Nach fast 44 Jahren im Landesparlament geht in Hessen eine Ära zu Ende: Frank Lortz, der langjährigste Abgeordnete der Landesgeschichte und langjährige Vizepräsident des Hessischen Landtages, legt zum 31. Oktober 2026 sein Mandat nieder. Bei einer offiziellen Abschiedsfeier am gestrigen Samstag in seiner Heimat im Seligenstädter Ortsteil Froschhausen würdigten Spitzenvertreter aus Politik und Parlament das politische und persönliche Lebenswerk des Christdemokraten. Dass sein Abschied ausgerechnet mit dem 80. Landesjubiläum zusammenfällt, gab den Feierlichkeiten eine besondere Note.
Landtagspräsidentin Astrid Wallmann bezeichnete diese zeitliche Koinzidenz als eine symbolträchtige Überschneidung. Keiner der derzeitigen Abgeordneten habe einen Landtag ohne Frank Lortz erlebt, weshalb sich nun auch die Wenigsten ein Parlament ohne ihn vorstellen könnten. Er werde allen im Landtag fehlen, betonte Wallmann: mit seiner wertegebundenen Klarheit, seiner zugewandten und zugleich schnörkellosen Art sowie als leidenschaftlicher Streiter für ein selbstbewusstes und unabhängiges Parlament. Vor allem aber habe er sich als Mensch, der sehr vielen Menschen und auch ihr persönlich als Ratgeber wichtig war und ist, bleibenden Respekt erworben und sich um den Landtag in herausragender Weise verdient gemacht. In einer Gesellschaft mit zunehmender Polarisierung würden Persönlichkeiten wie Frank Lortz, die ausgleichend wirken und das Verbindende suchen, mehr denn je gebraucht.
Über zwei Jahrzehnte hinweg trug Lortz als Vizepräsident Verantwortung für Hessens Herzkammer der Demokratie und prägte in dieser langen Spanne die Debattenkultur sowie das parlamentarische Miteinander nachhaltig. Seine Sitzungsleitung sei stets von Gelassenheit und natürlicher Durchsetzungskraft geprägt gewesen, unterstrich Wallmann. Mit seinem ausgleichenden Wesen sowie seiner empathischen Art und einer Prise Humor habe Lortz es auf einzigartige Weise verstanden, auch heikle Situationen zu entschärfen und für Fairness im Parlament zu sorgen, während er sich abseits des Plenarsaals fortwährend für ein kollegiales Miteinander über die Fraktionsgrenzen hinweg einsetzte. Seiner Heimat bleibt er auch nach dem Ausscheiden aus dem Landesparlament eng verbunden: In Froschhausen wird er sich weiterhin kommunalpolitisch engagieren.
Eine ganz besondere Auszeichnung hielt Ministerpräsident Boris Rhein für den scheidenden Landtagsvizepräsidenten bereit. Rhein verlieh Lortz am Samstag in Seligenstadt-Froschhausen den Ehrenlöwen als neu geschaffene Sonderstufe des Hessischen Verdienstordens für herausragende Verdienste um das Gemeinwohl. Rhein würdigte Lortz als Demokraten mit klarer Haltung und festen Grundsätzen, dessen Wirken weit über die eigene Partei hinausreiche. Er habe über Jahrzehnte hinweg auf ganz unterschiedlichen Ebenen Verantwortung übernommen und Herausragendes für die Demokratie und den Zusammenhalt im Land geleistet. Als Landtagsvizepräsident habe er mehr als zwanzig Jahre dafür Sorge getragen, dass auch in hitzigen Diskussionen die Würde des Parlaments und ein respektvolles Miteinander gewahrt geblieben seien. Für ihn sei es immer elementar gewesen, Menschen über Parteigrenzen hinweg im Gespräch zu halten. Dabei habe Lortz stets seinen persönlichen Leitspruch verfolgt, wonach eine Demokratie Streit aushalten müsse, aber niemals im Streit stecken bleiben dürfe.
Zugleich hob der Ministerpräsident Lortz’ außerordentliches ehrenamtliches Engagement hervor, das sich über sage und schreibe 65 Vereine, Verbände und Organisationen erstreckt. Lortz wisse, wie unverzichtbar ein vielfältiges Vereinsleben für ein lebendiges Miteinander sei. Als Gründer und Vorsitzender des Vereinsrings Froschhausen sowie in zahlreichen weiteren regionalen Initiativen habe er nie darauf gewartet, dass sich andere kümmern, sondern selbst Verantwortung übernommen und bewiesen, dass sich nur durch persönlichen Einsatz etwas bewegen lasse. Auch politisch trage er seit nunmehr rund 47 Jahren Verantwortung und gestalte die Entwicklung Hessens und seiner Heimatregion mit. Mit diesem jahrzehntelangen Einsatz für Demokratie und Gesellschaft habe er sich in besonderer Weise um Hessen verdient gemacht, weshalb es eine Freude sei, ihm als erstem Träger überhaupt die neue Ordensstufe zu überreichen. Der Hessische Verdienstorden wird grundsätzlich für Verdienste verliehen, die über das übliche Maß ehrenamtlicher oder beruflicher Pflichterfüllung deutlich hinausgehen und beispielgebenden Charakter besitzen. Die Sonderstufe des Ehrenlöwen würdigt insbesondere ein kontinuierliches Lebenswerk oder jahrzehntelanges Engagement mit nachhaltiger Wirkung für das Land Hessen und seine Bürger; der Kreis der lebenden Trägerinnen und Träger ist streng auf 400 Persönlichkeiten begrenzt.
Mit großem Respekt und herzlichen Worten verabschiedete sich auch die CDU-Fraktion im Hessischen Landtag von ihrem Urgestein. Anlässlich seiner letzten Fraktionssitzung würdigte die Fraktionsvorsitzende Ines Claus das Wirken von Frank Lortz, der die Landtagsfraktion und das Landesparlament fast 44 Jahre lang geprägt habe, davon über zwei Jahrzehnte als Vizepräsident. Die Fraktion blicke mit großer Dankbarkeit und Anerkennung auf dieses außergewöhnliche Wirken zurück. Fast viereinhalb Jahrzehnte lang habe er sich mit ganzer Kraft für Hessen, die CDU und die Menschen in seinem Wahlkreis eingesetzt und sich weit über alle Parteigrenzen hinweg hohes Ansehen erarbeitet.
Als Vizepräsident habe er das Parlament mit großer Souveränität, Fairness und Augenmaß geleitet, Menschen zusammengeführt, unterschiedliche Positionen mit Respekt behandelt und in anspruchsvollen Momenten die Übersicht behalten. Sein Wort habe stets Gewicht gehabt, weil er zuhöre, abwäge und verlässlich zu seinen Überzeugungen stehe, betonte Claus. Bereits im Rahmen der Feierlichkeiten zum 80-jährigen Bestehen der CDU-Fraktion hatte sie ihm die Ehrenmitgliedschaft der Fraktion verliehen, um die tiefe Wertschätzung und besondere Verbundenheit zu bekräftigen. Was Frank Lortz auszeichne, lasse sich ohnehin nicht allein an Jahren oder Ämtern bemessen, sondern vor allem an den menschlichen und politischen Spuren, die er hinterlasse. Im Namen der gesamten Fraktion dankte sie ihm von Herzen für 44 Jahre Einsatz, für seine Loyalität und die gemeinsame Zeit. Verbunden mit dem Versprechen, in seinem Sinne weiterzuarbeiten, zusammenzuhalten und keine Fehler zu machen, gab sie Frank Lortz für alles Kommende die besten Wünsche und Gottes Segen mit auf den Weg. +++


