Bau-Turbo und neues Baurecht: Rund 125 Gäste diskutieren in Morles mit Sebastian Müller und Andreas Kapelle

Rund 125 interessierte Bürgerinnen und Bürger sind der Einladung der CDU Nüsttal zu einer Informations- und Diskussionsveranstaltung unter dem Titel „Bau-Turbo“ auf das Gelände des Bauunternehmens Fladung GmbH in Morles gefolgt. Der CDU-Gemeindeverbandsvorsitzende Manuel Gollbach eröffnete den Abend, bei dem die aktuellen Reformen des hessischen Baurechts, die daraus resultierenden Möglichkeiten für Bauherren und Betriebe sowie die konkreten Entwicklungschancen für die Gemeinde Nüsttal im Mittelpunkt standen. Für den landespolitischen Fachvortrag zeichnete der Landtagsabgeordnete Sebastian Müller verantwortlich, während Bürgermeisterkandidat Andreas Kapelle die kommunale Perspektive beisteuerte und den Dialog mit der Bürgerschaft mitgestaltete.

Sebastian Müller, der sich als Mitglied des Landtagsausschusses für Wirtschaft, Energie, Wohnen, Verkehr und ländlichen Raum schwerpunktmäßig mit der Weiterentwicklung des Baurechts befasst, stellte die wesentlichen gesetzlichen Neuregelungen vor. Den Auftakt bildete das Baupaket I des Landes Hessen, dessen Änderungen der Hessischen Bauordnung bereits seit dem 14. Oktober 2025 in Kraft sind. Ziel dieser Novelle ist es, Bauvorhaben unkomplizierter, schneller und kostengünstiger umzusetzen. Zu den konkreten Maßnahmen zählen erweiterte Spielräume beim Bauen im unbeplanten Innenbereich, spürbare Erleichterungen beim Ausbau von Dachgeschossen, bei Aufbauten und Gebäudeaufstockungen sowie die Reduzierung der Abstandsflächen von drei auf 2,50 Meter. Zudem wurden die Verlängerung der Geltungsdauer von Baugenehmigungen von drei auf fünf Jahre und die Ausweitung genehmigungsfreier Vorhaben erläutert.

Darüber hinaus informierte Müller über das Baupaket II, das sich gegenwärtig in der parlamentarischen Beratung befindet. Vorgesehen sind darin unter anderem Erleichterungen für Gebäude in Holzbauweise bis zu einer Höhe von 13 Metern, das vorübergehende Aussetzen technischer Baubestimmungen sowie gestraffte Genehmigungsverfahren. Ergänzend ging der Abgeordnete auf das neue Hessische Denkmalschutzgesetz ein, das zum 1. Januar 2027 in Kraft treten wird. Es zielt auf zügigere Verfahren, den Abbau von behördlichen Doppelzuständigkeiten, eine stärkere Gewichtung wirtschaftlicher Aspekte sowie größere Entscheidungsspielräume vor Ort ab. Komplettiert wurde der Überblick durch den bundesweiten „Bau-Turbo“, der Sonderregelungen für die Schaffung von Wohnraum im Außenbereich und flexiblere Abweichungen von Bebauungsplänen ermöglicht.

Bürgermeisterkandidat Andreas Kapelle legte das Augenmerk auf die Bedeutung dieser Vorgaben für das alltägliche Baugeschehen in Nüsttal und betonte den Wert des direkten Austauschs mit den Bürgerinnen und Bürgern. Mit Blick auf seine berufliche Praxis in der Verwaltung unterstrich Kapelle, dass ihm die behördlichen Abläufe und Entscheidungsmechanismen vertraut seien. Eine funktionierende und partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Einwohnerschaft sei die Grundvoraussetzung, um rechtliche Spielräume zum Wohl der Gemeinde auszuschöpfen. Diese Erfahrung möchte er in die Arbeit vor Ort einbringen. Das große Interesse der rund 125 Teilnehmerinnen und Teilnehmer bot einen geeigneten Rahmen, um übergeordnete baurechtliche Regelungen praxisnah mit den lokalen Fragen der Gemeinde zu verknüpfen. +++

fuldainfo.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert