Die katholische Caritas im Bistum Fulda verändert ihre Seelsorge. Nicht, weil der Bedarf geringer geworden wäre, sondern weil sich die Strukturen kirchlichen Lebens verändern. Während die klassische Seelsorge in den Pfarrgemeinden einem Wandel unterliegt, versucht der Wohlfahrtsverband, seelsorgliche Begleitung stärker dort zu verankern, wo Menschen arbeiten, Hilfe suchen und betreut werden.
Auf einer Seelsorgekonferenz hat der Leitungskreis der Caritas im Bistum Fulda deshalb auf die Entwicklung der vergangenen Jahre zurückgeblickt und zugleich die nächsten Schritte beraten. Das seelsorgliche Angebot richtet sich an Mitarbeitende, Ehrenamtliche und die von der Caritas betreuten Menschen. Seit einigen Jahren werden hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu Begleiterinnen und Begleitern ausgebildet. Sie können anschließend in den Einrichtungen und Diensten Gespräche führen, Gottesdienste gestalten oder geistliche Impulse anbieten.
Diözesan-Caritasdirektor Dr. Markus Juch sieht darin inzwischen ein etabliertes Angebot. „Wir haben vor einigen Jahren damit begonnen, das Seelsorge-Angebot im Verband auf breitere Füße zu stellen. Klassische Seelsorgearbeit in den Pfarrgemeinden wandelt sich, deshalb qualifizieren wir als Caritas zusätzliche Begleiterinnen und Begleiter, um ein breites Angebot schaffen zu können. Inzwischen ist dieses Angebot fest etabliert und gut angenommen. Nun wollen wir in die Zukunft schauen“, sagte Juch zum Auftakt der Konferenz.
Damit geht es um mehr als um die Organisation zusätzlicher Gesprächsangebote. Seelsorge wird innerhalb der Caritas als Bestandteil des eigenen Selbstverständnisses verstanden. Aufsichtsratsvorsitzender Prälat Christof Steinert ging in einem Impuls darauf ein, welche Bedeutung die Seelsorge für die verbandliche Caritas hat. Dabei verwies er insbesondere auf das Leitbild, die Grundordnung des kirchlichen Dienstes und die entsprechende Konzeption. Die seelsorgliche Begleitung von Mitarbeitenden, Ehrenamtlichen und den betreuten Menschen sei ein fester Bestandteil der Aufgaben eines katholischen Wohlfahrtsverbandes.
Dass aus dem Konzept inzwischen eine gewachsene Struktur geworden ist, zeigt sich auch an der Ausbildung. Seelsorgebeauftragter Diakon Franz J. Meyer sprach von einem „guten Weg“. Im ersten Kurs wurden elf Begleitungen ausgebildet. Im Jahr 2027 sollen weitere 16 seelsorgliche Begleitungen ihre dreijährige Ausbildung abschließen.
Die Arbeit selbst ist breit angelegt. Sie reicht von Exerzitien und Oasentagen über Einzel- und Teamgespräche zu seelsorglichen Fragestellungen bis hin zu Gottesdiensten zu verschiedenen Anlässen im Jahreskreis. Hinzu kommen Vorträge, Workshops und weitere Veranstaltungen. Entscheidend ist dabei der Anspruch, die Menschen nicht losgelöst von ihrem Alltag zu begleiten. Die Unterstützung soll sich an der jeweiligen persönlichen Situation ebenso orientieren wie an der praktischen Arbeit vor Ort und am Kontakt zu den betreuten Menschen und deren Angehörigen.
Gerade darin liegt die besondere Herausforderung einer Seelsorge innerhalb eines Wohlfahrtsverbandes. Sie muss religiöse Begleitung ermöglichen und zugleich die Lebenswirklichkeit von Menschen berücksichtigen, die mit sehr unterschiedlichen persönlichen Erfahrungen, Erwartungen und Fragen in die Einrichtungen und Dienste kommen. Für die Caritas ist diese Verbindung Teil ihres katholischen Profils.
Auf der Konferenz berieten Juch, Steinert und Meyer gemeinsam mit dem Leitungskreis über die nächsten Schritte und die Fortführung der seelsorglichen Ausbildungskurse. Das bestehende Angebot soll in den kommenden Jahren fachlich fundiert weiterentwickelt und mit Blick auf zusätzliche Bedarfe ausgebaut werden.
Für die Caritas ist damit eine Entwicklung verbunden, die auf den Wandel kirchlicher Strukturen reagiert, ohne den Anspruch seelsorglicher Begleitung aufzugeben. Sie versucht vielmehr, diesen Anspruch in neue Formen zu übersetzen und dort präsent zu sein, wo Menschen ihren beruflichen Alltag verbringen, Unterstützung erhalten oder sich ehrenamtlich engagieren.
„Gemeinsam sind wir auf einem guten Weg, die Seelsorge im Verband auch zukünftig auf ein gesundes Fundament zu stellen“, sagte Juch. Die eigentliche Aufgabe der kommenden Jahre wird darin liegen, dieses Fundament so weiterzuentwickeln, dass Seelsorge nicht nur organisatorisch verankert bleibt, sondern auch dort ankommt, wo sie gebraucht wird. +++













