Regionalliga-Reform: Hessische Vereine fordern Aufstiegsgarantie für Meister und kritisieren Kompassmodell

Fussball

Die fünf hessischen Vertreter in der Fußball-Regionalliga Südwest fordern eine verlässliche und gerechte Neuausrichtung des Aufstiegs in den Profifußball und weisen die aktuell diskutierten Reformvorschläge in ihrer derzeitigen Form zurück. In einer gemeinsamen Stellungnahme der Vereine Kickers Offenbach, KSV Hessen Kassel, TSV Steinbach Haiger, FSV Frankfurt und SG Barockstadt Fulda-Lehnerz stellen die Klubs die zentrale Forderung auf, dass jeder Meister einer Regionalliga-Staffel zwingend das direkte Aufstiegsrecht in die 3. Liga erhalten muss. Eine Meisterschaft müsse sportlich von echtem Wert sein, weshalb es einer bundesweit fairen und dauerhaft tragfähigen Gesamtlösung bedürfe.

Im Zentrum der aktuellen Debatte steht das sogenannte Kompassmodell, das die seit Jahren bestehende Problematik von fünf Regionalligen bei lediglich vier Drittliga-Aufsteigern lösen soll. Der Kernmechanismus dieses Modells sieht vor, die bisherigen fünf Staffeln auf vier nach Himmelsrichtungen gegliederte Spielklassen – Nord, Ost, Süd und West – zu reduzieren. Jeder der vier Staffelmeister würde damit ohne Relegationsspiele direkt in die 3. Liga aufsteigen, während im Gegenzug vier Mannschaften aus der 3. Liga absteigen. Um die Staffeln personell gleichmäßig mit Mannschaften zu bestücken, arbeitet das Konzept mit variablen geografischen Schnittlinien. Da sich die Vereinsdichten in den Regionen fortlaufend verschieben, sieht das Modell flexible Zuteilungen an den Zonengrenzen vor.

Genau an diesem Mechanismus üben die hessischen Regionalligisten deutliche Kritik: Durch die zentrale geografische Lage des Hessischen Fußball-Verbandes mitten in Deutschland lasse sich im Kompassmodell bislang nicht ausschließen, dass die hessischen Vereine aus ihrem angestammten Verbandsgebiet herausgerissen und auf unterschiedliche Staffeln aufgeteilt werden. Für die Clubs würde eine solche Aufteilung nicht nur einen Bruch gewachsener Verbandsstrukturen bedeuten, sondern auch den Verlust zuschauerstarker Traditionsduelle. Begegnungen wie das traditionsreiche Hessenderby zwischen Kassel und Offenbach oder das Nachbarschaftsduell zwischen Frankfurt und Offenbach sorgen regelmäßig für hohe Kulissen und sportliche Attraktivität, die durch eine Aufteilung der Vereine im Sinne der Fans unwiederbringlich verloren ginge.

Aus Sicht der hessischen Vereine sind die bisher vorgestellten Reformkonzepte inhaltlich keineswegs ausgereift. Bevor richtungsweisende Weichenstellungen beschlossen werden, verlangen die Clubs eine vollständige und transparente Darstellung aller sportlichen, organisatorischen und wirtschaftlichen Auswirkungen sowie einen fundierten Vergleich aller denkbaren Modelle. Eine Reform von dieser Tragweite dürfe nicht auf unklaren Eckpunkten fußen. Zugleich weisen die Vereine den Vorwurf entschieden zurück, dass sie oder die Regionalliga Südwest als Reformbremse agierten. Die Südwest-Staffel habe bereits 2018 zugunsten eines Kompromisses einen festen Aufstiegsplatz zur Verfügung gestellt, den Spielbetrieb maßgeblich professionalisiert und eine über mehrere Landesverbände hinweg funktionierende Struktur etabliert, die im Kompassmodell nicht hinreichend gewürdigt werde.

Da andere Verbände über viele Jahre hinweg Zeit hatten, eigene zukunftsfähige Konzepte zu entwickeln, dürfe nun nicht der Eindruck erweckt werden, die Regionalliga Südwest müsse die Versäumnisse und strukturellen Probleme anderer Landstriche lösen. Eine Reform könne ausschließlich gemeinschaftlich gelingen und nicht dadurch, dass einzelne Beteiligte pauschal zum Hindernis erklärt werden. Auch den finanziellen Ankündigungen des Deutschen Fußball-Bundes begegnen die Vereinsführungen skeptisch. Die in Aussicht gestellte Summe von 40.000 Euro pro Verein und Spielzeit klinge zwar auf den ersten Blick positiv, tauge jedoch nicht als Lockmittel: Solange die zukünftigen Kostenstrukturen unter dem Dach des DFB sowie die zusätzlichen Verpflichtungen für die Klubs nicht transparent aufgeschlüsselt sind, lasse sich nicht seriös beurteilen, ob daraus tatsächlich ein wirtschaftlicher Vorteil oder letztlich eine spürbare Mehrbelastung entsteht.

Die hessischen Regionalligisten bekräftigen ihre generelle Bereitschaft, an einer Lösung mitzuwirken, knüpfen dies jedoch an ein transparentes Verfahren, verlässliche Zahlen und eine ergebnisoffene Prüfung aller Entwürfe. Dass unausgereifte Kompromisse weitreichende Konsequenzen haben, kennen Vereine wie der KSV Hessen Kassel und Kickers Offenbach aus eigener bitterer Erfahrung: Nach der Reform von 2012 scheiterten beide Clubs trotz errungener Staffeltitel in anschließenden Aufstiegsrunden und stiegen nicht auf. Dieser historische Rückblick unterstreicht den Willen der hessischen Vertreter, an einem sportlich gerechten, wirtschaftlich stabilen Modell zu arbeiten, das die regionale Bindung an die Landesverbände schützt und auf vorschnelle Festlegungen sowie einseitige Schuldzuweisungen verzichtet. +++

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Banner 1 336 m

Werbung quali2

Ohr5euro
Enable Notifications OK No thanks