red.

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