Es hat nicht gereicht zum historischen Sieg. Zum Einzug in die DFB-Pokal-Hauptrunde. Knapp. Ganz knapp. Die SG Barockstadt zog trotz eines äußerst beherzten Auftritts im Finale des Hessenpokals vor 4.000 Zuschauern auf dem Bieberer Berg in Offenbach mit 1:2 (0:1) gegen den Drittligisten SV Wehen Wiesbaden den Kürzeren. Leon Pomnitz egalisierte die Führung des Kontrahenten zu Beginn des zweiten Abschnitts - Wehen aber antwortete bald. Die SGB gab alles und gewann neue Freunde hinzu.
Wenn Moritz Dittmann doch nur getroffen hätte - so mochte man die erste Halbzeit aus Sicht der SGB überschreiben. Dittmann hatte die beste Chance des Fuldaer Teams - und die ging in ihrer Entstehung so: Keanu Kraft spielte einen langen Ball nach vorn, Tobi Göbel kreuzte geschickt den Weg und erlief sich die Kugel, gab straff und genau nach innen - „Ditti“ kam an den Ball, schloss aber unglücklich und schwach ab, Wehens Gillikens brachte noch den Fuß an den Ball, der mithin nicht die Torlinie überschritt.
Die SGB war eine halbe Stunde lang das bessere Team, das wie so oft in den letzten Wochen gut, geschlossen und giftig in seinen Abläufen wirkte - und dem favorisierten Drittligisten den Spiegel vorhielt. Wehen fand nicht ins Spiel, wirkte zwar in den Anfangsminuten etwas robuster und routinierter - das aber prallte sehr schnell an Fuldas zäher Wand ab. Nachdem Göbel Dittmanns Flanke nicht ganz per Kopf erreichte - mit der ersten Chance des Spiels (13.) - blieb die SGB, zweibeste Rückrunden-Mannschaft der Regionalliga Südwest, am Drücker. Weil sie äußerst mutig auftrat, stets bei sich war und Wehen nicht zur Entfaltung kommen ließ.
Bis zum 0:1 nach 36 Minuten. Und in der Entstehung dieses Treffers zeigten sich die Cleverness, Robustheit und das situativ wache Verhalten, das der SGB noch fehlt. Hoher Ballgewinn Wehen, Flanke aus dem Zentrum an den langen Fünfer, Flotho gewinnt das Kopfballduell - und Janitzek verlängert zum Führungstor für den Drittligisten. Dieses Muster und die Thematik hohen Ballgewinns zeigte sich in zwei weiteren Chancen, die ebenfalls aus hohen Ballgewinnen des eine halbe Stunde schwachen, weil zu passiven und nicht als Mannschaft auftretenden Drittligisten resultierten. Doch beide Male hielt „Zapi“, der sein letztes Spiel für die SGB absolvierte, sein Team im Spiel - zunächst gegen Gözüsirin (45.+1), dann gegen Schleimer (45.+3).
Der zweite Abschnitt bot einiges. Zwei Tore. Spannung. Drama. Und eine üppige Nachspielzeit. Schon nach gut zwei Minuten glich die SGB aus - durch ihren Kapitän Leon Pomnitz. Auch die SGB kann Ballgewinn. Nach einem schlechten Anspiel Wehens gewann Pomnitz den Ball gegen Flotho, ging noch ein paar Meter im Zentrum - zapfte seine Schusstechnik an, zog ab und sein Flachschuss ging präzise zum 1:1 ins Tor. Wenige Minuten später war nach einer SGB-Offensivaktion mehr drin, doch Dittmann machte zu wenig daraus (54.).
Wehen aber schlug bald zurück und antwortete auf den Ausgleich des Kontrahenten. Erneut ließ sich die SGB einen Ball abluchsen, Flotho eroberte die Kugel auf der linken Angriffsseite, passte zum zentral vor dem Strafraum postierten Lukas Schleimer, der flach zum 2:1 traf. Was nun alle beschäftigte: Würde die SGB bei diesen hochsommerlichen Temperaturen - 30 Grad herrschten auch am Bieberer Berg vor - noch einmal zurückkommen können? Sie kämpfte und investierte alles, was in ihrer Kraft stand - wirklich Gefahrbringendes musste Wehen, das jetzt fast ausschließlich und aufopferungsvoll verteidigte, nicht mehr durchstehen. Pech war für beide Teams im Spiel: Für die SGB, als ein Wehener Spieler wegrutschte, Sarpei frei in den Sechzehner hätte gehen können, Schiri Rübe auf Foul entschied, was es aber nicht war (67.) - und für den SVW, als Kaya in der Box wegrutschte (72.).
Die SGB, ein ebenbürtiger Gegner? Das stellte HR-Reporter Florian Naß - durch gute Reportagen im Handball in aller Munde - fest. Die Antwort: Ja und nein. Ja, was Mut, Investition und Hingabe angeht - nein, weil sie in entscheidenden Situationen nicht clever genug war und die nicht gut löste. Aber sie hatte nach bravouröser Rückrunde, in der sie die zweitbeste Mannschaft der Rückrunde in der Regionalliga Südwest war, alles gegeben. Auch die Unterstützung war kollegial durch die Fanmenge auf den Rängen. Schon bei der Hinfahrt hatte man den Eindruck, nur Fahrzeuge mit Fuldaer Kennzeichen zu sehen. Diese Invasion stützte die Anreise mehrerer Fanbusse. Die SG Barockstadt hinterließ ihren Stempel. Ihre Marke.
Glückwünsche gehen an den SV Wehen Wiesbaden, der zum 9. Mal in Folge Hessenpokal-Sieger wurde - und seinen Titel verteidigte. Er zog mit diesem Erfolg in die Hauptrunde des DFB-Pokals ein. Sein äußerst verdienter Spieler, die Identitätsfigur Sascha Mockenhaupt, bestritt sein 353. Pflichtspiel für den Klub.
SG Barockstadt: Zapico - Kraft (77. Iljazi), Habermehl (84. Arcanjo-Köhler), Frey, Hillmann (73. Korzuschek) - Sarpei - Ivankovic, Pomnitz - Dittmann, Schmitt )63. Reinhard) - Göbel
SV Wehen Wiesbaden: Stritzel - Mockenhaupt, May (60. Greilinger), Gözüsirin, Janitzek, Lewald, Gillekens, Flotho, Kaya (75. Kalem/90.+4/Neubert), Schleimer (60. Johansson), Cardenes
Schiedsrichter: Christoph Rübe (Vellmar), Assistenten: Pascal Otte, Niklas Rüddenklau
Zuschauer: 4.000
Tore: 0:1 Julian Janitzek (37.), 1:1 Leon Pomnitz (48.), 1:2 Lukas Schleimer (58.)
Gelb-Rot: Jordy Steven Gillekens (Wehen, 90.+3) +++ rl











