AfD zieht davon – und die Union findet keine Antwort

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Die Zahlen wirken inzwischen weniger wie eine Momentaufnahme als wie die Beschreibung eines politischen Kräfteverhältnisses, das sich verfestigt. Die AfD erreicht im aktuellen Forsa-Trend mit 28 Prozent einen neuen Höchstwert und baut ihren Vorsprung vor der Union weiter aus. Während CDU und CSU bei 22 Prozent verharren, verliert das bürgerliche Lager nicht nur an Zustimmung, sondern zunehmend auch an Autorität, heißt es auf fuldainfo.de. Dass die AfD inzwischen selbst bei der Frage nach politischer Kompetenz vor der Union liegt, markiert dabei eine Verschiebung, die noch vor wenigen Jahren kaum vorstellbar schien.

Besonders bemerkenswert ist nicht allein der Abstand zwischen beiden Parteien, sondern die Richtung der Entwicklung. Die AfD gewinnt weiter hinzu, obwohl ihre politische Strategie seit Monaten kaum variiert. Sie profitiert weniger aus eigener programmatischer Dynamik als aus einer tiefen Entfremdung vieler Wähler vom politischen Betrieb insgesamt. Mehr als die Hälfte der Befragten traut inzwischen keiner Partei mehr zu, die Probleme des Landes am besten lösen zu können. In dieser Zahl liegt womöglich die eigentliche Botschaft der Erhebung. Die Stärke der AfD speist sich nicht allein aus Zustimmung, sondern aus dem Vertrauensverlust gegenüber den etablierten Parteien.

Für die Union ist das Ergebnis deshalb besonders problematisch, weil es nicht mehr nur um kurzfristige Schwankungen geht. Die Partei verliert ihre traditionelle Rolle als politische Auffanglinie für Unzufriedene aus der Mitte. Dass Friedrich Merz als Bundeskanzler lediglich auf 14 Prozent Zufriedenheit kommt und selbst unter den eigenen Anhängern inzwischen eine Mehrheit unzufrieden mit seiner Arbeit ist, verweist auf ein grundlegenderes Problem der politischen Führung. Die Erwartung, ein Regierungswechsel werde automatisch zu größerer Stabilität und klarerer Orientierung führen, hat sich bislang nicht erfüllt.

Zugleich zeigt die Umfrage, wie stark sich das Parteiensystem weiter fragmentiert. SPD und Grüne bleiben deutlich hinter früheren Ansprüchen zurück, die FDP verharrt unterhalb der parlamentarischen Relevanzschwelle, das BSW stabilisiert sich leicht, ohne daraus bislang eine erkennbare Dynamik zu entwickeln. Die Linke hält sich mit 11 Prozent bemerkenswert konstant, bleibt aber politisch isoliert. Keine der Parteien scheint derzeit in der Lage, jene politische Erzählung zu formulieren, die über das eigene Milieu hinaus trägt.

Die AfD wiederum profitiert davon, dass viele Debatten inzwischen weniger entlang konkreter Sachfragen geführt werden als entlang eines allgemeinen Eindrucks politischer Erschöpfung. Der Partei gelingt es, sich als Gegenentwurf zu einem System zu inszenieren, dem immer mehr Bürger Distanz entgegenbringen. Dass dies auch dann funktioniert, wenn ihr konkrete Problemlösungskompetenz nur von einer Minderheit zugesprochen wird, zeigt die veränderte Logik politischer Zustimmung: Nicht Vertrauen in Konzepte entscheidet, sondern Misstrauen gegenüber den anderen.

Noch ist offen, ob sich daraus eine dauerhafte Verschiebung der politischen Statik entwickelt oder ob die hohen Werte der AfD Ausdruck einer zugespitzten Übergangsphase bleiben. Doch die Zahlen legen nahe, dass sich die Krise der politischen Mitte nicht mehr mit taktischen Korrekturen oder personellen Debatten erklären lässt. Sie reicht tiefer – und sie trifft Parteien, die lange davon ausgingen, ihre Rolle im politischen Gefüge sei letztlich unangreifbar. +++ red.

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