Der Hessische Landtag trauert um seinen langjährigen Präsidenten Norbert Kartmann. Der CDU-Politiker aus Butzbach starb nach schwerer Krankheit am 23. Mai im Krankenhaus in Lich im Alter von 77 Jahren. Mit Kartmann verliert Hessen einen der prägenden Parlamentarier der vergangenen Jahrzehnte.
Landtagspräsidentin Astrid Wallmann würdigte den Christdemokraten als eine Persönlichkeit, die das Parlament über viele Jahre geprägt habe wie kaum ein anderer. Fast 16 Jahre lang stand Kartmann an der Spitze des Hessischen Landtags – länger als jeder Präsident vor ihm. Wallmann erinnerte daran, wie sehr Kartmann die Debattenkultur im Parlament geprägt habe. Er habe Abgeordnete immer wieder an das erinnert, „was sie verbindet“, Brücken gebaut und dafür geworben, die Argumente des politischen Gegenübers anzuhören und ernst zu nehmen.
Kartmann sei nicht nur Politiker gewesen, sondern auch Lehrer, Kommunalpolitiker und überzeugter Demokrat. Politische Bildung habe ihm stets besonders am Herzen gelegen. Wallmann hob zudem sein Engagement für einen respektvollen parlamentarischen Umgang, für Europa und für die Verständigung mit den östlichen Nachbarn hervor. Auch über die Politik hinaus sei Kartmann tief verwurzelt gewesen – in Kirche, Sport und sozialem Ehrenamt.
„Seine Heimatverbundenheit, seine Besonnenheit und sein feines Gespür für Menschen haben ihn weit über Parteigrenzen hinweg geschätzt gemacht“, sagte Wallmann. Kartmann habe Hessen geprägt und viele Menschen persönlich berührt. Sein Wirken werde bleiben.
Bereits im Februar hatte Kartmann aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr an der Einweihung der neuen Präsidentengalerie im Plenarfoyer teilnehmen können. Wallmann besuchte ihn daraufhin in der Wetterau und überreichte ihm Fotografien des neuen Kunstwerks von Karl-Martin Hartmann. Ihre Gedanken seien nun bei seiner Frau Anneli, den drei Kindern und den fünf Enkelkindern.
Auch Ministerpräsident Boris Rhein reagierte tief betroffen auf den Tod seines Parteifreundes. Mehr als fünf Jahrzehnte habe Kartmann sich politisch engagiert, sagte Rhein in Wiesbaden. Er sei ein „homo politicus durch und durch“ gewesen. Als Abgeordneter und später als Präsident des Landtags habe er sich parteiübergreifend Respekt und Ansehen erworben. Kartmann habe die parlamentarische Arbeit mit Integrität geleitet und stets ein offenes Ohr für alle Fraktionen gehabt.
Rhein, der Kartmann 2019 im Amt des Landtagspräsidenten nachfolgte, bezeichnete ihn als einen Politiker, der sich mit Leidenschaft, Weitsicht und großer Energie für Hessen und seine Bürger eingesetzt habe. Sein Engagement für die Demokratie und sein Glaube an den Dialog seien Vorbild gewesen. „Norbert Kartmann hat sein Leben in den Dienst der Gesellschaft gestellt. Er wird fehlen“, sagte der Ministerpräsident.
Kartmann war 1982 erstmals für die CDU in den Hessischen Landtag eingezogen. Von 1987 bis zu seinem freiwilligen Ausscheiden 2022 gewann er seinen Wahlkreis in der Wetterau jeweils direkt. Der Grund- und Hauptschullehrer wurde 1991 bildungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion und führte die Fraktion zwischen 1999 und 2003. Am 5. April 2003 wählten ihn die Abgeordneten zum Präsidenten des Landtags. Dieses Amt hatte er bis Januar 2019 inne.
In seine Amtszeit fiel unter anderem der Neubau des heutigen Plenarsaals, der 2008 eröffnet wurde. Während der Bauarbeiten leitete Kartmann die Sitzungen aus dem Ausweichquartier im Wiesbadener Rathaus.
Für sein politisches Lebenswerk erhielt Kartmann zahlreiche Auszeichnungen. 2012 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz erster Klasse verliehen. Es folgten der Hessische Verdienstorden im Jahr 2019 sowie 2020 die Wilhelm-Leuschner-Medaille, die höchste Auszeichnung des Landes Hessen. +++ red.













