Bosch verteidigt harten Sparkurs: Aufsichtsratschef sieht Stellenabbau als Folge verfehlter Marktprognosen

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Bei Bosch wird nicht mehr beschönigt. Fast 28.000 Stellen stehen zur Disposition, Werke geraten unter Druck, ganze Geschäftsbereiche kämpfen mit wegbrechenden Märkten. Doch aus Sicht des Aufsichtsratsvorsitzenden Stefan Asenkerschbaumer ist der tiefgreifende Umbau des Konzerns kein Zeichen strategischen Scheiterns, sondern Ausdruck unternehmerischer Realität in einer Industrie, deren Zukunft sich schneller verändert hat als ihre Prognosen.

Im Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ verteidigte Asenkerschbaumer die milliardenschweren Investitionen des Unternehmens in Elektromobilität, Software und automatisiertes Fahren ausdrücklich. Dass sich viele Erwartungen bislang nicht erfüllt hätten, sei kein Beweis für Fehlentscheidungen. Wer heute behaupte, alle Entwicklungen über Jahrzehnte hinweg sicher vorhersehen zu können, verkenne die Wirklichkeit industrieller Planung. Unternehmertum bedeute immer auch Unsicherheit. Untätigkeit sei jedenfalls keine Alternative gewesen.

Der Druck auf Bosch ist erheblich. Neben der Schwäche des internationalen Automarktes trifft den Konzern vor allem der rapide Bedeutungsverlust des Diesels. Gleichzeitig bleiben die Stückzahlen bei Elektrofahrzeugen hinter früheren Erwartungen zurück. Hinzu kommen Probleme in anderen Sparten, etwa bei Elektrowerkzeugen und der Tochter Bosch-Siemens-Hausgeräte. Allein die Sparprogramme der vergangenen beiden Jahre kosteten das Unternehmen nach eigenen Angaben 4,5 Milliarden Euro.

Besonders einschneidend sind die Folgen für deutsche Standorte der Autosparte. Dass ausgerechnet Deutschland im Zentrum der Restrukturierung steht, weist Asenkerschbaumer dennoch nicht als politische oder nationale Schieflage zurück, sondern als wirtschaftliche Konsequenz. Für Bosch müsse jedes Werk unabhängig vom Standort wettbewerbsfähig sein. Es sei gefährlich, Defizite im Inland dauerhaft mit Erträgen aus anderen Regionen auszugleichen. Ein Konzern könne langfristig nur bestehen, wenn alle Standorte profitabel arbeiteten.

Deutlich wandte sich der Aufsichtsratschef auch gegen den Vorwurf von Gewerkschaften und Arbeitnehmervertretern, Bosch entferne sich in der Krise von seinen eigenen Werten. Gerade das Gegenteil sei der Fall. Asenkerschbaumer berief sich ausdrücklich auf Unternehmensgründer Robert Bosch, für den das langfristige Überleben des Unternehmens stets Vorrang gehabt habe. Dieses Ziel habe Opfer verlangt, sei aber Voraussetzung dafür gewesen, alles andere zu sichern. Fairness und Offenheit gehörten weiterhin zum Selbstverständnis des Konzerns, ebenso allerdings Konsequenz im Umgang mit Krisen.

Auffällig scharf fiel seine Kritik an der politischen Handlungsfähigkeit in Deutschland aus. Es fehle nicht nur an Einigkeit über Lösungen, sondern oft schon an einer gemeinsamen Diagnose der Probleme. Ohne diese Grundlage lasse sich kein gesellschaftlicher Konsens für notwendige Strukturreformen herstellen. Abwarten oder Klagen seien jedoch keine Option, sagte Asenkerschbaumer. Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand müssten aktiv verteidigt werden. Die Wirtschaft dürfe sich dabei nicht aus dem Dialog zurückziehen, auch wenn sie dieselben Warnungen immer wieder wiederholen müsse.

Gleichzeitig entließ er die Unternehmen nicht aus ihrer eigenen Verantwortung. Wer Märkte falsch einschätze, könne dies nicht allein der Politik anlasten. Die zentrale Herausforderung bestehe darin, Entwicklungen weder zu verschlafen noch zu früh Milliarden in Technologien zu investieren, deren Durchbruch unsicher bleibe. Gerade darin liege die eigentliche Kunst unternehmerischer Entscheidungen: eine unsichere Zukunft mit möglichst flexiblen Konzepten abzubilden. Dass politische Zusagen, etwa beim Ausbau der Elektromobilität, nicht im erwarteten Umfang eingelöst worden seien, ändere daran nichts. Verantwortung lasse sich am Ende nicht delegieren. +++ red.

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