„Schlecht für den Einzelnen, schlecht für die Gesellschaft“ – Ulrich Wickert fordert strengere Regeln für soziale Medien

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Es ist eine Wortmeldung, die aus einer anderen Medienzeit zu kommen scheint – und gerade deshalb mit besonderer Wucht in die Gegenwart trifft. Ulrich Wickert, jahrzehntelang eines der prägenden Gesichter der Fernsehnachrichten, stellt die digitale Kommunikationskultur grundsätzlich infrage – und fordert klare Grenzen für soziale Netzwerke.

Seine Diagnose fällt eindeutig aus: Eine völlig unkontrollierte Nutzung von Social Media schade nicht nur dem Einzelnen, sondern auch der Gesellschaft insgesamt. Es ist eine Kritik, die weniger auf einzelne Plattformen zielt als auf das System dahinter – auf eine Öffentlichkeit, die sich immer schneller, immer ungefilterter organisiert.

Für sich selbst hat Wickert längst Konsequenzen gezogen. Weder auf Instagram noch auf Facebook oder Tiktok ist er vertreten, und er sagt das ohne jede Spur von Verzicht. Im Gegenteil: Er vermisst nichts. Seine Mediennutzung folgt einem anderen Rhythmus, einem ruhigeren vielleicht. Informationen holt er sich gezielt, etwa über Mediatheken, zeitunabhängig und kontrolliert. Das Smartphone bleibt beim Abendessen außen vor – buchstäblich, wenn er es neben die Weinflasche legt, während die Nachrichten laufen oder später abgerufen werden.

Seine Kritik beschränkt sich jedoch nicht auf die großen Linien der digitalen Öffentlichkeit. Sie wird konkret im Alltag, dort, wo sich gesellschaftliche Entwicklungen oft am deutlichsten zeigen. Wickert beschreibt Szenen aus Restaurants, in denen Eltern ihren kleinen Kindern Tablets vorsetzen, um sie ruhigzustellen. Für ihn ist das mehr als eine beiläufige Beobachtung – es ist ein Zeichen für eine Verschiebung im Umgang mit Aufmerksamkeit, Erziehung und Nähe.

Auch im eigenen Familienleben zieht er klare Grenzen. Seine 14-jährigen Kinder haben nur eingeschränkten Zugang zu sozialen Netzwerken. Es ist ein bewusst gesetzter Kontrapunkt zu einer Welt, in der digitale Präsenz oft als selbstverständlich gilt.

Wickerts Forderung nach Regulierung fügt sich damit in eine größere Debatte ein: Wie viel Kontrolle braucht eine digitale Öffentlichkeit, die sich längst zur zentralen Arena gesellschaftlicher Auseinandersetzung entwickelt hat? Seine Antwort ist eindeutig – und sie kommt mit der Autorität eines Journalisten, der die Macht der Medien kennt, lange bevor sie in der Hosentasche permanent verfügbar wurde. +++ red.

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