Sparkasse Fulda ehrte Dienstjubilare: Was die Treue zum Geldinstitut über den Wandel der Finanzwelt verrät

Draußen vor den Fenstern des Fuldaer Restaurants „Bachmühle“ fließt der Herbstabend, drinnen versammelt sich an langen Tischen eine Zeitspanne, die in der modernen Wirtschaftswelt fast wie eine historische Epoche anmutet. Vierzig Jahre. Fünfundzwanzig Jahre. Wer heute auf vier Jahrzehnte bei ein und demselben Arbeitgeber zurückblickt, trat seinen Dienst in einer Kreditwirtschaft an, die mit der heutigen kaum mehr als den Namen teilt. Es war eine Ära ohne Online-Banking, ohne Smartphone-Apps und ohne automatisierte Risikomodelle. Bilanzen wurden in gebundenen Büchern geführt, Überweisungsträger stapelten sich in physischen Körben, und die Beziehung zum Kunden entschied sich am Schalter aus Mahagoni und Glas. Dass an diesem Abend insgesamt 35 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Sparkasse Fulda für genau diese jahrzehntelange Loyalität ausgezeichnet werden, ist daher weit mehr als ein folkloristischer Pflichttermin im regionalen Kalender. Es ist eine Bestandsaufnahme über den Wert von Beharrlichkeit in einer Branche, die sich permanent selbst neu erfinden muss.

Die Kreditwirtschaft hat in den vergangenen Dekaden Umbrüche erlebt, die ganze Berufsfelder hinweggefegt haben. Auf die Mechanisierung folgte die Digitalisierung, auf die Niedrigzinsphase die regulatorische Flut, und auf den klassischen Schalterdienst das Kundenservicecenter. Umso bemerkenswerter ist der Blick auf jene Frauen und Männer, die diesen Wandel nicht nur von der Seitenlinie aus beobachtet, sondern Tag für Tag in den Geschäftsstellen und Stabsabteilungen abgefedert haben. Treue zum Betrieb wird in einer schnelllebigen Arbeitswelt, die permanente Mobilität und den steten Wechsel predigt, bisweilen argwöhnisch als Mangel an Flexibilität beäugt. Doch dieser Blick greift zu kurz. In einem Geldinstitut, dessen Geschäft auf Vertrauen und regionaler Verankerung fußt, ist Kontinuität keine Trägheit, sondern institutionelles Kapital. Wer vierzig Jahre bleibt, hat Fusionen erlebt, Systemwechsel durchgestanden und unzählige Male neue Software erlernt.

Genau an diese Schnittstelle zwischen Herkunft und Zukunft knüpfte das stellvertretende Vorstandsmitglied Torsten Kramm an, der im Namen der Geschäftsleitung den Dank des Instituts überbrachte. Er würdigte das Engagement, die Verbundenheit und das kollegiale Miteinander der Jubilare, stellte jedoch einen Aspekt besonders in den Mittelpunkt: den Willen, Veränderungen im Bankgeschäft nicht nur mitzutragen, sondern aktiv mitzugestalten. Die Kreditwirtschaft, so betonte Kramm, habe wie andere Wirtschaftszweige auch in den letzten Jahrzehnten einen enormen Wandel durchlaufen. Erfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die offen und neugierig blieben und Lust auf Neues hätten, seien und blieben wichtige Aktivposten für die Sparkasse von heute und die Sparkasse von morgen. Ein Satz, der den Kern der Herausforderung trifft: Erfahrung ist nur dann wertvoll, wenn sie sich nicht in Routine einmauert, sondern als Fundament für Neues dient.

Wie tief diese Verankerung in das Räderwerk des Instituts reicht, verdeutlichte der offizielle Teil der Ehrungen, den Kramm gemeinsam mit Personalleiter Wolfgang Göb und nach einem Grußwort des Personalratsvorsitzenden Gianni Leonangeli vornahm. Denn die Namen der Geehrten spiegeln die gesamte funktionale Geografie der Sparkasse wider – von den ländlichen Filialen über die hochspezialisierten Steuerungsabteilungen bis hin zur Marktfolge.

Auf eine vierzigjährige Laufbahn blickten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zurück, die das Rückgrat der internen Organisation bilden. Aus der Abteilung Organisation und Produktion wurden Margit Fölsing, Ute Kling, Annemarie Müller, Simone Stock, Regina Vogt und Christof Wende ausgezeichnet – jene Instanzen im Hintergrund, die dafür sorgen, dass Prozesse reibungslos ineinandergreifen. Aus der Abteilung Marktfolge Kredit erfuhren Karin Damerau und Denise Kümmel diese besondere Ehrung, während Marion Brähler aus der Abteilung Personalmanagement für vier Jahrzehnte Einsatz gewürdigt wurde. In den Filialen vor Ort, wo das Vertrauen der Kundschaft täglich neu erarbeitet werden muss, prägten Nicole Duvernell-Erb und Bianka Hasenau in der Filiale Rabanusstraße, Astrid Flöter-Thelen und Jürgen Vogt in der Filiale Kaiserstraße in Hünfeld, Ruth Gutberlet-Greif in der Filiale Eichenzell, Nicola Jahn in der Filiale Großenlüder sowie Michael Och in der Filiale Gersfeld das Bild des Instituts über Generationen hinweg. Ergänzt wird die Riege der 40-jährigen Jubilare durch Kerstin Klar aus dem Vertriebsmanagement, Lothar Menz aus dem Bereich Compliance, Stefan Pfeiffer aus der Internen Revision, Winfried Schaum aus der Abteilung Infrastruktur und Technik, Claudia Seufert aus dem Vermögensmanagement, Doris Weß aus dem Filialvertrieb sowie Anja Diegelmann, Astrid Jökel und Beatrix Vonderau.

Dass auch die nächste Generation von Dienstjubilaren längst ein Vierteljahrhundert im Institut verwurzelt ist, zeigte die Ehrung für 25 Jahre Betriebszugehörigkeit. Aus der Abteilung Organisation und Produktion wurde Ramona Weiland geehrt, aus dem Vorstandsstab Sonja Döring. Den direkten Draht zu den Kunden hielten Marion Felix und Iris Reih im modernen Kundenservicecenter. Aus dem Filialnetz traten Stefanie Büttner (Filiale Künzell), Ina Günder und Irina Rudi (beide Filiale Großenlüder), Bastian Kraus (Filiale Gersfeld) sowie Anna Schneider (Filiale Kaiserstraße/Hünfeld) hervor. Für ihre langjährige Expertise im Bereich Vermögensmanagement wurde zudem Sylvia Paczkowski ausgezeichnet.

Doch ein solcher Abend des Innehaltens markiert stets auch Abschiede und den unvermeidlichen Generationenwechsel. Dreizehn verdiente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden im Rahmen der Feierlichkeit in den Ruhestand oder in die Freizeitphase der Altersteilzeit verabschiedet: Edith Becker-Czernovsky, Steffen Graf, Christoph Gutberlet, Kerstin Hackl, Michael Hedrich, Beate Noll, Wolfgang Petter, Gudrun Vögler, Dieter Vogt, Heidrun Wiegand, Doris Wiegand-Ries, Monika Woyth und Harald Zentgraf. Mit ihnen verlässt ein immenser Schatz an implizitem Wissen, an regionalem Gespür und an gewachsenen Bindungen das Haus – Kompetenzen, die sich in keinem Prozesshandbuch konservieren lassen.

Darin liegt die eigentliche Zukunftsaufgabe für Regionalbanken: Sie müssen den schmalen Grat zwischen technologischer Modernisierung und menschlicher Nähe meistern. Während Algorithmen die Standardgeschäfte übernehmen und Filialnetze bundesweit unter Kostendruck stehen, entscheidet sich die Daseinsberechtigung einer Sparkasse genau an jenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die über Jahrzehnte hinweg ein Gesicht für das abstrakte Geschäft mit dem Geld waren. Die Feierstunde in der „Bachmühle“ führte vor Augen, dass der Wandel einer Institution nur gelingen kann, wenn ihre Konstanten intakt bleiben. Wer Menschen in seinen Reihen weiß, die über Jahrzehnte hinweg neugierig geblieben sind, muss vor den nächsten Umbrüchen der Finanzwelt nicht bangen. +++

fuldainfo.de

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