Die Zahl der Menschen mit Tabakabhängigkeit steigt in Hessen weiter an – trotz jahrzehntelanger Aufklärung über die gesundheitlichen Folgen des Rauchens. Nach aktuellen Auswertungen der KKH Kaufmännische Krankenkasse zum Weltnichtrauchertag am 31. Mai wurden im Jahr 2024 hochgerechnet rund 399.800 Menschen in Hessen wegen Tabakabhängigkeit, Entzugserscheinungen, eines akuten Tabakrauschs oder anderer psychischer Probleme im Zusammenhang mit Tabakkonsum medizinisch behandelt. Das entspricht 64 Betroffenen pro 1.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Gegenüber 2014 ist das ein Anstieg von gut 24 Prozent. Damals lag die Zahl noch bei 51 Fällen pro 1.000 Einwohnern.
Im bundesweiten Vergleich fällt Hessen damit dennoch weniger stark auf als viele andere Länder. Der Bundesdurchschnitt liegt inzwischen bei 74 Fällen pro 1.000 Einwohnern, die Zunahme seit 2014 beträgt deutschlandweit 43 Prozent. Besonders hoch ist die Zahl der medizinisch behandelten Starkraucher in Berlin und Sachsen-Anhalt. Dort wurden 2024 jeweils 93 beziehungsweise 92 Betroffene pro 1.000 Einwohner registriert. Die niedrigsten Werte weisen Hessen und Baden-Württemberg auf. Beide Länder kommen auf 64 Fälle pro 1.000 Einwohner. Während Sachsen-Anhalt innerhalb von zehn Jahren einen Anstieg um gut 87 Prozent verzeichnete, fiel das Plus in Hamburg mit gut 23 Prozent am geringsten aus.
Rauchen gilt weiterhin als der größte vermeidbare Risikofaktor für Lungenkrebs. Die Wahrscheinlichkeit, an einem Lungentumor zu erkranken, ist bei Rauchern um ein Vielfaches höher als bei Nichtrauchern. Verantwortlich dafür sind zahlreiche Stoffe im Zigarettenrauch, die als krebserregend gelten oder im Verdacht stehen, Krebs auszulösen. Wie hoch das Risiko ausfällt, hängt vor allem von der Dauer des Rauchens und der konsumierten Menge ab, aber auch davon, wie tief inhaliert wird und wie häufig zur Zigarette gegriffen wird. Selbst Passivrauchen kann das Krebsrisiko erhöhen.
Vor diesem Hintergrund greifen viele Menschen inzwischen zu E-Zigaretten. Doch auch das sogenannte Dampfen gilt nach Einschätzung von Fachleuten nicht als unbedenkliche Alternative. „Die Tatsache, dass der Dampf von E-Zigaretten weniger Schadstoffe enthält als Tabakrauch, bedeutet nicht, dass das Vapen unbedenklich ist“, sagt Justin Onyechi, Experte für Suchtfragen im Präventionsteam der KKH. Zwar fehlen bislang belastbare Langzeitstudien, um das Krebsrisiko durch jahrelangen Konsum von E-Zigaretten abschließend bewerten zu können. Dennoch rät die Krankenkasse vom Gebrauch ab. Auch im Dampf von E-Zigaretten seien bereits schädliche und potenziell krebserregende Stoffe nachgewiesen worden.
Für die Gesundheit gilt der vollständige Rauchstopp weiterhin als wirksamster Schutz. „Nichtraucher werden – das ist der sicherste Weg, das Risiko für Lungenkrebs zu verringern“, sagt Onyechi. Das betreffe nicht nur Lungenkrebs, sondern auch andere Krebsarten wie Mundhöhlen-, Kehlkopf-, Luftröhren- und Bauchspeicheldrüsenkrebs sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Entscheidend sei dabei, den Tabakkonsum vollständig zu beenden und nicht nur einzuschränken.
Positive Veränderungen zeigen sich laut KKH bereits kurz nach dem Rauchstopp. Schon wenige Tage nach der letzten Zigarette verbessert sich die Funktion der Atemwege. Bereits nach einer Woche sinkt der Blutdruck. Etwa zwei Jahre später nähert sich das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen dem eines Nichtrauchers an. Auch das Risiko für viele Krebsarten gehe innerhalb einiger Jahre deutlich zurück. Nach Einschätzung des Sucht-Experten lohnt sich der Verzicht auf Zigaretten in jedem Lebensalter. Selbst Menschen, die erst nach dem 60. Lebensjahr mit dem Rauchen aufhören, könnten ihr Risiko für Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen innerhalb weniger Jahre erheblich senken. +++ red.












