Der frühere Oberkommandierende der US-Landstreitkräfte in Europa, Generalleutnant a.D. Frederick Benjamin „Ben“ Hodges, ist im US-Camp der Gedenkstätte Point Alpha mit dem Point-Alpha-Preis 2026 ausgezeichnet worden. An dem einstigen Brennpunkt des Kalten Krieges zwischen Rasdorf in Hessen und Geisa in Thüringen nahm der 68-Jährige die Ehrung vor mehr als 300 Ehrengästen und Bürgern entgegen. Gewürdigt wurden sein Einsatz für die Deutsche Einheit, die europäische Einigung in Frieden und Freiheit sowie sein langjähriges Engagement für die deutsch-amerikanische Freundschaft mit besonderem Bezug zum ehemaligen Beobachtungsstützpunkt „Observation Post Alpha“. Die Auszeichnung wurde zum 16. Mal gemeinsam vom Kuratorium Deutsche Einheit e.V. und der Point Alpha Stiftung vergeben. Der Präsident des Kuratoriums und Parlamentarische Staatssekretär, Christian Hirte MdB, überreichte die Stele und die Urkunde im festlichen Rahmen zusammen mit Dr. Stefan Heck, dem Vorsitzenden des Stiftungsrates der Point Alpha Stiftung.
Die Europaabgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann hob in ihrer Laudatio hervor, dass sich Hodges kompromisslos für eine europäische Friedensordnung einsetze. Dies geschehe in einer Phase, in der sich das Weiße Haus unter Präsident Trump schrittweise von Europa entferne und den Aggressor Wladimir Putin nicht in seine Schranken weise, sondern indirekt unterstütze. Die Auszeichnung stehe für klare politische sowie sicherheitspolitische Regeln, für Menschenrechte und das Recht auf Selbstbestimmung. Seit der ersten Verleihung im Jahr 2005, als Bundeskanzler Helmut Kohl, Michail Gorbatschow und George Bush senior gemeinsam geehrt wurden, habe sich die weltpolitische Lage grundlegend gewandelt. Eine solche Konstellation wäre mit den heutigen Akteuren Putin, Trump und Merz unvorstellbar, betonte Strack-Zimmermann. Hodges ist der zweite US-Bürger, der den Point-Alpha-Preis erhält. Er gelte als verlässlicher Pfeiler der transatlantischen Partnerschaft und scheue auch die deutliche Kritik an der eigenen Regierung nicht.
In ihrer Rede ging Strack-Zimmermann auf Ursachen und Folgen militärischer Strategien sowie das zögerliche Handeln europäischer Regierungen ein. Der russische Überfall auf die Ukraine stelle einen Angriff auf die freie westliche Welt und deren Werteordnung dar. Dass Russland von Staaten wie China, Nordkorea und dem Iran unterstützt werde, sei kein Zufall. Hodges habe diese Gefahren frühzeitig erkannt, davor gewarnt und Versäumnisse unmissverständlich benannt. Er habe als militärischer Anführer Haltung bewiesen, seine Soldaten stets im Blick behalten und keinen Zweifel daran gelassen, dass Europa im Bündnis Seite an Seite verteidigt werden müsse. Angesichts der gesellschaftlichen Risiken brauche es Verbündete und Persönlichkeiten, die klare Orientierung böten.
Ben Hodges nahm die Auszeichnung stellvertretend für die rund 15 Millionen US-Soldaten entgegen, die seit 1945 in Deutschland gedient haben. Er zeigte sich aufgeräumt und verwies schmunzelnd auf das Ergebnis der US-Zwischenwahlen, das die Widerstandskraft der amerikanischen Verfassung unter Beweis gestellt habe. Die Bürger hätten gezeigt, dass die Vereinigten Staaten weiterhin eine funktionierende Demokratie und ein Rechtsstaat seien. Dies könne den Partnern wieder Vertrauen in die amerikanischen Institutionen geben. Zugleich mahnte Hodges, dass sich Europa nicht in Sicherheit wiegen dürfe, sondern schnellstmöglich lernen müsse, eigenständig aufzutreten.
Frieden lasse sich nach den Worten des ehemaligen Generals nur durch glaubhafte Abschreckung sichern, da ein potentieller Angreifer wissen müsse, dass ein militärischer Vorstoß verheerende Konsequenzen hätte. Dieses Prinzip habe während des Kalten Krieges über vier Jahrzehnte hinweg gegriffen, was Hodges anhand der Situationen der US-Kavallerie an vorderster Front auf Point Alpha veranschaulichte. Deutschland sprach er eine Führungsrolle bei der Verteidigung der Freiheit und der Unterstützung der Ukraine zu. Die transatlantische Allianz müsse ihre Hilfe so lange fortsetzen, bis die Ukraine ihre Souveränität vollständig wiedererlangt habe und Russland die Grenzen seiner Nachbarn respektiere. Konkret regte Hodges an, die russische Schattenflotte festzusetzen, eingefrorene russische Vermögenswerte direkt an die Ukraine weiterzuleiten und Einreisevisa für russische Staatsbürger in demokratische Staaten auszusetzen.
Christian Hirte betonte in seiner Ansprache, dass Freiheit aktiv verteidigt werden müsse, wenn Selbstbestimmung gewahrt bleiben solle. Die eigentliche Bewährungsprobe einer Gesellschaft liege nicht allein in der Abwehr äußerer Angriffe mit Waffen oder digitaler Sabotage sowie innerer Repression. Entscheidend sei vielmehr, was eine Gesellschaft ertrage, durchsetze oder verhindere. Hirte erinnerte an den Mut der Bürger während der Friedlichen Revolution in der DDR und im gesamten Ostblock, die die Diktatur überwunden hätten. Um den gegenwärtigen Herausforderungen zu begegnen, gelte es, die Energie des Protests in eine zukunftsorientierte Gestaltungskraft zu überführen und stabile demokratische Strukturen auf politischer und ökonomischer Ebene zu festigen.
Dr. Stefan Heck erinnerte daran, dass das deutsch-amerikanische Verhältnis maßgeblich durch den täglichen Dienst junger Soldaten an Gefahrenpunkten wie Point Alpha geprägt worden sei, die Generationen ein Aufwachsen in Frieden ermöglichten. Wache halten, beobachten, melden und bei jeder Witterung einsatzbereit sein – dieser Auftrag habe gezeigt, dass Freiheit von Menschen bewahrt werde, die persönliche Verantwortung übernähmen. Heute sei es auch die Aufgabe der deutschen Gesellschaft, zu beweisen, dass diese Freiheit in verlässlichen Händen liege. Zu Beginn hatte Heck zahlreiche Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, der Bundeswehr, der Polizei sowie Partner und Veteranen der US Army begrüßt. Für die musikalische Gestaltung sorgte das Ensemble Barbarossa Winds unter der Leitung von Staff Sergeant Molly Fisher aus den Reihen des U.S. Army Europe and Africa Band and Chorus.
Auch die Vertreter der beteiligten Bundesländer würdigten die historische Bedeutung des Erinnerungsortes im früheren Fulda Gap und die transatlantischen Verbindungen. Der thüringische Staatssekretär für Medien und Europa, Stephan König, verwies auf den dichten Austausch zwischen beiden Ländern durch Städtepartnerschaften, universitäre und schulische Kooperationen sowie enge Wirtschafts- und Forschungsbeziehungen. Der hessische Minister für Kultus, Bildung und Chancen, Armin Schwarz, stellte die 80-jährige Geschichte der hessisch-amerikanischen Beziehungen heraus. Als außerschulischer Lernort halte Point Alpha das historische Bewusstsein wach und richte den Blick zugleich über Bildungsprogramme nach vorne in die heutigen Klassenzimmer.
Der Preisträger blickt auf eine lange militärische Laufbahn zurück. 1980 war Hodges erstmals als junger Leutnant in Westdeutschland stationiert. Es folgten Einsätze in Südkorea, im Irak und in Afghanistan sowie Verwendungen im NATO-Kommando in der Türkei, bevor er von 2014 bis 2017 als Drei-Sterne-General die US-Landstreitkräfte in Europa befehligte. Nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst engagiert er sich unter anderem im Netzwerk Atlantik-Brücke und bei der Organisation Human Rights First sowie in der sicherheitspolitischen Beratung. Hodges lebt mit seiner Ehefrau, der Historikerin Dr. Alexandra Schwarzkopf, in Frankfurt am Main und tritt regelmäßig als sicherheitspolitischer Kommentator zu Fragen rund um den Krieg in der Ukraine, die NATO, den Nahen Osten sowie die Ausrichtung der Bundeswehr auf.
Die Auszeichnung an der hessisch-thüringischen Landesgrenze erinnert an die strategische Lage des früheren Brennpunkts im Fulda Gap und verbindet die historische Rückschau mit der Perspektive für kommende Generationen. Sie soll Vorbilder aufzeigen, die dazu anregen, sich für demokratische Grundwerte einzusetzen und die Friedensordnung in Deutschland, Europa und darüber hinaus aktiv zu sichern. +++










