Es scheint, als sei für manche Medien inzwischen kaum noch etwas zu klein, um daraus eine Nachricht zu machen. Ein Auffahrunfall, ein beschädigter Außenspiegel, ein Parkplatzrempler oder ein Blechschaden ohne Verletzte – Hauptsache, die Meldung landet möglichst schnell online. Am besten gleich mit einer umfangreichen Bilderstrecke, die aus einem gewöhnlichen Verkehrsvorfall ein vermeintlich großes Ereignis macht.
Da werden mitunter zahlreiche Bilder veröffentlicht, obwohl der eigentliche Nachrichtenwert überschaubar ist. Geschwindigkeit und Bildermenge scheinen wichtiger zu sein als die Frage, ob diese Information für die Leser überhaupt von Bedeutung ist. Was früher allenfalls eine Randnotiz gewesen wäre, wird heute mitunter zur ausführlichen Schlagzeile.
Natürlich gehören Polizeimeldungen zur journalistischen Berichterstattung. Schwere Unfälle, Straftaten, Gefahrenlagen und wichtige Ermittlungsergebnisse haben eine klare Nachrichtenrelevanz. Bürger müssen wissen, was in ihrer Umgebung geschieht. Doch zwischen einer relevanten Polizeimeldung und der nahezu lückenlosen Veröffentlichung jedes noch so belanglosen Verkehrsvorfalls liegt ein erheblicher Unterschied.
Wenn allerdings jeder Parkplatzrempler zur Nachricht wird, stellt sich eine grundsätzliche Frage: Was ist eigentlich noch wichtig? Journalismus bedeutet nicht, möglichst viele Meldungen möglichst schnell ins Netz zu stellen und sie anschließend mit Bildern anzureichern. Journalismus bedeutet vor allem, auszuwählen, einzuordnen, zu recherchieren und zu gewichten.
Die permanente Flut kleiner Blaulichtmeldungen birgt die Gefahr, dass tatsächlich wichtige Ereignisse in der Masse untergehen. Wer seine Leser täglich mit Bagatellen und immer neuen Bilderstrecken überschüttet, darf sich nicht wundern, wenn die Aufmerksamkeit für das Wesentliche schwindet. Quantität ersetzt keine journalistische Qualität.
Ein Nachrichtenportal sollte seinen Lesern Orientierung geben und nicht lediglich ein digitales Protokoll sämtlicher Ereignisse führen. Nicht alles, was passiert, muss zwangsläufig eine Schlagzeile bekommen. Und nicht jede Polizeimeldung gewinnt dadurch an Bedeutung, dass sie mit zehn oder zwanzig Bildern versehen wird.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob etwas passiert ist, sondern ob es für die Öffentlichkeit tatsächlich von Bedeutung ist.
Vielleicht wäre es an der Zeit, sich wieder stärker auf journalistische Grundsätze zu besinnen. Denn Journalismus besteht nicht darin, alles zu veröffentlichen, was sich veröffentlichen lässt. Er besteht darin, zu erkennen, was Menschen wirklich wissen sollten.
Wenn der Parkplatzrempler zur vermeintlich wichtigsten Nachricht des Tages wird, ist nicht der Blechschaden das eigentliche Problem. Dann sollte man vielmehr die journalistischen Maßstäbe hinterfragen. +++


