Zwischen Hühnergegacker und dem tiefen Muhen der Kühe ist in Sargenzell ein Ort entstanden, der für viele Kinder schnell zu etwas ganz Besonderem geworden ist. Mit einer Feierstunde und einem Tag der offenen Tür wurde die neue Bauernhofgruppe auf dem Anwesen von Sarah und Andreas Kruse offiziell eingeweiht. Zahlreiche Gäste aus Politik, Kirche und dem Umfeld der Kindertagesstätte kamen zusammen, um ein Projekt zu würdigen, das in der Region als außergewöhnlich gilt.
Schon während der Feier wurde deutlich, worum es hier geht: Kinder sollen Natur nicht erklärt bekommen, sondern sie unmittelbar erleben. Sie sollen Tiere versorgen, Gemüse wachsen sehen und begreifen, wie eng Verantwortung, Wertschätzung und Alltag miteinander verbunden sind. Bürgermeister Benjamin Tschesnok sprach von einem Paradies für Kinder. In den Gesprächen mit der Leiterin der Kindertagesstätte Buchfinkenland, Pia Biedenbach, mit Familie Kruse und den Vertretern des Trägervereins habe er gespürt, wie viel Herzblut in das Projekt geflossen sei. Für Kinder sei ein Bauernhof immer etwas Besonderes, sagte Tschesnok. Hier könnten sie Natur unmittelbar erfahren.
Mit einem Augenzwinkern erinnerte der Bürgermeister zudem daran, dass sich die neue Kita-Gruppe genau dort befindet, wo der Hünfelder Amtsbock herkomme. Es wäre doch schön, sagte er, wenn die Kinder der Bauernhofgruppe künftig beim Amtsbockbier-Anstich zum Gaalbernfest als Paten dabei wären.
Sein Dank galt auch den städtischen Gremien, die das Vorhaben von Beginn an unterstützt hatten. Die Stadt Hünfeld stellte 130.000 Euro für das Projekt zur Verfügung. Für Tschesnok ist das Geld gut angelegt: Es sei die beste Investition, die eine Stadt tätigen könne, weil sie der Zukunft gelte. Für die Kinder hatte er außerdem einen Tret-Bulldog als Geschenk mitgebracht.
Pia Biedenbach beschrieb die besondere Atmosphäre auf dem Hof sehr persönlich. Wenn sie dort ankomme, werde ihr oft strahlend ein frisch gelegtes Ei entgegengehalten, das gerade erst aus dem Nest geholt worden sei. Für die Kinder sei dieser Ort ein Traum. Sie würdigte die Begeisterung von Sarah und Andreas Kruse ebenso wie die Unterstützung durch den Trägerverein und die Stadt Hünfeld. Auch die schnelle Umsetzung des Projekts, die Arbeit der beteiligten Handwerksbetriebe, das Engagement der Eltern sowie der persönliche Einsatz von Andreas und Thomas Kruse und Florian Petter seien entscheidend gewesen.
Für die Leiterin der Kita ist die Bauernhofgruppe weit mehr als ein zusätzlicher Betreuungsort. Die Kinder erlebten Natur dort als etwas Lebendiges und Schutzwürdiges und lernten Verantwortung für Menschen, Tiere und Pflanzen. Gleichzeitig werde mit dem Projekt auch ein Zeichen für die Landwirtschaft gesetzt, die mehr Anerkennung verdiene und in die Mitte der Gesellschaft gehöre. Mit diesem Lernort Bauernhof, sagte Biedenbach, schicke man fröhliche, mutige, neugierige und kreative Kinder auf ihre Reise ins Leben.
Auch Frederik Schmitt erinnerte an die Anfänge der Idee. Sarah Kruse habe im Anerkennungsjahr einmal scherzhaft gesagt, man könne doch eine Bauernhofgruppe gründen. Gerade aus solchen Gedanken entstünden manchmal große Projekte, sagte der Vize-Landrat und überreichte den Kindern ein Bobbycar als „Dienstfahrzeug“.
Weitere Grußworte kamen von Arthur Hahn vom Trägerverein Kindertagesstätte Buchfinkenland e.V., vom Landtagsabgeordneten Thomas Hering sowie von Inken Quaas, der Vorsitzenden des Fördervereins Buchfinken e.V., die ein Geldgeschenk mitgebracht hatte. Pfarrer Stefan Remmert und Pfarrer Michael Müller spendeten der Bauernhofgruppe den kirchlichen Segen.
Bereits im Dezember vergangenen Jahres waren die ersten Kinder in die Bauernhofgruppe eingezogen. Auf dem Außengelände steht eine 50 Quadratmeter große Schutzhütte. Neben Hühnern gehören auch Mutterkühe und Kälber zum Hof der Familie Kruse, die ihren Betrieb biologisch bewirtschaftet. In einem eigenen Gemüsebeet pflanzen die Kinder Gemüse an und erleben über die Jahreszeiten hinweg, wie sich die Natur verändert.
Den größten Teil ihres Kindergartenalltags verbringen die Kinder draußen bei den Tieren und auf dem Gelände. Die Bauernhofgruppe umfasst insgesamt 20 Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren, betreut werden sie täglich von 7.30 bis 13.30 Uhr. +++ red.


















