Hessen investiert 50 Millionen Euro zusätzlich in Bildung und schafft 680 neue Lehrerstellen

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Die hessische Landesregierung will trotz der schwierigen Finanzlage zusätzlich 50 Millionen Euro in die schulische Bildung investieren. Bis zum Ende der Legislaturperiode sollen mit dem neuen Bildungschancenpaket Kinder und Jugendliche gezielter unterstützt werden. Dafür werden 680 zusätzliche Lehrerstellen finanziert. Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) stellte das Paket am Montag in Wiesbaden gemeinsam mit Wirtschaftsminister und stellvertretendem Ministerpräsidenten Kaweh Mansoori (SPD) sowie Kultusminister Armin Schwarz (CDU) vor. Es steht unter dem Dreiklang „Erfolgreich lernen – unsere Welt verstehen – alle Kinder mitnehmen“ und reagiert nach Angaben der Landesregierung auf gesellschaftliche Veränderungen wie sinkende Lesekompetenzen, die Herausforderungen sozialer Medien und die rasante Entwicklung künstlicher Intelligenz.

Im Mittelpunkt stehen stärkere Basiskompetenzen, eine gezieltere individuelle Förderung, die Vorbereitung auf die digitale Welt und zusätzliche Unterstützung für Schulen mit besonderen Herausforderungen. Zugleich soll Leistungsbereitschaft stärker gewürdigt werden. Rhein verwies darauf, dass in diesem Jahr bereits die Rekordsumme von 6,2 Milliarden Euro in die schulische Bildung fließe. Das seien fast 400 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Mit dem zusätzlichen Bildungschancenpaket setze Hessen trotz der angespannten Haushaltslage einen weiteren Schwerpunkt. Es gehe um erstklassigen Unterricht, mehr individuelle Förderung und eine gute Bezahlung der Lehrerinnen und Lehrer. Aufstieg durch Bildung müsse für jedes Kind möglich sein. Das Paket sei eine Investition in die Zukunft der Kinder und des Landes.

Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident Kaweh Mansoori stellte die Frage der Bildungsgerechtigkeit in den Mittelpunkt. Gute Bildung sei das Fundament für eine gute Zukunft. Deshalb müsse jedes Kind unabhängig davon, wo es aufwachse und welche Voraussetzungen es mitbringe, die besten Chancen erhalten. Die Unterstützung müsse sich dabei am tatsächlichen Bedarf orientieren. Bildungsgerechtigkeit bedeute nicht, allen das Gleiche zu geben, sondern jedem Kind die Unterstützung zu ermöglichen, die für einen erfolgreichen Bildungsweg notwendig sei.

Kultusminister Armin Schwarz bezeichnete das Programm als „Kraftpaket“, das die bisherige Arbeit bei der Vermittlung von Schlüsselkompetenzen, digitalen Fähigkeiten und der Leistungsförderung ergänze. Bildung in Hessen solle nicht nur verlässlich funktionieren, sondern mit Mut und einem klaren Plan weiterentwickelt werden. Die Landesregierung orientiere sich dabei an Erkenntnissen der Bildungsforschung und aktueller Studien. Schwarz verwies zudem darauf, dass Hessen das Land mit den wenigsten Schulabbrechern sei.

Ein Schwerpunkt des Pakets liegt auf Deutsch, Lesen und Mathematik. Ab dem Schuljahr 2028/2029 soll es in der ersten Klasse eine zusätzliche Deutschstunde geben. Damit kommen die Schülerinnen und Schüler im ersten Schuljahr auf sieben Deutschstunden pro Woche. In den dritten und vierten Klassen ist künftig täglich rund eine halbe Stunde verbindliche Lesezeit vorgesehen. In Mathematik sollen Lernrückstände ebenfalls früher erkannt werden. In den ersten beiden Klassen sind sogenannte Mitlaufkurse geplant, ab der fünften und sechsten Klasse Basiskurse. Auf diese Weise sollen Defizite möglichst früh erkannt und gezielt aufgearbeitet werden.

Auch der Umgang mit digitalen Medien soll verbindlicher Bestandteil der schulischen Bildung werden. Für alle Schülerinnen und Schüler der vierten Klasse ist ein verpflichtender Medienführerschein vorgesehen. Vermittelt werden sollen unter anderem der sichere Umgang mit dem Internet, die Bedeutung persönlicher Daten sowie Chancen und Risiken digitaler Medien.

In den Jahrgangsstufen fünf und sechs soll daran das neue Pflichtfach „KI und Digitale Welt“ anknüpfen. Hessen will damit nach eigenen Angaben als erstes Land ein solches Fach verpflichtend einführen. Starten soll es im kommenden Schuljahr zunächst in der fünften Klasse, im darauffolgenden Schuljahr auch in der sechsten Klasse. Neben Wissen über digitale Technologien und künstliche Intelligenz soll ein verantwortungsvoller Umgang damit vermittelt werden. Das Curriculum umfasst außerdem Module zur Berufsorientierung, Finanzbildung und zum Verbraucherschutz. Kinder sollen dadurch lernen, sich sicher und selbstbestimmt in der digitalen Welt zu bewegen.

Eine weitere Säule des Pakets ist die gezielte Unterstützung von Schulen mit besonderen Herausforderungen. Dafür will das Land den Sozialindex weiterentwickeln. In zwei Tranchen sind jeweils 100 zusätzliche Stellen für Schulen vorgesehen, die besonderen Unterstützungsbedarf haben. Der neu aufgestellte und personell verstärkte Sozialindex soll die unterschiedlichen sozialen Ausgangsbedingungen stärker berücksichtigen und zusätzliche Ressourcen gezielt dorthin lenken, wo sie benötigt werden.

Gleichzeitig will die Landesregierung die Leistungskultur an den Schulen stärken. Vorgesehen sind unter anderem ein Talente-Campus für besonders begabte Schülerinnen und Schüler, Ehrungen für herausragende Absolventinnen und Absolventen sowie der Ausbau des Landesfinaltags bei „Jugend trainiert für Olympia“.

Die Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Fraktion im Hessischen Landtag, Lisa Gnadl, wertet das Bildungschancenpaket als gemeinsamen Erfolg der Hessen-Koalition. Die Vereinbarung erneuere das gesellschaftliche Versprechen des Aufstiegs durch Bildung und leiste einen Beitrag zu mehr Chancengleichheit. Dass es trotz der außerordentlich schwierigen Haushaltslage gelungen sei, 50 Millionen Euro zusätzlich zu mobilisieren, sei ein Erfolg der Koalition.

Gnadl hebt insbesondere das „Chancenbudget“ hervor, mit dem gleiche Lernmöglichkeiten ab der ersten Klasse geschaffen werden sollen. Der verstärkte Sozialindex komme gezielt Schulen zugute, die ihre Bildungsarbeit in einem herausfordernden Umfeld leisten. Das verbessere die Möglichkeiten für eine individuelle Förderung von Schülerinnen und Schülern, die aus unterschiedlichen Gründen besondere Unterstützung benötigten.

Nach Einschätzung Gnadls verbindet das Paket damit die Stärkung schulischer Basiskompetenzen mit neuen Anforderungen an Bildung. Der verpflichtende Medienführerschein und das neue Pflichtfach „Digitale Welt und KI“ nähmen stärker Bezug auf den Lern- und Lebensalltag der Schülerinnen und Schüler. Zugleich könnten die zusätzlichen Fördermöglichkeiten dazu beitragen, den Schulstress für viele Kinder und Jugendliche zu mindern und unabhängig vom Geldbeutel der Eltern und von ihrer Herkunft bessere Bildungschancen zu eröffnen.

Das Bildungschancenpaket bündelt damit unterschiedliche Vorhaben der hessischen Bildungspolitik. Mehr Deutsch und Lesen, eine frühere Förderung in Mathematik, verbindliche Medienbildung, Unterricht zu künstlicher Intelligenz, zusätzliche Unterstützung für Schulen in schwierigen sozialen Lagen und eine stärkere Würdigung von Leistung sollen miteinander verbunden werden. Die Landesregierung will damit sowohl auf bestehende Probleme bei den grundlegenden Kompetenzen als auch auf die Veränderungen durch Digitalisierung und künstliche Intelligenz reagieren. +++

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