Die Deutsche Bahn kündigt eine besonders günstige Urlaubsfamilienflatrate für die Sommerferien an. Zum Pauschalpreis von 99,99 Euro soll eine ganze Familie mit Fernverkehrszügen hin und zurück verreisen können, die Sitzplatzreservierung ist in dem Preis inklusive. Das berichtet der "Stern". Angesichts der schweren Energiekrise startet die Bahn das Angebot speziell für diesen Krisensommer. Damit reagiere die Bahn auf die hohen Sprit- und Kerosinpreise.
Bahnchefin Evelyn Palla sagte dem "Stern": "Jeder soll in Deutschland weiterhin die Möglichkeit haben, in den Urlaub zu fahren - gerade für die Kinder darf der Sommerurlaub nicht ins Wasser fallen." Das neue Angebot der Bahn gilt für maximal fünf Personen, ist ab Mitte Juni buchbar und gilt in ganz Deutschland bis zum Ende der bayerischen Schulferien Mitte September. Die Flatrate ergänzt weitere Angebote der Bahn, die helfen sollen, die Teuerung für die Konsumenten in Deutschland abzumildern. "In der Krise ist die Bahn ein Stabilitätsanker", sagte Palla. So habe die DB "ganz bewusst entschieden", die Ticketpreise in den kommenden zwölf Monaten nicht anzuheben. "Das gibt Planungssicherheit für viele Menschen", sagte die Bahnchefin. Außerdem bietet die DB seit dem 9. Mai Last-Minute-Tickets ab 6,99 Euro an, mit denen sie Restplätze in ihren Fernverkehrszügen verkauft.
Mit dieser Offensive wirbt die Bahn bei ihren Fahrgästen aber auch um Geduld. Denn auch mit der neuen Bahnchefin werde das Bahnfahren erst mal nicht zuverlässiger. Derzeit liegt die Pünktlichkeit im Fernverkehr bei unter 60 Prozent, weit weg von Spitzenwerten von 2020, wo acht von zehn ICEs pünktlich ankamen. "Es gibt nicht den einen Hebel, den ich umlegen kann, und prompt werden wir wieder pünktlicher und alles funktioniert reibungslos", sagte Palla. Seit fünf Jahren sinke die Pünktlichkeit im Fernverkehr Jahr für Jahr. "Diese Talfahrt müssen wir stoppen. Erst danach wird es wieder besser werden. Das ist ein Teil der neuen Ehrlichkeit."
DB-Chefin Palla stellt Randgeschäfte auf den Prüfstand
Auch will Bahnchefin Palla sich von unrentablen Beteiligungen der Deutschen Bahn trennen, wenn diese nicht zum Kerngeschäft gehören. "Kerngeschäft, das ist das richtige Triggerwort. Wir konzentrieren uns noch fokussierter auf das Eisenbahnfahren", sagte Palla dem "Stern" weiter. Randgeschäfte wie Angebote für die sogenannte erste und letzte Meile werde die Deutsche Bahn "künftig nur noch machen, wenn wir damit auch Geld verdienen". Damit kommen auch Bahn-Angebote wie die Vermietung von Leihrädern (Call-a-bike) oder Leihautos (Flinkster) auf den Prüfstand. Mit welchem Geschäft die Bahn Geld verdient und mit welchem nicht, ließ Palla offen. Sie machte aber klar: "Wo heute Minus ist, muss demnächst ein Plus stehen."
Der DB-Konzern listet in seiner Bilanz über 500 Beteiligungen auf, etliche davon im Ausland. Bereits im vergangenen Jahr verkaufte die Bahn ihre äußerst profitable Logistiktochter DB Schenker, die Warentransporte überwiegend per Lkw organisierte. Zudem hat sich der Staatskonzern von Arriva getrennt, einem internationalen Personenunternehmen, das in Großbritannien, Italien oder den Niederlanden Bus oder Regionalverkehr organisierte. Die Abkoppelung erfolgte aufgrund strategischer Überlegungen, aber auch weil durch die Verkaufserlöse die hohe Schuldenlast der DB reduziert werden konnte. Entschieden ist bereits, dass die DB sich von großen Schienenprojekten im Ausland, etwa in Indien und in Uruguay, trennt. Diese werden derzeit von der Tochtergesellschaft DB E.C.O. Group betreut. "Das ist ein Geschäft, von dem wir uns mittelfristig trennen werden", sagte Palla dem "Stern". +++













