Es sind jene Momente, in denen für lange Erklärungen keine Zeit bleibt. Wenn sich Flammen über Wald und trockene Flächen ausbreiten, wenn Rauch aufsteigt und sich ein Feuer seinen Weg durch dicht bebaute Bereiche sucht, zählt zunächst nur, was unmittelbar vor Ort zu tun ist. In den vergangenen drei Wochen haben die Einsatzkräfte im Vogelsbergkreis solche Situationen immer wieder erlebt. Rund 1600 Helfer waren bei Wald- und Flächenbränden im gesamten Kreisgebiet sowie beim Großfeuer auf dem Lauterbacher Marktplatz im Einsatz. Für Landrat Dr. Jens Mischak und Kreisbrandinspektor Marcell Büttner sind diese Wochen deshalb auch ein eindringlicher Beleg dafür, welchen Wert das Ehrenamt besitzt.
22 Mal mussten die Feuerwehren in den vergangenen drei Wochen zu Wald- und Flächenbränden ausrücken. Zehn dieser Brände hinterließen größere Schäden. Beim Waldbrand bei Lingelbach, der kurz vor dem Herzberg Festival ausbrach, standen 10.000 Quadratmeter in Flammen. Zwischen Maar und Heblos war die Ausdehnung am Mittwochabend noch erheblich größer: Dort erfasste das Feuer acht Hektar.
Für die Einsatzkräfte bedeutete das wiederholte Ausrücken in kurzer Folge nicht nur körperliche Belastung. Jeder neue Brand erforderte Aufmerksamkeit, Konzentration und die Bereitschaft, sich erneut auf eine unübersichtliche Lage einzustellen. Während an einer Stelle noch gelöscht wurde, wartete bereits der nächste Einsatz. Die vergangenen Wochen waren damit eine Folge von Situationen, in denen sich die Belastbarkeit der Helfer nicht an einzelnen spektakulären Momenten messen ließ, sondern an der Fähigkeit, immer wieder einsatzbereit zu sein.
Und dann kam das Feuer in Lauterbach. Auf dem Marktplatz entwickelte sich ein Großbrand, der nicht nur wegen seiner Größe, sondern vor allem wegen seiner Lage eine besondere Herausforderung darstellte. Rund 450 Einsatzkräfte von Feuerwehren, THW, Hilfsorganisationen und Katastrophenschutz kämpften gegen die Flammen. Die Lauterbacher Altstadt, eng bebaut und geprägt von dicht beieinanderstehenden Gebäuden, ließ wenig Spielraum für Fehler. Wo Feuer auf Gebäude trifft, können wenige Augenblicke darüber entscheiden, ob ein Brand begrenzt bleibt oder sich weiter ausbreitet.
Die Einsatzkräfte mussten unter diesen schwierigen Bedingungen an ihre Grenzen gehen. Sie arbeiteten gegen die Flammen und zugleich gegen die Gefahr, dass das Feuer auf weitere Gebäude übergreifen könnte. Was von außen wie ein einzelner großer Einsatz erscheint, besteht für die Menschen vor Ort aus einer Vielzahl von Entscheidungen, Bewegungen und Handgriffen, die unter erheblichem Druck getroffen werden müssen.
„Das war ein Einsatz unter ganz schwierigen Bedingungen, die Helfer sind bis an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gegangen. Mit hoher Professionalität, mit Mut und mit einer enormen Bereitschaft haben sie es geschafft, das Feuer einzudämmen und haben somit Schlimmeres in der eng bebauten Altstadt verhindert“, sagt Landrat Dr. Jens Mischak.
Der Großbrand in Lauterbach war zugleich ein Beispiel dafür, dass sich die Bewältigung solcher Lagen nicht an Gemeindegrenzen orientiert. Hilfe kam von außen. Auch die Katastrophenschutz-Einheiten aus zehn verschiedenen Städten und Gemeinden waren in den vergangenen Wochen im Einsatz. Kreisbrandinspektor Marcell Büttner verweist damit auf ein Zusammenspiel, das gerade dann entscheidend wird, wenn die Kräfte an einem Ort nicht ausreichen oder mehrere Einsatzstellen nahezu gleichzeitig bewältigt werden müssen.
Hinter den rund 1600 Einsatzkräften stehen Menschen, die ihren Dienst überwiegend ehrenamtlich leisten. Sie rücken aus, wenn andere Menschen Sicherheit suchen, und nehmen dafür Belastungen auf sich, die sich kaum in Einsatzstatistiken abbilden lassen. Die Zahl der Brände, die Größe der betroffenen Flächen und die Zahl der eingesetzten Helfer beschreiben zwar das Ausmaß der vergangenen Wochen. Sie erzählen aber nur einen Teil der Geschichte. Der andere Teil besteht aus der Bereitschaft, das eigene Leben für einen Moment zurückzustellen, die Einsatzkleidung anzulegen und dorthin zu fahren, wo andere den Ort des Geschehens möglichst schnell verlassen möchten.
Gerade die Häufung der Einsätze hat sichtbar gemacht, wie wichtig diese Bereitschaft für den Vogelsbergkreis ist. 22 Wald- und Flächenbrände innerhalb von drei Wochen, zehn davon mit größeren betroffenen Flächen, dazu ein Großfeuer in Lauterbach mit rund 450 Einsatzkräften: Es waren keine voneinander losgelösten Ereignisse, sondern eine außergewöhnliche Belastungsprobe für die Organisationen, die im Brand- und Katastrophenschutz Verantwortung tragen.
Landrat Dr. Jens Mischak verbindet deshalb seinen Dank ausdrücklich mit einer Würdigung des Ehrenamtes. „Solche Ereignisse führen uns vor Augen, wie wertvoll es ist, dass wir Menschen haben, die im Ehrenamt für uns da sind und für unsere Sicherheit sorgen“, sagt er. Sein Dank richtet sich an die Einsatzkräfte ebenso wie an all jene, die im Hintergrund Unterstützung geleistet haben.
Auch für Kreisbrandinspektor Büttner ist die Bilanz der vergangenen Wochen eindeutig. Die Hilfe aus zehn verschiedenen Städten und Gemeinden, die Zusammenarbeit von Feuerwehren, THW, Hilfsorganisationen und Katastrophenschutz und die hohe Zahl der eingesetzten Menschen zeigen, dass der Schutz der Bevölkerung auf ein Netzwerk angewiesen ist, das im Ernstfall funktionieren muss. In den vergangenen drei Wochen hat es funktioniert.
„Auf unsere Einsatzkräfte und auf das Ehrenamt ist Verlass“, sagen Landrat Dr. Jens Mischak und Kreisbrandinspektor Marcell Büttner. Es ist ein schlichter Satz nach Wochen, in denen die Flammen an vielen Stellen des Vogelsbergkreises sichtbar machten, wie schnell aus einem Brand eine große Gefahr werden kann. Und es ist zugleich der Satz, der nach 22 Wald- und Flächenbränden und dem Großfeuer von Lauterbach am deutlichsten beschreibt, worauf es im Ernstfall ankommt: auf Menschen, die kommen, wenn sie gebraucht werden.














