Hofbieber investiert in das, was eine Gemeinschaft trägt

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Fördermittel für das Freibad Bieberstein (von links): Erster Kreisbeigeordneter Frederik Schmitt, Bürgermeister Markus Röder und Bademeister Markus Röder.

Es sind oft keine großen Schlagzeilen, die erzählen, wie eine Region zusammenhält. Kein spektakuläres Prestigeprojekt, kein millionenschwerer Industrieansiedlungsvertrag und keine gläserne Zukunftsvision auf Hochglanzpapier. Stattdessen sind es Orte wie eine Kindertagesstätte, ein Freibad oder ein Fußballplatz, an denen sich zeigt, ob eine Kommune lebendig bleibt. In Hofbieber wurde genau darüber gesprochen, als Erster Kreisbeigeordneter Frederik Schmitt gleich drei Förderbescheide überbrachte – und damit fast 1,1 Millionen Euro für Projekte in Hofbieber, Schwarzbach und Elters.

Die größte Summe fließt dorthin, wo Zukunft im wörtlichen Sinne heranwächst: nach Schwarzbach. 1.050.000 Euro aus dem Kreisausgleichsstock erhält die Gemeinde Hofbieber für den Neubau einer Kindertagesstätte. Noch in diesem Jahr sollen die Arbeiten beginnen. Für Bürgermeister Markus Röder ist das weit mehr als ein gewöhnliches Bauprojekt. Die bisherige Kita war längst in die Jahre gekommen, die Entscheidung für einen Neubau fiel bereits 2019. Doch zwischen dem politischen Beschluss und dem ersten Bagger lagen Jahre der Suche nach einem geeigneten Standort, Gespräche, Verhandlungen und Geduld.

Dass nun auf dem Gelände der ehemaligen VR-Bank-Niederlassung und angrenzenden privaten Flächen eine moderne, dreigruppige Kita entstehen kann, wirkt beinahe wie eine kleine kommunale Erfolgsgeschichte. Rund 5.000 Quadratmeter stehen künftig zur Verfügung. Röder sprach bei der Übergabe der Fördermittel auch von Erleichterung – und von Dankbarkeit. Denn ohne Unterstützung des Landkreises wäre ein solches Vorhaben für viele Kommunen kaum noch zu stemmen.

Gerade darin liegt die eigentliche politische Botschaft dieses Tages. Während vielerorts über die Grenzen kommunaler Handlungsfähigkeit geklagt wird, zeigt sich hier ein anderer Gedanke: Infrastruktur auf dem Land darf kein Luxus werden. Frederik Schmitt erinnerte daran, dass im Landkreis Fulda in den vergangenen fünf Jahren mehr als 700 neue Kindertagesplätze entstanden seien – unterstützt durch Mittel aus dem Kreisausgleichsstock. Eine Zahl, die nüchtern klingt, hinter der sich aber eine enorme gesellschaftliche Kraft verbirgt. Denn überall dort, wo Betreuungsplätze fehlen, geraten Familien unter Druck, werden Dörfer unattraktiver und verlieren Regionen schleichend ihre Zukunftsfähigkeit.

Doch Hofbieber denkt nicht nur an die Jüngsten. Auch das Freibad Bieberstein erhielt Unterstützung. 25.181 Euro stellt der Landkreis für den Erhalt des Bades zur Verfügung. Es ist eine Summe, die auf den ersten Blick bescheiden erscheinen mag, deren Bedeutung aber weit über Zahlen hinausgeht. Denn Freibäder sind längst mehr als Orte der Abkühlung an heißen Sommertagen. Sie sind Treffpunkte, Erinnerungsorte und soziale Räume. Gerade im ländlichen Raum ersetzen sie oft das, was andernorts selbstverständlich erscheint: öffentliche Orte, an denen sich Generationen begegnen.

Frederik Schmitt würdigte insbesondere den Förderverein des Freibads Bieberstein. Mit Herzblut, Liebe zum Detail und wirtschaftlicher Vernunft werde dort gearbeitet, sagte er – und beschrieb damit jenes ehrenamtliche Engagement, ohne das viele Einrichtungen längst verschwunden wären. Bürgermeister Markus Röder erinnerte daran, dass das Schwimmbad keineswegs nur von Menschen aus Hofbieber genutzt werde. Eine frühere Erhebung habe gezeigt, dass lediglich ein Viertel der Gäste aus der eigenen Gemeinde stammt, während die Hälfte Besucherinnen und Besucher aus anderen Kommunen des Landkreises seien. Das Freibad ist damit nicht nur Freizeitangebot, sondern regionaler Begegnungsort und touristischer Faktor zugleich.

Vielleicht liegt gerade darin eine stille Wahrheit kommunaler Politik: Viele Einrichtungen lassen sich betriebswirtschaftlich kaum rechtfertigen – gesellschaftlich dagegen umso mehr. Wer Schwimmbäder, Sportplätze oder Vereinsheime nur als Kostenfaktor betrachtet, übersieht ihren eigentlichen Wert. Sie stiften Zugehörigkeit.

Das wurde auch im Ortsteil Elters deutlich. Dort erhielt die SG Schwarz-Weiß Elters einen Zuschuss von 24.304 Euro. Gemeinsam mit Schwarzbach und Eckweisbach bildet der Verein eine Spielgemeinschaft. Der A-Platz muss saniert werden, ebenso stehen Arbeiten an der Schiedsrichterkabine, am Sportlerheim und an der Außentreppe an. Insgesamt kostet das Vorhaben rund 130.000 Euro – eine Summe, die ein Verein allein kaum schultern kann.

Und doch wäre es falsch, diese Unterstützung lediglich als Förderung eines Fußballplatzes zu verstehen. Vereine, das sagte Frederik Schmitt bei der Übergabe, seien jene Orte, die Menschen zusammenführen und gesellschaftlichen Zusammenhalt schaffen. Gerade auf dem Land stimmt dieser Satz bis heute. Hier entstehen Freundschaften, hier wachsen Kinder und Jugendliche hinein in Gemeinschaft, Verantwortung und Ehrenamt. Der Fußballplatz ist dabei oft nur die sichtbare Oberfläche eines viel größeren sozialen Gefüges.

Markus Röder verwies deshalb auf den Gesamtzusammenhang dieser Förderungen. Unterstützt würden Kinder und Familien ebenso wie Ehrenamt, Gesundheit, Tourismus, Breitensport und das gesellschaftliche Miteinander. Es sind Worte, die leicht nach Sonntagsrede klingen könnten. In Hofbieber aber bekommen sie an diesem Tag ein konkretes Gesicht.

Denn am Ende geht es bei diesen knapp 1,1 Millionen Euro nicht allein um Beton, Zuschüsse oder Haushaltszahlen. Es geht um die Frage, wie ländliche Räume lebendig bleiben. Und vielleicht auch darum, ob Politik noch dort ankommt, wo Menschen ihren Alltag leben. +++

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