Eine grandiose Veranstaltung mitten ins Fußball-Herz - JSG Flieden/Schweben zeigt leidenschaftlichen Auftritt voller Energie

Der SV Flieden hatte als Gastgeber zum U19-Leistungsvergleich gebeten - und heraus kam eine Veranstaltung, die mitten in Herz so mancher Fußball-Enthusiasten traf. Zwölf Teams machten mit, darunter mehrere Bundesligisten. Stets hatte man das Gefühl beim Mit-Verfolgen der Spiele: Alle gaben ihr Bestes. Sie zapften sich an. Und holten sogar noch mehr heraus aus sich. Sieger der Konkurrenz wurde der Hallesche FC, der im hochklassigen und spannungsgeladenen Endspiel Greuther Fürth mit 2:0 niederrang. Aber auch die gastgebende JSG Flieden/Schweben hinterließ nach einer Leistung voller Leidenschaft in vier Spielen einen beherzten Auftritt. Dass sie auf Platz zehn landete, spielte weniger eine Rolle. Vielmehr, dass sie stets auf Augenhöhe war - und ein nachhaltiges Signal im osthessischen Nachwuchsfußball sendete.

Es schien zeitweise, als würde die Sportanlange Am Weiher überquillen. Auch wenn es heiß war. Ohne Ende. Nicht besonders gute Voraussetzungen zum Ausüben von Leistungssport. Dafür gaben sich viele Menschen die Klinke in die Hand. Und sie sahen und erlebten an drei Schauplätzen anspruchsvollen, intensiven und teamstarken Fußball aller Spieler, die an der Eintrittstür „ganz nach oben“ stehen. Mit dem schüchternen, aber bestimmten Gedanken, einmal Fußball-Profi zu werden. Auch wenn sich die Geschichte im Rahmen einer Saisonvorbereitung abspielte. Und die Folge waren Vergleiche, die sich - nicht nur für Fußball-Insider und Kenner - sehen lassen konnten.

Jeder weiß, dass die Sportanlage des SV Flieden beste Voraussetzungen zur Austragung eines solchen Wettbewerbs bietet. Die Spiele fanden auf dem „Hauptplatz“ am Weiher, auf dem „Tür-an-Tür-Kunstrasenplatz“ und im benachbarten Stadion statt. Der Ausrichter hatte eigens drei verschiedene „Stadionsprecher“ oder Platzansager organisiert. Und für jede Mannschaft, sofern sie denn traf, eine „Torhymne“. Für ihn sei das „ein überragendes Event“ gewesen, urteilte Kevin Muth, Trainer der JSG Flieden/Schweben, der sich an der Seite seines „Co“ Tobias Herbert und allen Helfenden, reinghängt und aufgeopfert hatte bei der Organisation und Durchführung dieser Konkurrenz.

Muth schöpfte weiter im Becher der Anerkennung. „Alle Mannschaften haben ihre Zusage gehalten. Ein dickes Kompliment an alle.“ Und als Lohn schälten sich „sehr viele attraktive Spiele“ heraus. Auch das Finale gehörte dieser Kategorie an. Manch einer spürte wegen des Verlaufs des Turniers einen anderen Ausgang - aber der Nachwuchs des HFC verdiente sich den Sieg des U19-Leistungsvergleichs. Intensiv arbeitete und verteidigte das Team aus Ostdeutschland seinen zeitigen 2:0-Vorsprung. Kompakt und voller Leidenschaft geschah dies, einer half dem Anderen - vor allem das Zentrum machte Halle prima zu. Und war, wenn es sein musste, auch bei hohen Bällen in der Box der Sieger. Greuther Fürth versuchte viel. Versuchte alles. Doch der HFC stand so gut, dass der Sieg herauskam. Muths Lob mündete für beide Teams in den Worten: „Alleine, was beide Mannschaften nach acht Stunden geleistet haben.“

Das traf sinnbildlich auch auf ihn, seinen „Co“ Herbert und ihre Mannschaft zu. „Extrem anstrengend“ sei es gewesen, sagte Muth noch am Tag danach. Am Freitag, dem Tag vor dem Turnier, waren die A-Jugendlichen des Gastgebers bereits im Einsatz. Um anschließend auch noch 90 Minuten gegen den JFV Lübeck zu spielen, der mithin vorher angereist war - schließlich kommt das Team aus Norddeutschland „nicht gerade um die Ecke“. Am Samstag, dem Turniertag, legten alle Genannten noch eine Schippe drauf. Sie trafen sich um 8.30 Uhr, zweieinhalb Stunden vor Beginn des Wettbewerbs. Wieder bauten sie auf. Immer unter der Prämisse und der eigenen Erwartungshaltung: Wir wollen ja bei unserem eigenen Turnier noch was zeigen. Muth indessen bekam während des Turniers schon mal eine Rückmeldung. So fragte sich der Coach von Energie Cottbus: „Hey, du trainierst doch die Mannschaft. Und kümmerst dich dann noch um die Organisation?“ Er drückte - und dessen war sich Kevin Muth, ebenso wie Tobi Herbert auch bewusst - je näher es dem Ende der Konkurrenz zuging, das Gefühl so aus. „Wir waren nicht unbedingt wie erschlagen, haben aber nur noch wie Roboter agiert.“  Ihre Mannschaft baute noch bis 20 Uhr ab. Muth „nur“ bis 19 Uhr - weil er zum Spiel der Ersten in Schweben gegen Erlensee musste. Und als wäre es ein Signal für die erneuerte Arbeit beim Nachwuchs der JSG, so zog Muth ein Fazit: „Die Leistung, die die Mannschaft sportlich und organisatorisch - und dazu zähle ich natürlich auch Tobi Herbert und Daniel Reith -, war einfach einzigartig. Sie war klasse.“

Auch die sportliche Präsentation zählte. Und in dieser Hinsicht gab die JSG Flieden/Schweben eine tolle Visitenkarte ab. Eine, die glänzte. Vier Spiele, drei Unentschieden, eine Niederlage (gegen Lok Leipzig) - eine Bilanz, die einfach schmückt gegen Gegner diesen Namens. Das wesentliche Ziel schob Muth nach: „Wir wollten uns in jedem Spiel achtbar schlagen. Immer wollten wir den Eindruck hinterlassen, da steht eine Mannschaft auf dem Feld. In jedem Spiel auf Augenhöhe sein.“ Und das gelang eindrucksvoll. Mit diesen Attributen und Stärken - vom Willen her, aber größtenteils auch fußballerisch -, trumpfte die JSG auf.

In den beiden Vorrunden-Spielen ihrer Dreier-Gruppe hatte es die JSG Flieden/Schweben mit den Ost-Vertretern Energie Cottbus und Lok Leipzig zu tun. In der Auftaktpartie gegen Cottbus, Bundesligist der Staffel Nordost, erreichte die JSG auf dem Hauptplatz Am Weiher ein 0:0. Elementar wichtig dazu: eine „hochgradig gute Defensivleistung“, wie es der Trainer nannte. Seine Mannschaft verteidigte alles weg und half sich, selbst wenn Cottbus in vermeintlich guten Abschluss-Positionen in der Box war. Zwei, drei vielversprechende Möglichkeiten arbeitete sich die JSG auch heraus - es waren Situationen, in denen man von außen dachte, dass da Erfahrungswerte fehlten.

Spiel zwei verlief und endete auf dem Kunstrasen gleich in mehrfacher Hinsicht unglücklich - 0:2. Die mit Traditionen behaftete Lok-Vertretung war frisch. Sie brannte. Sie wollte. Die JSG wollte auch - aber an einem Punkt angelangt, in dem sie ihre Kräfte suchte. Ein Spiel über die volle Distanz am Vorabend, sehr wenig Pause rutschen dem ersten und zweiten Spiel, Hitze auf einem Kunstrasen, ein physisch robuster Gegner. Schlechter hätte der Zugang kaum sein können. Kein Wunder, dass der Coach keine gute Bewegung, vor allem auch in den Halbräumen sah. Lange hielt die JSG ein 0:0 - und einige Situationen spielte sie schlecht aus im letzten Drittel. Nach dem Rückstand stellte die JSG um. Das aber half nichts. Kurz vor Schluss kassierte sie das zweite Tor.

Jetzt ging es im Vergleich zweier Gruppendritter gegen den Nachwuchs des Südwest-Regionalligisten Homburg. Wieder am Weiher spielend, schälte sich eine abwechslungsreiche Partie auf Augenhöhe heraus. Die JSG musste zwei frühe Abseits-Entscheidungen hinnehmen - und vermochte ihrerseits zeitige gute Chancen nicht zu nutzen, unter anderem dabei: ein Pfostenschuss und ein verheißungsvoller zweiter Versuch. Nach dem 0:1, das aus einer schlecht verteidigten Ecke resultierte, aber zeigte das gastgebende Team eine Reaktion. Und wie. Kevin Muth drückte das so aus: „Diese Leistung zu pulverisieren, noch einmal zuzulegen, obwohl der Akku immer leerer wurde, das war schon klasse. Das Vorgehen seines Teams sei „110 Prozent Leidenschaft“ gewesen. „110 Prozent Pressing. 110 Prozent den Ball-haben-wollen.“ So halt, wie sich der Trainer den Fußball vorstellt, den sein Team künftig zeigen solle. Nach dem Rückstand stellte der Coach auf zwei Stürmer um. Der Lohn war der Ausgleich zum 1:1 - und das erste Tor der JSG an diesem Tag. Lorenz Jestädt gelang es - nach kurzem Zuspiel ein Schuss aus der Drehung, vom Innenpfosten fand die Kugel ihren Weg ins Tor. Elfmeter-Schießen. Sämtliche Schützen trafen für die JSG.

Was jetzt folgte? Spiel um Platz neun gegen Kickers Offenbach - wieder auf dem Kunstrasen. Ein Spiel, das die JSG Flieden/Schweben den Chancen nach klar hätte gewinnen müssen. Früh geriet sie nach individuellem Fehler zurück. Der OFC war reifer in der Spielanlage und zeigte im Aufbau die besseren Abläufe. Baute vor allem über die Sechser gut auf - aber im letzten Drittel und dem Spiel in die Box war Schluss. Oder anders ausgedrückt: Die JSG verhinderte dies und ließ wenig zu. Fast nichts. „Offenbach hatte den Ball. Und ich hab‘ den Jungs gesagt, dass wir nach dem Spiel gegen Homburg kein Angriffspressing mehr spielen können.“ Die Mannschaft bot aber gutes Pressing im Mittelfeld - oder in Situationen, in denen es wichtig wird im Fußball. Mehrere Chancen hatte sie nach zügigem und einfachem Umschaltspiel gegen die hochstehende letzte Reihe des OFC - einschließlich des Torwarts. Mehrere Situationen spielte die JSG aber nicht gut aus. Der überfällige Ausgleich glückte Joel Herbert.

Wieder 1:1. Wieder Elfmeter-Schießen. Dieses Mal reichte es nicht. 2:4 vom Punkt aus. 3:5 im Gesamten. Aber, wie gesagt: die Platzierung, bei der gut und gerne und mit etwas Spielglück mehr möglich gewesen wäre, interessierte nicht besonders. Dafür vermochte die JSG Flieden/Schweben einiges mitzunehmen vom anspruchsvollen Leistungsvergleich. „Wir haben in jedem Spiel mit 110 Prozent agiert. Haben Vollgas gegeben. Spiel und Aufgabe angenommen - egal wie. Auch Rückstände aufgeholt, wie gegen Homburg oder Offenbach“, zog Kevin Muth ein Fazit, das schmeckte. „Die Mannschaft ist über ihre Grenzen hinaus gegangen. Das war mehr als allererste Sahne. Das war Leidenschaft. Das war Engagement. Das war Energie.“ Da konnte und wollte ihm niemand widersprechen. Tobi Herbert nicht. Daniel Reith nicht. Auch sonst keiner vom SV Flieden.

JSG Flieden/Schweben: Jannik Schmatz, Leon Röder (Tor) sowie Jack Christopher Wolf, Luca Walter, Noah Sitzmann, Kabir Rasuli, Yasin Guney, Jona Larbig, Joel Herbert, Laurenz Faust, Lennard Leinweber, Mika Rehm, Finn Schwabe, Maddox Croley, Justin Bayer, David Beer, Orlando Schmitt, Lorenz Jestädt +++ rl

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